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„Mama, ich ziehe jetzt nach London“

14.05.2022 • 21:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nikolaj Haller, Koch und Unternehmer in London <span class="copyright">Nikolaj Haller</span>
Nikolaj Haller, Koch und Unternehmer in London Nikolaj Haller

Nikolaj Haller zog es mit 17 vom Hinterwald in die englische Hauptstadt.

Mit 17 Jahren erklärte Nikolaj Haller seiner ungläubigen Mutter, dass er nach London auswandern werde, um dort eine Karriere in der Gastronomie zu beginnen. Ohne Job oder Wohnung reiste der gelernte Koch aus Mellau in die Großstadt und fand innerhalb von nur einer Woche sowohl einen Arbeitsplatz als auch eine Bleibe. „Im Bregenzerwald war es mir einfach zu eng“, erklärt Haller. Inzwischen lebt der 28-jährige seit fast zwölf Jahren in London und gründete vor kurzem sein Unternehmen Haller’s Social Dining Table.

Zur Person

Nikolaj Haller ist 28 Jahre alt und stammt aus Mellau im Bregenzerwald. Er absolvierte seine Kochlehre im Hotel Engel. Haller lebt und arbeitet in London. Im August 2021 startete er sein eigenes Unternehmen Haller’s Social Dining Table in London.

Die Anfänge

Haller arbeitete in London zunächst als Dessert-Chef in einem Fine-Dining-Lokal im Nobelviertel Mayfair. Nach einem Jahr machte er einen kurzen Exkurs ins Sozialzentrum Bezau, um dort seinen Zivildienst zu leisten. Dort habe er viel von den Bewohnern gelernt. Wieder zurück in London, arbeitete er in allen möglichen Sparten der Gastroszene, von der Leitung eines Lokals bis hin zur Planung von Events. Auf der Suche nach neuer Inspiration wechselte er in die Kosmetikbranche und war für das heimische Unternehmen Susanne Kaufmann in Amerika und Asien unterwegs.


Doch der junge Mellauer wollte sein eigenes Geschäft starten. „Ich wusste immer schon, dass ich mich selbstständig machen will“, erzählt Haller. Während des ersten Lockdowns begann er daher, seine Firma nebenbei aufzubauen.
Weg in die Selbstständigkeit. „Im August 2021 habe ich mit meinem Unternehmen so richtig durchgestartet!“ Die Grundidee von Haller’s Dining – so der Name des neuen Online-Caterings – ist es, den Kunden das Erlebnis im Restaurant in die eigenen vier Wände zu transportieren, angefangen von Dekoration bis hin zu den Gerichten. Neben dem Cateringservice backt und liefert Haller Desserts für Cafes und Privatkunden. Inzwischen nimmt seine eigene Firma ungefähr 80 Prozent seiner Zeit in Anspruch. Nebenbei hilft Haller, aufgrund des akuten Personalmangels, unter dem die Branche auch in Großbritannien leidet, bei Freunden in der Gastronomie aus.


Der Arbeitstag des jungen Unternehmers verläuft immer anders und ist nach eigenen Angaben „verrückt“. Viermal die Woche beginnt der Tag um ein Uhr nachts in einer angemieteten Industrieküche. Dort werden die Desserts vor der Auslieferung zubereitet. Diese Schicht endet um sechs Uhr morgens.
Anschließend schläft der junge Koch zwei Stunden, um sich den Rest des Tages administrativen Dingen oder der Vorbereitung und Organisation von abendlichen Events zu widmen.


„Ich arbeite viel und ich arbeite gerne“, so Haller. Auch das Knüpfen von Kontakten und Pflegen von Beziehungen und Freundschaften ist für den 28-Jährigen von großer Bedeutung. „Ich habe schon meine eigene Community an Leuten, mit denen ich gut und gerne zusammenarbeite!“, berichtet Haller. Angestellte beschäftigt er derzeit noch keine.

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Nikolaj Haller

Einflüsse von daheim

Seine Herkunft soll auch Einfluss auf Hallers Unternehmen haben. An der Gastronomie im Bregenzerwald schätzt er besonders die Nachhaltigkeit und die Qualität der Lebensmittel. Auch gewisse Traditionen, wie das Einlegen von Gemüse, faszinieren den jungen Mellauer. „Mir war sofort klar, dass ich so auch mein Unternehmen führen möchte.“ Der Gastroszene im Bregenzerwald fehle aber noch „der gewisse Kick“, findet der Junggastronom. Auch an der Offenheit könne noch gearbeitet werden.

Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Nikolaj Haller
Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Nikolaj Haller

Blick in die Zukunft

Ob Hallers Weg ihn irgendwann zurück in den Bregenzerwald führen wird, ist noch ungewiss. Ausschließen will er es aber nicht. Erst mal möchte der junge Mellauer mit seinem Unternehmen international erfolgreich sein und sich vor allem in Amerika vermarkten.
Das Klientel von Haller’s Dining ist bunt gemischt und sehr inklusiv, was ihm besonders am Herzen liegt. „Wer weiß, vielleicht kommt zu meinem Unternehmen auch noch etwas dazu“, meint Haller. Was genau damit gemeint ist, bleibt fürs erste aber noch ein Geheimnis.

Sidonie Schwarzmann