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Long Covid: Vorarlbergs erste Selbsthilfegruppe

14.05.2022 • 19:40 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
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klaus hartinger

Welche Themen besprochen werden und was Treffen bewirken.

Sie gelten als genesen und sind trotzdem nicht gesund: Patientinnen und Patienten, die nach einer durchgemachten Sars-CoV-2-Infektion unter Long Covid leiden. Für die Betroffenen stellen sich mehr Fragen, als dass es Antworten gibt. Denn eine ursächliche Behandlung oder gar Heilung von Long Covid gibt es bisher nicht. Patienten fühlen sich oft alleine gelassen mit ihren Leiden und wissen nicht, damit umzugehen. Ein Austausch mit weiteren betroffenen Personen hilft zu erkennen, dass andere das Gleiche erleben. Am morgigen Montag startet Vorarlbergs erste Long-Covid-Selbsthilfegruppe. Geleitet wird diese von Michaela Mörth aus Dornbirn. Die 41-Jährige ist selbst seit über eineinhalb Jahren von Covid-Langzeitfolgen betroffen.

1. Wie viele Personen haben sich bereits angekündigt?
Michaela Mörth:
Derzeit rechne ich damit, dass etwa 15 Personen zum ersten Treffen kommen werden. So viele haben sich jedenfalls angemeldet. Natürlich darf man auch unangemeldet erscheinen. Daher kann ich nicht exakt sagen, wie viele es dann tatsächlich sein werden.

2. Für wie viele Personen ist Platz?
Mörth:
Wer kommen mag, kann kommen. Es gibt keine Beschränkungen. Je mehr Personen zum Treffen erscheinen, desto besser. Ich werde einen Raum wählen, der groß genug ist.

3. Welche Themen sollen besprochen werden? Oder geht es um Erfahrungsaustausch?
Mörth:
Für mich ist es erst mal ganz wichtig, dass es einen Raum für Gespräche gibt. Betroffene von Long Covid sollen ihre Erfahrungen und Empfindungen austauschen können. Es soll ein Ort sein, an welchem alle Emotionen Platz bekommen können und keiner sich zurückhalten muss. Alle Gedanken und Gefühle sind richtig. Ich möchte mir im Rahmen dessen offene Fragen und Anliegen anhören und sammeln. In einem weiteren Schritt könnte ich mir vorstellen, Vorträge oder Informationsveranstaltungen zu planen.


4. Was sollen die Treffen bewirken?
Mörth:
Es geht, wie bereits erwähnt, hauptsächlich ums Vernetzen. So gibt es die Möglichkeit, sich über Empfindungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen und aufzufangen. Auch bringt es die Möglichkeit, mit anderen herauszufinden, was hilfreich sein könnte und wie ein Tag für Betroffene angenehmer gestaltet werden kann. Wir können besprechen, welche beraterischen, therapeutischen oder medizinischen Möglichkeiten unterstützend wirken könnten, um sich besser zu fühlen. Es geht darum, herauszufinden, was anderen geholfen hat und mir vielleicht auch helfen könnte.

5. 19 Uhr ist für Long-Covid-Patienten möglicherweise nicht optimal. Viele leiden an Erschöpfungszuständen, und die Energie ist am Abend verbraucht.
Mörth:
Mir ist bewusst, dass 19 Uhr für viele Betroffene – manchmal auch für mich selbst – sehr spät sein kann. Mir war es allerdings wichtig, dass auch berufstätige Menschen teilnehmen können. Daher habe ich mich für eine spätere Uhrzeit entschieden. Ich bin aber dankbar für Rückmeldungen, was diesen Punkt betrifft.

6. Sind die Räumlichkeiten gut zugänglich?
Mörth:
Die Räumlichkeiten der Selbsthilfe Vorarlberg in Dornbirn befinden sich etwa fünf Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof entfernt. Vor dem Haus gibt es kostenlose Parkplätze. Im Haus befindet sich ein Lift.

7. Gibt es eine Covid-Testpflicht?
Mörth
: Eine Testpflicht ist nicht geplant. Der Schutz aller Anwesenden ist allerdings wichtig. Daher bitte ich alle Teilnehmenden darum, vor dem Termin selbst zu überprüfen, wie sie sich fühlen – in Bezug auf eine mögliche Infektion. Außerdem kann während der Treffen Maske getragen werden, damit sich alle sicher fühlen können.

10 bis 20 Prozent der Genesen gesprochen, leiden an Long/Post Covid. Es kann jede Person unabhängig vom Krankheitsverlauf treffen. <span class="copyright">klaus hartinger</span>
10 bis 20 Prozent der Genesen gesprochen, leiden an Long/Post Covid. Es kann jede Person unabhängig vom Krankheitsverlauf treffen. klaus hartinger

Wann und wo?

Zum Austausch, quatschen, unterhalten, plaudern trifft sich die Gruppe jeden dritten Montag im Monat ab 19 Uhr. Start ist der 16. Mai 2022.

Selbsthilfe Vorarlberg, Schlachthausstraße 7C (1. OG)

6850 Dornbirn

Kontakt: Michaela Mörth

Tel.: 0699/17136406

E-Mail: long.covid.

vorarlberg@gmail.com

8. Dürfen Angehörige mitkommen?
Mörth:
Die Gruppe soll Betroffenen von Long/Post Covid zur Verfügung stehen.

9. Sie arbeiten mit Selbsthilfe Vorarl­berg zusammen. Wie werden Sie unterstützt?
Mörth:
Ich habe bereits Ende 2021 den Zuständigen Nikolas Burtscher kontaktiert, da ich mich über Angebote informieren wollte. So bin ich zur Gruppenleitung gekommen. Burtscher hat mich bei der Erstellung von Informationsmaterial unterstützt und informiert über die Plattform Selbsthilfe Vorarlberg für die neue Selbsthilfegruppe. Auch werden Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

10. Das Land plant eine Art Long-Covid-Koordinationsstelle. Was müsste dringend getan werden?
Mörth:
Eine Koordinationsstelle, welche sich mit den Betroffenen und ihren Leiden beschäftigt, wäre natürlich toll. Es wäre sinnvoll, dass sowohl auf körperliche, geistige und psychische Komponenten geachtet wird und ein ganzheitliches System angeboten wird. Es stellt sich natürlich die Frage, ob dafür Personal und die finanziellen Mittel vorhanden sind.

Betroffenenbericht: „Gelernt, in kleinen Schritten zu denken“

Es war im Oktober 2020 als Michaela Mörth sich mit Sars-CoV-2 infizierte. „Seitdem hat es nie wieder aufgehört“, sagt sie heute nach gut eineinhalb Jahren. Mörth leidet noch immer an Erschöpfungszuständen, welche Leis­tungseinschränkungen mit sich bringen. Ihr Schlaf ist gestört. An manchen Tagen schafft sie es abends nicht mehr, andere Menschen zu treffen oder der Hausarbeit nachzugehen. „Mich schränken immer wieder sehr unangenehme Kopfschmerzen ein. Ich habe Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme mit dem Gedächtnis und Wortfindungsstörungen. Dazu kommen Atemprobleme und Konditionsverlust. Nebenbei habe ich noch immer Geruchs- und Geschmacksveränderungen.“
Mörth ist Psychotherapeutin. Sie denkt, dass ihr das hilft mit der Situation umzugehen. Es fällt ihr nicht schwer, über dieses Thema zu sprechen und sich Hilfe zu holen. „Hoffnung“ und „Heilung“ bezeichnet sie als große Worte. Vielmehr habe sie gelernt, in kleinen Schritten zu denken und sich an das neue Körpergefühl anzupassen, damit es ihr möglich ist, entspannter und ruhiger durch den Tag zu kommen. „Ich freue mich über jede Verbesserung, die dann zur Steigerung des Lebensgefühls führen wird“, sagt sie.

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Nicht ernst genommen

Nichtsdestotrotz ist die Situation eine Herausforderung. Nicht nur im medizinischen Sinne. Die 41-Jährige hat sich während ihrer Krankheit zur Selbstständigkeit entschieden. Mehr oder minder freiwillig. Bis Mitte 2021 war sie in einer Fixanstellung. Als sie nach der Infektion an massiven Erschöpfungszuständen litt und für ihre Arbeit deswegen viel mehr Zeit benötigte, machte sie unangenehme Erfahrungen bezüglich der Akzeptanz. Ihr wurden die Leistungseinbußen vorgeworfen und ihre Motivation hinterfragt. „Ich hatte den Eindruck, dass meine Symptome nicht ernst genommen und als Ausrede gesehen wurden.“Für die junge Frau ist es daher ein Anliegen, dass das Thema Long Covid nicht in den Hintergrund gerät.

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