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5.000 Menschen bei Mauthausen-Gedenken

15.05.2022 • 18:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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APA/TEAM FOTOKERSCHI.AT/HANNES DRAXLER

KZ-Befreiungsfeier steht im Zeichen des Ukraine-Krieges.

Gemeinsam mit den Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers haben heute Tausende Menschen an der internationalen Befreiungsfeier der KZ-Gedenkstätte Mauthausen teilgenommen, die vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) organisiert worden ist. Gemeinsam gedachten sie unter dem Schwerpunktthema “Politischer Widerstand” der Befreiung des KZ Mauthausen vor 77 Jahren und dessen Opfern. Die Feierlichkeiten wurden über Live-Stream international übertragen.

Anlässlich der 77. Wiederkehr der Befreiung des KZ-Mauthausen lud das Mauthausen Komitee Österreich in Zusammenarbeit mit dem Comité International de Mauthausen (CIM) und der Österreichischen Lagergemeinschaft (ÖLM) wieder zur internationalen Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Schwerpunkt “Politischer Widerstand”

Die Gedenk- und Befreiungsfeiern des MKÖ und seines Netzwerks widmen sich im Jahr 2022 dem thematischen Schwerpunkt “Politischer Widerstand”. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde zivilcouragiertes Handeln, das die eng gesetzten Grenzen des Systems überschritt, oftmals zu politischem Widerstand. Sobald man vom Regime als politisch Andersdenkender ausgemacht wurde, musste man mit Verhaftung, Folter und Hinrichtung rechnen. Weit über 90 Prozent der Opfer waren weder Deutsche noch Österreicher, weshalb das Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager einen besonderen internationalen Stellenwert hat. Österreichweit finden zudem an den Orten ehemaliger Außenlager eine Vielzahl von Gedenkfeiern statt, die von lokalen Initiativen im Netzwerk des MKÖ organisiert werden. Das Gedenken in Mauthausen ist europaweit die größte Befreiungsfeier.

Eindrücke der Befreiungsfeier am 15. Mai<span class="copyright">APA/TEAM FOTOKERSCHI.AT/HANNES DRAXLER (9)</span>
Eindrücke der Befreiungsfeier am 15. MaiAPA/TEAM FOTOKERSCHI.AT/HANNES DRAXLER (9)

Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ, ruft angesichts der Aktualität des diesjährigen Schwerpunktthemas zu Zivilcourage auf: “Wir sind heute hier, um den Opfern des Nazi-Terrors zu gedenken und die Befreiung vor 77 Jahren zu feiern. Vor allem aber wollen wir an die Personen erinnern, die politischen Widerstand geleistet haben und damit ihr Leben riskierten. Zivilcourage ist auch in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema – ob digital oder analog. Denn wer stillschweigt, akzeptiert den Hass, der uns umgibt.”

Befreiungsfeier in Form eines Gedenkzuges

An der Gedenk- und Befreiungsfeier nehmen jährlich tausende Menschen aus Europa und der ganzen Welt teil, darunter die letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager sowie zahlreiche Jugendliche aus Österreich und der ganzen Welt. MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi richtete während der gemeinsamen Befreiungsfeier seine Begrüßungsworte an die tausenden TeilnehmerInnen, insbesondere an die KZ-Überlebenden sowie ZeitzeugInnen bei der Befreiungsfeier und vor den Bildschirmen und an die tausenden anwesenden Jugendlichen. Vor der Begrüßung wurde die Befreiungsfeier mit einer virtuellen Verlesung des “Mauthausen-Schwurs” in mehreren Sprachen durch internationale Jugendliche eröffnet. Das MKÖ zeigte während des Gedenkzugs auch Kurzvideos zum thematischen Schwerpunkt, die gemeinsam mit VertreterInnen von diversen Jugendorganisationen produziert worden sind. Der Schriftsteller Daniel Kehlmann stellte dem Mauthausen Komitee Österreich eine Videobotschaft für die diesjährige Befreiungsfeier zur Verfügung.

130 Delegationen

Im Rahmen der gemeinsamen Befreiungsfeier erfolgte die Kranzniederlegung durch rund 130 Delegationen. Redebeiträge von MKÖ-Vorsitzenden Willi Mernyi und CIM-Präsidenten Guy Dockendorf waren ebenfalls Teil des Gedenkens. Musikalisch begleitete das Ensemble “Widerstand” den gesamten Gedenkzug. Mehrsprachig moderiert wurde die Gedenkfeier, wie auch in den vergangenen Jahren, durch Konstanze Breitebner und Mercedes Echerer. Der Weg des Gedenkzugs endete schließlich mit dem Auszug aus dem ehemaligen Schutzhaftlager, mit dem die Befreiung der KZ-Inhaftierten im Jahr 1945 symbolisiert wurde. Anschließend gab es die Möglichkeit für individuelles, stilles Gedenken.

Stimmen aus Vorarlberg

Sandra Schoch, 2. Vizepräsidentin im Vorarlberger Landtag: “Um Widerstand gegen dieses systemische Vergessen zu leisten, haben die Landeshauptstadt Bregenz, das Land Vorarlberg und der Vorarlberger Gemeindeverband ein Widerstandsmahnmal für Vorarlberg konzipiert und umgesetzt. Gestaltet von der kärntner-slowenischen Künstlerin Nataša Sienčnik zeigt das Denkmal die Namen und Kurzbiografien von 100 Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, die sich dem nationalsozialistischen Unrechtsregime widersetzt haben. Sie stehen für alle Widerstandskämpfer:innen, Deserteure und Wehrdienstverweigerer, und für alle Bürger: innen die Verfolgten und Misshandelten gegenüber menschlich gehandelt haben.”

APA