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Massive finanzielle Schieflage

17.05.2022 • 18:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Haushalts- und Gartenroboter verkauft myRobotcenter.<span class="copyright">myrobotcenter gmbh  </span>
Haushalts- und Gartenroboter verkauft myRobotcenter.myrobotcenter gmbh

Unerwartete Liquiditätsprobleme bei Götzner myRobotcenter GmbH.

Der seit wenigen Jahren wirtschaftlich etwas angeschlagene Haushalts- und Gartenroboterhändler myRobotcenter GmbH ist durch diverse Umstände nunmehr in eine massive wirtschaftliche Schieflage geraten. Denn das 2007 gegründete und insbesondere über den Online-Vertrieb tätige Handels- und Serviceunternehmen steht vor einem millionenschweren Insolvenzverfahren.
Wie der geschäftsführende Gesellschafter Christian Sommer nach Vorliegen entsprechender Informationen auf wpa-Anfrage erklärte, wurde vor einigen Tagen am Landesgericht Feldkirch der Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt. Sommer beziffert die Passiva mit etwa 14 Millionen Euro. Den Gläubigern werde eine Quote von 30 Prozent binnen zwei Jahren angeboten. Das Unternehmen mit Standorten in Götzis, Hohenems (Lager) und Innsbruck beschäftigt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Entscheidung des Insolvenzgerichtes stand am Dienstagnachmittag noch aus.


Nach Darstellung von Sommer habe das Zusammentreffen von mehreren Faktoren zum Gang vor das Insolvenzgericht geführt, wobei zwei unvorhersehbare Ereignisse als die maßgeblichen Auslöser zu sehen seien. So habe ein milliardenschwerer US-Zahlungsdienstleister, über den Kunden von myRobotcenter ihre Bestellungen bezahlen können, am 14. April 2022 überraschend mitgeteilt, dass man aufgrund des „Käuferschutzes“ eine Sicherheitsreserve auf dem Konto von myRobotcenter zurückhalten müsse. Dadurch sei die Liquiditätssituation unvorhergesehen massiv verschärft worden.

Nur noch gegen Vorauskasse

Die zweite maßgebliche Ursache sei, dass myRobotcenter fünf Tage später von einem Lieferanten informiert worden sei, dass ein Kreditversicherer nicht mehr bereit sei, einen Lieferantenkredit zu versichern. „Dies hatte zur Folge, dass Lieferanten nur noch gegen Vorauskasse Ware liefern, was die Liquiditätssituation zusätzlich negativ belastete.“ Begründet worden sei der Schritt mit dem negativen Eigenkapital des Unternehmens (2,9 Millionen Euro in 2018/19). Diese sei dem Kreditversicherer aber schon seit mehreren Jahren bekannt und zudem jüngst wieder reduziert worden.


Die beiden Hauptursachen müssten vor dem Hintergrund gesehen werden, dass myRobotcenter seit April 2021 von teilweise massiven Umsatzrückgängen betroffen ist. „Wir sprechen bei Staubsaugerrobotern von minus 40 Prozent.“ Im Geschäftsjahr 2019/20 kam myRobotcenter auf einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 30 Millionen Euro. Für 2021/22 seien 20 Millionen Euro Umsatz geplant. „Die Menschen werden bei ihren Einkäufen vorsichtiger, die Kauflaune geht zurück. Die Kombination aus zwei Jahre andauernden Corona-Maßnahmen, Lockdowns, international gestörten Lieferketten mit strengen Maßnahmen in China, wachsender Inflation, steigenden Energiepreisen und jetzt auch noch dem Ukraine-Krieg führt zu einem spürbaren Rückgang der Kundennachfrage.“ Diese internationalen und wirtschaftlichen Faktoren habe man schon längere Zeit auf dem Schirm gehabt und sich darauf vorbereitet. Die Restrukturierung des buchmäßig seit einigen Jahren überschuldeten Unternehmens sei im Gange und mit den Banken unter anderem im Rahmen einer Stand Still-Vereinbarung abgesprochen, sagt Sommer.

Quasi über Nacht

Das gelte jedoch nicht für das unerwartet geänderte Vorgehen des US-Zahlungsdienstleisters und des Kreditversicherers: „Wir waren bis zum 13. April 2022 voll zahlungsfähig. Ab dem 14. April hatten wir quasi über Nacht ein massives Liquiditätsproblem, das wir trotz Mithilfe von Experten nicht so schnell beheben konnten.“ Deshalb habe man sich für die Beantragung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung entscheiden müssen. „Wir glauben fest an die Zukunft unseres Unternehmens und hoffen, dass die Gläubiger dem Sanierungsplan zustimmen werden.“ Die Finanzierung der Quote soll über den Fortbetrieb gesichert werden, wobei das Unternehmen unter anderem die Zahl der Standorte und das Personal reduzieren werde.

Günther Bitschnau