_Homepage

Aus sieben Spitälern wird ein Campus

18.05.2022 • 21:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Verstärkte Kooperation soll Versorgungsqualität sichern und zur Attraktivierung des Arbeitsplatzes beitragen.

Eklatanter Fachkräftemangel, kostenintensive Infrastruktur und teilweise sinkende Fallzahlen spannen die Lage für Krankenhausträger immer weiter an. Die Versorgung von morgen wird deshalb von mehr Kooperationen und effizienteren Abläufen geprägt sein. Dies trifft auch und gerade auf Vorarlberg zu, wo es auf relativ kleinem Raum fünf Landeskrankenhäuser (Feldkirch, Rankweil, Hohenems, Bludenz und Bregenz), das Stadtspital Dornbirn und das Krankenhaus der Stiftung Maria Ebene gibt. Land und Stadt Dornbirn unterzeichneten deshalb bereits im Oktober 2020 eine Absichtserklärung mit dem Ziel, die vorhandenen Strukturen besser aufeinander abzustimmen. Nun werden offensichtlich Nägel mit Köpfen gemacht. Die sechs Landeskrankenhäuser und das Dornbirner Stadtspital wollen künftig als „Spitalscampus Vorarlberg“ noch intensiver zusammenarbeiten. Am Mittwoch wurde ein Aktionsplan präsentiert, der nun sukzessive umgesetzt werden soll.
Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) bezeichnet das Vorhaben als „Meilenstein in der Vorarlberger Spitalsentwicklung.“ Oberstes Ziel sei es, die Versorgungsqualität für die Patienten auszubauen. Diese müssten dort versorgt werden, wo die Kompetenz am größten sei.


Eine immer größere Bedeutung kommt der Mitarbeitergewinnung und -bindung zu. Auch in diesem Bereich will man sich durch eine engere Kooperation Vorteile verschaffen. Rüscher denkt hier beispielsweise an attraktivere Dienstplanungsmöglichkeiten, bessere Ausbildungsmöglichkeiten und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen „Der Spitalscampus soll die Nummer eins in der Fachkräfteausbildung werden.“
Zu diesem Zweck sollen auch die derzeit drei Krankenpflegeschulen des Landes als „Ausbildungszentrum Gesundheit“ gebündelt werden und etwa einen gemeinsamen Bewerbungsprozess erhalten. Neu hinzukommen soll die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz (OTA). Ein Stipendienmodell für den Pflegebereich ist in Vorbereitung.

V.l.: Chefarzt Elsäßer, Direktor Fleisch, Landesrätin Rüscher, Bürgermeisterin Kaufmann und der Dornbirner Pflegedirektor Ladner.<span class="copyright">NEUE</span>
V.l.: Chefarzt Elsäßer, Direktor Fleisch, Landesrätin Rüscher, Bürgermeisterin Kaufmann und der Dornbirner Pflegedirektor Ladner.NEUE

Schwerpunkte

Die einzelnen Häuser sollen sich künftig neben der Grundversorgung nur noch auf einzelne Schwerpunkte konzentrieren. Damit sollen einerseits Kosten gespart werden, andererseits Vorteile für eine höhere Behandlungsqualität generiert werden. Geplant ist, dass Bregenz die Schwerpunkte Unfallmedizin, Orthopädie und Adipositas übernimmt, Dornbirn Kinderheilkunde, Geburten und Gynäkologie – in einem Doppelprimariat mit der Geburten- und Gynäkologiestation Bregenz – und Hohenems Pulmologie, Schmerzbehandlung und die Long-Covid-Koordinationsstelle. Feldkirch ist als größtes Spital weiterhin das Schwerpunktkrankenhaus des Landes für alle komplexeren Fälle. Rankweil bleibt wie bisher für Neurologie und Psychiatrie zuständig, Maria Ebene für Suchtkrankheiten. In Bludenz soll ein Schwerpunkt für konservative Kardiologie entstehen, die Unfallmedizin für den Winter weiter gestärkt werden und – neben dem Krankenhaus Hohenems – ein tageschirurgischer Schwerpunkt gesetzt werden.

Einzigartig

Bürgermeisterin Andrea Kaufmann freut sich über die verstärkte Vernetzung und Kooperation zwischen den Krankenhäusern. Die trägerübergreifende Zusammenarbeit (Doppelprimariat Gynäkologie- und Geburtenstationen am LKH Bregenz und KH Dornbirn) bezeichnete sie als „österreichweit einzigartig und zukunftsweisend“. Vom „Beginn einer neuen Ära“ sprach Gerald Fleisch, der seit seit 18 Jahren an der Spitze der Krankenhausbetriebsgesellschaft steht. Er verwies darauf, dass bereits in der Vergangenheit einiges passiert sei. Der nunmehr präsentierte Aktionsplan ist für Fleisch gleichsam der Startschuss für einen umfassenden Beteiligungsprozess. Wolfgang Elsäßer, Primar am Landeskrankenhaus Feldkirch, bezeichnete die Pläne als aus medizinischer Sicht hervorragend. Die Spezialisierung in der Medizin werde immer intensiver, das Setzen von Schwerpunkten sei sehr wichtig für attraktive Häuser – immerhin seien hohe Fallzahlen bekanntlich ein großer Qualitätsfaktor.
Befeuert wurden die Kooperationspläne durch die Coronapandemie. Laut Elsäßer seien die einzelnen Häuser näher zusammengerückt und hätten Vertrauen zueinander gewonnen. Auch Bertram Ladner, Pflegedirektor am Krankenhaus Dornbirn, begrüßte die Pläne.