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„Kinder entführen und das Haus anzünden“

18.05.2022 • 18:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Symbolbild<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Symbolbildklaus hartinger

38-Jähriger war nach Ansicht der Richter manisch und daher nicht zurechnungsfähig.

Der Fachhochschulabsolvent drohte im Vorjahr mit Kindesentführung, Brandstiftung und bei einem anderen Vorfall mehrmals mit Mord. Weil er sich dabei nach Ansicht des Schöffensenats unter dem Vorsitz von Richter Dietmar Nußbaumer in einer manischen Phase befand und nicht zurechnungsfähig war, konnte er dafür strafrechtlich nicht verurteilt werden.

Urteil rechtskräftig

Stattdessen wurde der Betroffene am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch bedingt in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Wenn sich der 38-Jährige in den nächsten fünf Jahren ambulant psychiatrisch behandeln lässt und Medikamente gegen seine bipolare Störung einnimmt, keine Drogen und keinen Alkohol konsumiert, sich ans behördliche Waffenverbot hält und Bewährungshilfe in Anspruch nimmt, darf er auf freiem Fuß bleiben und wird nicht in einem psychiatrischen Krankenhaus oder psychiatrischen Gefängnis auf unbestimmte Zeit untergebracht. Das Urteil, mit dem der von Nadja Luger verteidigte Betroffene und Staatsanwalt Simon Mathis einverstanden waren, ist rechtskräftig.

Nach den gerichtlichen Feststellungen sagte der aufgebrachte Arbeitslose aus dem Bezirk Dornbirn im September 2021 zu seiner Ex-Partnerin, er werde die beiden gemeinsamen Kinder entführen und ihr Haus anzünden, wenn sie die Kinder nicht bis 17 Uhr zum Dornbirner Messepark bringe. Wäre er schuldfähig gewesen, wäre er dazu wegen versuchter schwerer Nötigung verurteilt worden, mit einem Strafrahmen von sechs Monaten bis fünf Jahren Gefängnis.

Angeklagter drohte mit Mord

Im Juli 2021 warf der damals psychotische Mann nach Ansicht der Richter mit Terrassenmöbeln um sich und drohte seiner Nachbarin damit, sie abzustechen. Demnach sagte er danach zu einer einschreitenden Polizistin, sie solle verschwinden, sonst  werde er alle umbringen. Dazu wäre er bei Schuldfähigkeit wegen gefährlicher Drohung und versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt schuldig gesprochen worden.

Gerichtspsychiater Reinhard Haller gab zu Protokoll, die vom Betroffenen in manischen Phasen ausgehende Gefährlichkeit könne gebannt werden, wenn er sich an die Weisungen halte. Der Betroffene sagte, ihm tue leid, was er getan habe. Er habe vor den Taten seine Medikamente abgesetzt und Cannabis konsumiert. Diesen Fehler werde er nicht mehr begehen. Inzwischen sei er jeden Monat bei seinem Psychiater und jede Woche bei seinem Psychotherapeuten.