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Ausnahmezustand der Jugendlichen: Diversion

19.05.2022 • 17:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Symbolbild<span class="copyright">klaus hartinger</span>
Symbolbildklaus hartinger

15-Jährige wollte sich nach Trennung selbst verletzen und wehrte sich gegen einschreitende Polizisten.

Die damals 15-Jährige habe sich am 21. Oktober 2021 in einem emotionalen Ausnahmezustand befunden, meinten Richterin Sabrina Tagwercher und Verteidiger Meinrad Einsle. Deshalb gewährte die Strafrichterin der unbescholtenen Angeklagten am Donnerstag in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch eine Diversion. Wenn die nunmehr 16-Jährige 30 Stunden an gemeinnütziger Gratisarbeit verrichtet, wird das Strafverfahren gegen sie eingestellt werden, ohne Verurteilung und ohne Vorstrafe. Die Angeklagte und die Staatsanwältin waren mit der diversionellen Erledigung einverstanden.

Diversion möglich

Ausnahmsweise sei beim Vergehen des versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt wegen der besonderen Situation eine Diversion möglich, sagte die Strafrichterin. Denn die Angeklagte habe sich gegen Polizisten gewehrt, die verhindern wollten, dass sich die mit einem Messer im Türrahmen der Wohnung stehende Jugendliche mit dem Messer selbst verletzt. Dabei kratzte die Jugendliche einen Polizisten und verletzte ihn so leicht. Dem anderen Beamten versetzten sich einen Tritt gegen den Bauch.

Die 15-Jährige hat heftig darauf reagiert, dass ihr Freund an jenem Abend die Beziehung zu ihr beendet hatte. Sie schnitt ihm mit einem Messer leicht in den Handrücken und bewarf sein Auto mit Kieselsteinen. Die Angeklagte sagte, sie sei von ihm emotional abhängig gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch legte ihr in ihrem Strafantrag mehrere Vergehen zur Last: versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung. Bei einer Verurteilung hätte der Strafrahmen für die Jugendliche bis zu eineinhalb Jahre Gefängnis betragen.

Verteidiger Einsle sagte, seine Mandantin sei nervlich mit dem Ende der Beziehung überfordert gewesen. Sie habe die Taten nicht vorsätzlich begangen. Deshalb sei sie freizusprechen.