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Mordfall Janine G.: Überraschende Enthaftung

20.05.2022 • 12:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mordfall im Lustenauer Roied. <span class="copyright">hartinger</span>
Mordfall im Lustenauer Roied. hartinger

Nach Tötungsdelikt in Lustenau: Einer der beiden Tatverdächtigen auf freiem Fuß.

Im Fall der Anfang März in Lustenau getöteten Janine G. (30) befindet sich einer der beiden Tatverdächtigen wieder auf freien Fuß. Das Oberlandesgericht Innsbruck gab einer Haftbeschwerde statt. Das bestätigte der Sprecher des Landesgerichts Feldkirch, Norbert Stütler, auf NEUE-Anfrage.

19-Jähriger enthaftet

Eingereicht wurde die Beschwerde vom jüngeren der beiden Tatverdächtigen. Der 19-Jährige, in dessen Wohnung sich die Tat ereignet haben soll, hat eine unmittelbare Beteiligung an der Tat von Anfang an bestritten. Seinen 25-jährigen Kollegen belastet er hingegen schwer. Dieser soll Janine G. gewürgt haben bis sie sich nicht regte. Der 19-Jährige gab an, unter Schock gestanden zu sein. Aus Angst, mitunter selbst getötet zu werden, habe er anschließend mitgeholfen, die Leiche aus der Wohnung zu schaffen.

Kein dringender Tatverdacht

Das Oberlandesgericht (OLG) Innsbruck sieht keinen dringenden Tatverdacht – weder im Hinblick auf ein Tötungsdelikt noch auf unterlassene Hilfeleistung. “Anhaltspunkte für eine sukzessive Mittäterschaft liegen nicht vor”, begründen die Richter ihre Entscheidung. Die Angaben des 19-Jährigen, seien derzeit “durch nichts zu widerlegen und in gewisser Art und Weise nachvollziehbar”. Der 19-jährige wurde am Donnerstagnachmittag aus der Untersuchungshaft entlassen.

Rechtsanwalt Sanjay Doshi teilte in einer Aussendung mit, dass der Ablauf des Abends anhand von Aussagen mehrerer Zeugen rekonstruiert werden konnte. “Wir konnten somit aufzeigen, dass unser Mandant den Ablauf des Abends von Beginn weg korrekt dargestellt hat.” Auch das zwischenzeitlich vorliegende gerichtsmedizinische Gutachten bestätigte die Schilderung des 19-Jährigen zum Tathergang.

Emotionales Wiedersehen mit Eltern und Bruder

Rechtsanwalt Sanjay Doshi schildert der NEUE, wie sein Mandant die Enthaftung erlebt hat

Am Donnerstag um etwa 14.30 Uhr ging ein Fax mit brisantem Inhalt beim Landesgericht Feldkirch ein. Das Oberlandesgericht (OLG) Innsbruck ordnete die umgehende Enthaftung jenes 19-jährigen Mannes an, der im Zusammenhang mit dem Mordfall Janine G. am 6. März dieses Jahres festgenommen worden war. „Der Haft- und Rechtsschutzrichter hattte meine Kanzlei informiert, allerdings war ich gerade nicht da“, erzählt Doshi. Kurze Zeit später wurde der 19-Jährige in seiner Zelle von einem Justizwachebeamten darüber in Kenntnis gesetzt, dass er enthaftet werde und deshalb zusammenpacken könne. Zwischenzeitlich erfuhr auch Anwalt Doshi von der Entscheidung. Er machte sich auf den Weg in die Justizanstalt und traf seinen Mandanten vor dem Landesgericht. „Er war zunächst etwas orientierungslos, schließlich ist er nach mehr als zwei Monaten U-Haft von einer Minute auf die andere enthaftet worden. Er sagte, dass es ihm vorkomme, wie in einem Traum.“

Anschließend ging Doshi mit dem erleichterten Mandanten in die Kanzlei, die sich gegenüber vom Landesgericht befindet. „Wir haben uns auf die Terrasse gesetzt und erst einmal mit einem Bier auf die wiedererlangte Freiheit angestoßen.“ Wenig später stieß dann die Familie des 19-Jährigen hinzu. „Sie schlossen sich alle in die Arme, selbstverständlich sind auch Tränen geflossen“, schildert der Feldkircher Anwalt das von großen Emotionen begleitete Wiedersehen und gibt unumwunden zu: „Das war sicher einer der bewegendsten Momente in meiner bisherigen Berufskarriere.“

Der 25-Jährige steht hingen weiter unter dringendem Mordverdacht. Laut NEUE-Informationen macht er nach wie vor von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Im Ried gefunden

Janine G. starb in der Nacht auf den 3. März. Die Polizei stellte “massiver Gewalt an Kopf und Hals in Form von Schlägen und Würgen” fest. Zwei Tage später wurde ihr lebloser Körper von einem Grundstückbesitzer im Lustenauer Ried in einem Entwässerungsgraben aufgefunden, etwa drei Kilometer vom Tatort entfernt. Am selben Tag wurde die Frau von ihrem Vater als vermisst gemeldet.

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