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Motorrad-Rowdies im Visier der Polizei

21.05.2022 • 20:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch die 31 Einsatzfahrer der Vorarlberger Polizei müssen jährlich ein spezielles Fahrsicherheitstraining absolvieren.   <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Auch die 31 Einsatzfahrer der Vorarlberger Polizei müssen jährlich ein spezielles Fahrsicherheitstraining absolvieren. Stiplovsek

Eine kürzlich beschlossene Gesetzesnovelle erlaubt es der
Exekutive, schneller und strenger einzugreifen.

Lärmfahrverbote, wie es sie seit 2020 für bestimmte Passstraßen im benachbarten Tiroler Bezirk Reutte gibt, sind in Vorarlberg zwar noch nicht in Sicht, allerdings hat die Exekutive auch hierzulande Motoradfahrer im Visier, die unnötig schnell beschleunigen und dadurch viel Lärm erzeugen. Mit der kürzlich kundgemachten Novelle des Kraftfahrzeuggesetzes (KFG) können rücksichtslose Fahrer und Fahrzeugtuner nun leichter, rascher und auch höher für ihr Fehlverhalten bestraft werden. Laut Umweltministerium soll die Gesetzesnovelle dazu beitragen, die „unzumutbare Belästigung der Bevölkerung zu unterbinden“.

Einer, der sich mit dieser Thematik auskennt, ist Klaus Wiedemann. Der Chefinspektor koordiniert die Ausbildung der Motorradpolizisten bei der Landesverkehrsabteilung in Vorarlberg. Im NEUE-Gespräch betont er, dass die Polizei es nicht toleriere, wenn Motorradfahrer unnötigen Lärm verursachen. Immer wieder komme es vor, dass sich Anrainer beschweren. Hotspots sind klarerweise die beliebten Berg- und Passstraßen, aber auch im städtischen Bereich fühlen sich laut Wiedemann mittlerweile immer mehr Menschen durch aufheulende Motorräder belästigt.

Höhere Mindeststrafe

Als Problem bezeichnet der Chefinspektor etwa klappengesteuerte Auspuffanlagen, wie sie mittlerweile von fast jedem Hersteller angeboten werden. Wenn technisch nichts verändert wurde, sei eine Ahndung schwierig. Denn kurioserweise dürfen die Auspuffanlagen außerhalb des Messbereiches den Grenzwert überschreiten, sprich die dämpfenden Klappen gehen jenseits der 70 km/h wieder auf und sorgen so mitunter für ohrenbetäubenden Lärm. Was die Polizei und Behörden allerdings jetzt viel strenger sanktionieren können, sind „nicht der Eigenart des Fahrzeuges entsprechende Verhaltensweisen“ wie rasches Anfahren und Beschleunigen, sowie abruptes Abbremsen sowie illegales Tuning. Die Mindeststrafe, die auch gleich als Organmandat eingehoben werden kann, beträgt nun 300 Euro, im äußersten Fall dürfen die Polizisten auch vorübergehend das Kennzeichen abnehmen. Weiters erfolgt eine generelle Verdopplung des Strafrahmens im Kraftfahrgesetz auf 10.000 Euro

Das sommerliche Wetter lockt derzeit vor allem am Wochenende viele Motorradfahrer auf die Straßen. Wiedemann appelliert zu Vorsicht und Eigenverantwortung. Ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit auf zwei Rädern sei die Schutzbekleidung. „Wir haben festgestellt, dass aufgrund der hohen Temperaturen immer wieder Motorradfahrer ohne entsprechende Bekleidung unterwegs waren.“ Wiedemann weist darauf hin, dass dies im Falle eines Unfalls den Anspruch auf Schadenersatz vermindern kann.

Grundsätzlich empfiehlt der Verkehrspolizist den Motorradfahrern, sich nach der Winterpause „langsam warm zu fahren, um wieder ein Gefühl für die Maschine zu bekommen“. Auch die 31 Einsatzfahrer der Vorarlberger Polizei müssen jährlich ein spezielles Fahrsicherheitstraining absolvieren. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Motorradpolizisten jedenfalls wieder verstärkt auf Vorarlbergs Straßen unterwegs sein, um Raser und Tuner auszubremsen.