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Vorarlberger sind am zweitmeisten gefährdet

23.05.2022 • 20:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Die Armutsgefährdung ist nur in Wien höher, zeigen ­Berechnungen der Armutskonferenz.

Anlässlich des Welttages zur Vermeidung von Armut am 17. Oktober zieht die Vorarlberger Armutskonferenz folgende Bilanz: Während in Österreich insgesamt seit 2013 ein leichter Rückgang der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung von 19,2 Prozent auf 17 Prozent im Jahr 2019 zu beobachten war, stieg sie in Vorarlberg kontinuierlich an: von 19 Prozent im Jahr 2011 auf 22,7 Prozent im Jahr 2019.

Lediglich in der wirtschaftlichen Erholungsphase 2017/2018 gab es leichte Rückgänge auf 21,9 Prozent. Im Bundesländervergleich liegt Vorarlberg damit konstant auf dem vorletzten Platz, vor Wien. Damit waren laut Armutskonferenz 2019 an die 90.000 Vorarlberger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Darunter befanden sich 25.000 Kinder und Jugendliche bis 24 Jahre. Dies sei „ein Armutszeugnis für ein Land, das das chancenreichste für Kinder sein will“. Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung betreffe nicht nur Sozialhilfebezieher, sondern nahezu ein Viertel der Vorarlberger Bevölkerung.
„Es wird deutlich, dass auch Erwerbstätigkeit nicht vor Armut oder Ausgrenzung schützt, wenn sie im Niedriglohnsektor aufgenommen wird. Das ist offenbar in Vorarlberg häufig der Fall, ansonsten hätte sich die sinkende Arbeitslosigkeit während der wirtschaftlichen Erholungsphase stärker in den entsprechenden Armutsquoten niederschlagen müssen“, heißt es in der Aussendung der Armutskonferenz.

Sinkende Zahlen kein Indiz

Nur auf den ersten Blick überrasche, dass entgegen dem Trend bei der Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung der Sozialhilfebezug seit seinem Höchststand mit 13.623 Beziehern im Jahr 2017 rückläufig war. Bis 2019 sei er um 11,3 Prozent auf 12.084 zurückgegangen. Ausschlaggebend dafür sei die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt, infolge derer zahlreiche Sozialhilfebezieher eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten. Allerdings dürften die meisten von ihnen dabei so wenig verdienen, dass sie weiterhin armuts- oder ausgrenzungsgefährdet bleiben.
Den neuerlichen Rückgang der Bezieher im Jahr 2020 um weitere 10,4 Prozent auf 10.832 werde man hingegen vor dem Hintergrund der Sonderfaktoren der Corona-Pandemie betrachten müssen. Man weise nachdrücklich darauf hin, dass diese rückläufigen Zahlen bereits vor dem Inkrafttreten der neuen – von ÖVP und FPÖ im Bund beschlossenen – Sozialhilfe (im Frühjahr 2021) zu beobachten gewesen seien.

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