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A****knapp: noch einmal Glück gehabt

29.05.2022 • 15:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Letztens fahre ich auf der Autobahn. Es regnet. Ich entscheide mich für die Benutzung der ersten Spur, auf der Überholspur fahren mir die Herr- und Damenschaften doch ein wenig zu schnell. Ich bin gerade noch erstaunt über die Wellen schlagenden Überholmanöver, als wie aus dem Nichts ein Auto vor mir – im wahrsten Sinne des Wortes – vorbeifliegt, die Betonabgrenzung touchiert und sich dann wieder mit einer Drehung auf die zweite Fahrbahn verabschiedet. Im Nachhinein bin ich erstaunt, wie viele Gedanken sich in meinem Hirn innert einer Zehntelsekunde ins Zwiegespräch begeben können. „Achtung, Gefahr!“ – „Ich hab’s gesehen!“ – „Brems!“ – „Mach ich!“ – „Aber keine Vollbremsung, sonst ist das Auto hinter dir in deinem Kofferraum!“ – „Stehen bleiben. Warnblinkanlage rein“ – „Schau, was draußen abgeht, gibt es schon Helfer?“ – „Sind schon beim Unfallauto.“ – „Dann schnauf kurz aus, damit dein Herz wieder in einen gescheiten Rhythmus kommt!“ – „Gern“

Es ist niemandem etwas Schlimmes passiert. Selbst der Fahrer des Schleuderautos ist mit einem blauen Auge davongekommen. Nachdem ich noch, da Zeugin, auf die Polizei gewartet hatte, bin ich eine Dreiviertelstunde später mit weiterhin zittrigen Knien nach Hause gefahren. Einerseits war ich sehr glücklich, wie unaufgeregt und rapide Menschen zur Stelle waren, die dem Verunfallten unterstützend zur Seite gestanden sind. Als ich aus meinem Auto ausgestiegen bin, keine 30 Sekunden nach dem Unfall, waren schon Ersthelfer beim Lenker. Und innert kürzester Zeit Rettung, Polizei und Autobahnmeisterei. Ein netter Herr hat aus seinem Auto eine Regenjacke für mich geholt. Der Regen dauerte ja an, und ich sah inzwischen aus wie frisch aus der Dusche. Ich habe mir von ihm Papers und Tabak „ausgeborgt“ und mir seit ewigen Zeiten wieder einmal eine Zigarette gedreht. Auf dieses Kunstwerk hat einer der anwesenden Polizisten einen fragenden Blick geworfen – ich gebe zu, die Form war etwas seltsam. Neben all den menschlichen Erlebnissen von Hilfsbereitschaft blieb mir aber ein bitterer Nachgeschmack. Warum riskieren Menschen immer wieder ihres und vor allem das Leben anderer, nur um zwei Minuten schneller anzukommen? Oder ist das auch eine Art der Selbstdarstellung und das Zeigen von Überlegenheit? Ich würde all jenen, die einen derartigen Kick brauchen, ganz dringend empfehlen, möglichst viel Bungeejumping zu machen. DAS ist beeindruckend, mutig, bringt einen Kick und niemand anderen in Gefahr – und rasend schnell ist es auch noch, ich schwöre! Danke dafür.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in

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