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Vom Bauen mit Ziegel in Rot-Weiß-Rot

29.05.2022 • 14:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
60 Prozent der privaten Häuslbauer in Österreich bauen mit Ziegel
60 Prozent der privaten Häuslbauer in Österreich bauen mit Ziegel Wienerberger

Von den USA bis Indien: Was der Jahrhundert-Baustoff alles kann.

Die Seilbahn „Skyway Monte Bianco“ gilt als Meisterwerk der Technik. Wohl zu Recht, denn sie führt in zwei Etappen bis auf 3466 Meter des Mont Blanc, mit 4810 Meter der höchste Gipfel der Alpen. Eine stolze Referenz nicht nur für den Erbauer Doppelmayr, sondern auch für Wienerberger. In den Seilbahnstationen wurden spezielle Ziegel des österreichischen Konzerns verbaut, einerseits, weil ihre Eigenschaften zu den klimatischen Bedingungen passen, andererseits, weil sie sich für den Transport in die große Höhe eigneten.

Drittens ist der „Skyway“, eröffnet 2015, ein herausragendes, aber dennoch nur eines von unzähligen Beispielen, bei denen weltweit (auch) auf Ziegel gebaut wurde. Wienerberger ist globaler Marktführer für die gebrannten Bausteine. 215 Produktionsstandorte spannen sich über 28 Länder – von den USA bis nach Indien.

21.600 Häuser und 12.500 Dächer

Die Nachfrage nach Ziegel – ob für Dach, Wand oder Fassade – zog zuletzt auf praktisch allen Märkten an. Allein in Österreich setzte Wienerberger im Vorjahr Mauerziegel für 21.600 Einfamilienhäuser und Dachziegel für 12.500 Dächer ab. In der Pandemie verlängerte sich die Wartezeit durch die gestiegene Nachfrage von einer auf bis zu acht Wochen. Die Mengen sollen heuer weiter steigen, die Produktion läuft auf Volllast.

Vom Bauen mit Ziegel in Rot-Weiß-Rot
Auch die Stationen der neuen Seilbahn auf den Mont Blanc wurden mit Ziegel gebautFotograf

Erstmals verwendet wurden gebrannte Ziegel in frühen Hochkulturen des heutigen Indiens. In unsere Breiten brachten ihn die Römer, viel später lebte das Bauen mit Ziegel mit den Klöstern auf. Die Geschichte von Wienerberger beginnt 1819 mit Alois Miesbach. Der Bauingenieur erwarb damals die staatliche Ziegelei am Wienerberg im Süden Wiens. Die Produktion wuchs zur größten Europas, 1869 erfolgte der Gang an die Börse.

Technologische Sprünge

Seither machte der Ziegel viele technologische Sprünge mit. Und auch wenn Rohstoffe und Zutaten über die Jahrhunderte gleich blieben – Ton, Lehm und Wasser –, erweiterte der Baustoff seine Eigenschaften. Einen Meilenstein markierte etwa die Erfindung des Planziegels. Seine Flächen wurden so exakt geschliffen, dass zwischen einzelnen Ziegelscharen nur noch eine Millimeterschicht Mörtel nötig war. Aktuell sind High-End-Ziegel mit Mineralwolle verfüllt, die für mehr Wärmedämmung und Schallschutz sorgen. Die Produktion läuft digitalisiert und hochautomatisiert ab; Roboter füllen das Dämmmaterial in die Kammern und übernehmen auch die Qualitätssicherung.

2018 wurde mit diesen modernen Ziegeln ein historischer Bau rekonstruiert – der 1945 zerstörte Jüdenhof nahe der berühmten Frauenkirche in Dresden. Ein Grund: Bauherr und Investor Michael Kimmerle wollte keine künstliche Dämmung an der Fassade.

Vom Bauen mit Ziegel in Rot-Weiß-Rot
Der rekonstruierte Jüdenhof in Dresden, das Original wurde 1945 zerstörtFotograf

Mit seinen sieben Geschossen ist der Jüdenhof zudem Beleg dafür, dass mit Ziegeln immer öfter in die Höhe gebaut wird. Einen so hohen Marktanteil von 60 Prozent hat der Baustoff allerdings nur bei den privaten Häuslbauern in Österreich.

Rohstoff aus alten Häusern

Dass der Ziegel als ökologischer Baustoff gilt, liegt nicht nur an den Rohstoffen, sondern auch am Umstand, dass die Produktion lokal erfolgt und die Transportwege kurz sind. Weniger ökologisch ist das Brennen und Trocknen mit Gas. Doch sei die Reduktion von CO₂-Emissionen seit Jahren ein bestimmendes Thema, sagt Johann Marchner, Chef von Wienerberger Österreich. So werde im Werk in Uttendorf (OÖ) die Abwärme aus dem Produktionsprozess zur Beheizung des Tunnelofens genutzt. „Diese Technologien haben das Potenzial, bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs in industriellen Trocknungsprozessen einzusparen.“

Im belgischen Kortemark hat der Konzern im Februar indes eine CO₂-neutrale Produktion von Ziegelriemchen (sie dienen zur Verkleidung von Mauerwerk) in einem Elektrobrennofen in Betrieb genommen.

Für die Ziegel spricht zudem, dass sie nach einer Nutzung von oft mehr als 100 Jahren vollständig wiederverwertet werden können. Zum Beispiel gewinnt der niederländische Urban-Mining-Spezialist „New Horizon“ keramische Restmaterialien aus Abbruchhäusern, die gemahlen dem Basis-Rohstoff Ton beigemengt werden und so wieder im Mauerziegel landen. „Ich hoffe, dass künftig viel Altbestand einer neuen Nutzung zugeführt wird“, sagte Marchner zuletzt zur Kleinen Zeitung – auch vor dem Hintergrund des Flächenverbrauches beim Bauen.

Übrigens: Die Farbe der Ziegel hängt vor allem von den im Ton enthaltenen Mineralien ab. Für das Rot sorgen die Eisenoxide beim Brennen.

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