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Wie Mailand zu Italiens “Waldstadt” werden will

29.05.2022 • 15:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Finanzmetropole Mailand avanciert zu Italiens "Waldstadt"
Finanzmetropole Mailand avanciert zu Italiens “Waldstadt” (c) APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)

Finanzmetropole Mailand will zu Italiens “Waldstadt” avancieren.

Italiens Wirtschafts- und Finanzmetropole Mailand soll zur meist bewaldeten Stadt des Landes avancieren. Bis 2030 sollen hier drei Millionen Bäume gepflanzt werden. Das bedeutet, dass pro Einwohner (1,35 Millionen) mehr als zwei neue Bäume wachsen werden. Die Finanzierung des ehrgeizigen Nachhaltigkeitsplanes steht so gut wie sicher. Die der Zukunft Mailands gewidmete Stiftung “Forestami” wird sowohl von der Regierung in Rom, vom Umwelt- und Forschungsministerium sowie vom Wirtschaftsministerium unterstützt. Sitz der neu gegründeten Stiftung soll die Mailänder Universität Politecnico sein.

Zum Präsidenten der Stiftung wurde der Mailänder Stararchitekt Stefano Boeri ernannt. Er, der mit seinem “Baumhaus” nahe dem Mailänder Garibaldi Bahnhof bereits internationalen Ruhm erlangte, hat nun einen ehrgeizigen Plan entwickelt: Mailand zur meist bewaldeten Stadt Italiens zu machen. “Die wirtschaftliche Entwicklung in Mailand soll Hand in Hand mit der Umweltförderung gehen”, so Boeri. Er sieht in seinem Plan der Dekarbonisierung drei wichtige Schritte vor: möglich weitgehende Umstellung der herkömmlichen Energieträger auf erneuerbare Energien, Erstellung eines ehrgeizigen Energie-Sparprogramms und Pflanzung von Grünpflanzen und Bäumen, wo auch immer möglich. Übrigens soll das Modell “Forestami” auf andere Industriestädte Italiens ausgeweitet werden. Vorgesehen ist, ein “grünes Netz” zu bilden, das dann auf nationaler Ebene Gültigkeit hat.

Wirtschaftslokomotive als Symbol für Aufforstung

Umweltminister Roberto Cingolani bezeichnet es als einzigartig, dass Italiens Wirtschaftslokomotive zum Aufforstungssymbol des gesamten Landes wird. Cingolani besteht darauf, dass das Modell Mailand mit dem ehrgeizigen Umweltplan in anderen Industriezentren Italiens wiederholt werden soll und muss: Mailand allein genüge nicht. Er verweist auf die relativ geringen Kosten: Ein neu gepflanzter Baum kostet mit entsprechender Pflege bis zum Jahr 2030 rund 30 Euro. “Wir haben bereits über drei Millionen Euro Fondsmittel eingesammelt und die Pflanzung von 340.000 Bäumen eingeleitet. Auch dank der großzügigen Finanzierung privater Institutionen (u. a. Banca Intesa Sanpaolo, Stahlwerke Falck, Modedesigner Giorgio Armani oder Amazon), aber auch den einzelnen Bürgern (80.000 Euro) sind wir zuversichtlich, dass der Plan umgesetzt wird.”

Mailand hat eine große Bevölkerungsdichte und liegt in der Po-Ebene, einer der europäischen Industrieregionen mit besonders ausgeprägter Luftverschmutzung. Nach städtischen Angaben hat Rauch durch Tabakwaren einen Anteil von acht Prozent an den Feinstaubemissionen.

Eine Gegend, geografisch benachteiligt

Aber es sind nicht nur die Autos, welche die Umwelt belasten. Hier in der Po-Ebene gibt es wenig Wind, die Alpen blockieren den Luftaustausch. Man könnte sagen, eine ganze Gegend ist geografisch benachteiligt. Allein in Italien, so schätzt man, sterben jedes Jahr fast 90.000 Menschen vorzeitig aufgrund der schlechten Luftqualität. Der Anteil der Umwelt-Geschädigten ist in Mailand überdurchschnittlich hoch. Nicht umsonst fliehen die Mailänder am Wochenende in die Umgebung, die Immobilienpreise an den nahegelegenen Seen (Como-See, Lago Maggiore) sind unaufhörlich im Steigen.

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