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Auf dem Karussell der Misserfolge

30.05.2022 • 19:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Inszenierung "Don Quijote &amp; Sancho Panza" von Stephan Kasimir<br><span class="copyright">CARO STARK</span>
Inszenierung "Don Quijote & Sancho Panza" von Stephan Kasimir
CARO STARK

Inszenierung „Don Quijote & Sancho Panza“ feierte Premiere im Tik.

Das Theater Wagabunt, unter der Regie von Stephan Kasimir, brachte im TIK Dornbirn eine spannende Neuinszenierung des Don Quijote von la Mancha auf die Bühne.

Ein Karussell mit einem Pferd und einem Esel. Darauf saßen Don Quijote (gespielt von Robert Kahr) und sein Knappe Sancho Panza (Wolfgang Pevestorf). Das Karussell drehte sich und blinkte, begleitet vom dröhnenden Sex Pistol-Song „Anarchy In The UK“. Während Sanzo Panza sich die Ohren zuhielt, fuchtelte Don Quijote wild mit seiner Lanze herum.

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Sinnbildliche Niederlage

Alles gesagt eigentlich in der ersten Szene, die das tragische Schicksal dieses Antihelden auf knappstem Raum beschreibt. Caro Stark (Ausstattung) ist ein Kunstgriff gelungen, denn das Karussell steht sinnbildlich für das vergebliche Bemühen und die Niederlagen des titelgebenden Darstellers.

Kaum jemand kennt die Geschichte vom Mann aus La Mancha nicht, der gegen Windmühlen ankämpft und unzählige Abenteuer mit Magiern und Rittern bestreitet nur um seine Geliebte, Dulcina von Toboso, zu beeindrucken. Ausgestattet mit einem Ritterhelm und einem eisernen Handschuh, fabulierte Robert Kahr über seine Âventiuren und lies Sancho Panza keine Zeit zu schlafen.
Slapstickeinlagen wie das Zwiegespräch zwischen der Socke und dem Ritterhandschuh bewiesen, dass die Geschichte mit Humor erzählt wurde.

Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf als Don Quijote und Sancho Panza. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf als Don Quijote und Sancho Panza. Caro Stark

Zurück zur Realität

Der geheime Protagonist dieses Stücks war jedoch der scheinbar naive Knappe Sancho Panza, wortreich und hervorragend gespielt von Wolfgang Pevestorf, der oft mit philosophischem Wissen glänzte und Don Quijote wieder auf den Boden der Realität zurückholte.

Die Sprache hielt sich strikt an die deutsche Übersetzung des spanischen Originals und klang so zuerst in den Ohren etwas befremdlich. Der zeitliche Abstand wurde aber auf diese Weise herausgestrichen und es entstand nie die Gefahr, eine Anbiederung oder Verheutigung des Stücks anzustreben. Es bliebt die Geschichte des „Ritters von der traurigen Gestalt“. Einzig ein kleines Pickerl auf dem Ritterhelm, auf dem „Nie wieder Krieg“ zu lesen war, könnte als Anspielung auf einen sinnlosen Krieg gedeutet werden.

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Eigene Vorstellungskraft

Wie beim Lesen des Romans, ist man bei diesem Theaterstück auch auf seine eigene Imagination angewiesen. Die Windmühlen drehen sich im Kopf, die Schönheit der edlen Dame von Dulcina erscheint vor dem geistigen Auge. Das Stück lebt von der Imagination.

Nicht zuletzt ist es ja Don Quijote selbst, der nach der Lektüre von vielen Ritterromanen glaubt, ein Ritter zu sein und sich daher diese wunderbaren Geschichten in seinem eigenen Kopf ausdenkt. Die Welten vermischen sich, und das ist auch ein Anliegen des Autors Miguel de Cervantes. Denn: Wo endet der Traum und wo beginnt die Realität?

Von Daniel Furxer
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