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Heron zieht Salat im Container

02.06.2022 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christian Beer, Projektmitarbeiter Jan Schulz und Projektleiter Maximilian Eiswirth vor dem Container.<span class="copyright"> wpa</span>
Christian Beer, Projektmitarbeiter Jan Schulz und Projektleiter Maximilian Eiswirth vor dem Container. wpa

Seit fünf Jahren forscht Heron an Indoor-Produktion von Nutzpflanzen.

Ein Vorarlberger Unternehmen wird möglicherweise bei der international in Erprobung befindlichen Zukunftstechnologie „Vertical Farming“ (Vertikale Landwirtschaft) ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Denn die Firmengruppe Heron stößt mit ihrer neuen Tochterfirma Vertic Greens GmbH in genau das weltweit unter Beobachtung stehende Fachgebiet vor, bei dem es um die primär technologiebasierte und effiziente Nahrungsmittelproduktion durch den vertikal gestapelten Indoor-Anbau von bestimmten Nutzpflanzen geht. Als Minderheitsgesellschafter mit an Bord sind mittlerweile der Softwareentwickler BoehlerBrothers sowie das Klimatechnikunternehmen Hörburger.

In einem unscheinbaren Container

Bei Heron findet die Entwicklung und Erprobung dieser Technologie bislang in einem unscheinbaren Schiffscontainer zwischen diversen Metallgestellen in der hintersten Ecke des Neubaus in Dornbirn statt. Seit fünf Jahren werde bei Heron zu Vertical Farming geforscht und experimentiert, erklärten Firmengründer Christian Beer, Marketingleiter Reinhard Kogler und Projektleiter Maximilian Eiswirth im wpa-Gespräch. Seit einiger Zeit laufe der Forschungs- und Probebetrieb im kleinen Maßstab vor allem mit Salatpflanzen. Dass das Projekt bislang soweit wie möglich geheim gehalten wurde, hänge mit der großen Bedeutung dieser Technologie für die Sicherstellung einer weltweiten umwelt- und ressourcenschonenden Produktion von Nutzpflanzen in der Zukunft zusammen, so Beer. Nutzpflanzen kommen nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilmittel sowie zur Produktion von Kosmetika weltweit zum Einsatz.

Die Effizienz liegt bei 1 zu 400 und die Emissionen werden um mehr als 90 Prozent verringert.

Christian Beer, Vertic Greens

Für Vertical Farming benötigt wird ein Gebäude sowie Energie für durch LED simuliertes Sonnenlicht samt Saatgut und einer Nährstofflösung. Das in sich geschlossene System wird durch modernste Technik und künstliche Intelligenz (KI) energie- und ressourceneffizient gesteuert und kommt dadurch mit einem Bruchteil der in der Landwirtschaft benötigten Flächen und Energie aus. Es kann unabhängig von Wetter und Klima und ohne Pestizide das ganze Jahr über an beliebigen Standorten produzieren. Der Wasserverbrauch wird dabei um 95 Prozent reduziert.

Effizienz bei 1 zu 400

Beer verdeutlicht es mit einem Zahlenvergleich anhand eines Fußballfeldes: „Wir produzieren auf der Fläche des mit dem Netz umzäunten Tor-Bereiches die gleiche Menge wie die Landwirtschaft auf dem ganzen Fußballfeld. Die Effizienz liegt bei 1 zu 400.“ Dazu komme, dass auch die Emissionen bei der Produktion um mehr als 90 Prozent reduziert werden. Denn Vertical Farming könne mitten in Ballungszentren betrieben werden, was die Versorgungswege zum Verbraucher massiv verkürze.
Heron profitiere bei dieser Entwicklungsarbeit von den Kenntnissen der Prozessabläufe und der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette in unterschiedlichsten Branchen unter dem Einsatz von Automatisierungstechnologie. „Das ist unsere jahrelang aufgebaute Wissensbasis, die jetzt auf Vertical Farming adaptiert wird. Denn das muss auch im großen Stil wirtschaftlich zu betreiben sein.“ Bis zu 15 Mitarbeitende seien in das Projekt eingebunden. BoehlerBrothers steuere jetzt das IT- und Software-Know-how bei, während sich Hörburger vor allem auf die technischen Themen (Installationen etc.) konzentriere.
Bis Ende 2023 will Vertic Greens im Heron-Neubau in Dornbirn eine große, voll einsatzfähige und wirtschaftlich zu betreibende Vertical-Farming-Produktionszelle in Betrieb nehmen. Bis dahin vergrößere man schrittweise den Probebetrieb und lege Vergleichsstudien an. „Die Blaupause dieser KI-Zelle kann dann weltweit als Vorlage für beliebig skalierbare weitere Produktionszellen herangezogen werden.“ Beer beziffert die bis dahin aufgelaufenen Investitionen auf rund zehn Millionen Euro.

„Bleibt bei uns“

Die so entwickelte Vertical-Farming-Technologie werde Heron beziehungsweise Vertic Greens jedoch nicht aus der Hand geben, betont Beer. „Das bleibt bei uns. Es ist das Ziel, die Produktion wo auch immer selbst oder etwa im Rahmen eines Franchise-Modells zu betreiben.“ Auch die Hereinnahme von Investoren sei eine Möglichkeit, um eine internationale Wachstumsstrategie zu ermöglichen. Die Entscheidungen dazu sollen in den kommenden Monaten fallen.

Günther Bitschnau / wpa

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