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Wilde Tobeltour von einer Talseite zur anderen

03.06.2022 • 17:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Das Walsertal, ein „von Tobeln durchtobeltes Tobel", wie ein alter Spruch besagt. <span class="copyright">Vylet</span>
Das Walsertal, ein „von Tobeln durchtobeltes Tobel", wie ein alter Spruch besagt. Vylet

Wanderführerin Hertha Glück wandert über Gstins zur Propstei St. Gerold und zur anderen Talseite.

Die Walgaubäckerei in Ludesch im Rücken, wendet man sich rechts ab und wandelt eine kurze Zeit an der Straße entlang, überschreitet die Lutzbrücke und zweigt sofort beim Garoxwald rechts ab in Richtung St. Gerold/Blons über Gstinsweg. Mit dieser Route, die fast immer den Walserweg beschreitet, umwandert man eigentlich den Hauptfluss Lutz des Großen Walsertals. Manchmal präsentiert sich der Fluss in voller Flussstärke, dann wiederum nur hörbar. Jedoch die Zuflüsse durch die wilden Tobel zeigen auch eine unbändige Wildheit des Elements Wasser.

Das Hölltobel knapp vor St.Gerold. Hier standen einst eine Säge und Mühle. <span class="copyright">Vylet</span>
Das Hölltobel knapp vor St.Gerold. Hier standen einst eine Säge und Mühle. Vylet

Nach der kleinen Brücke steigt der Forstweg links an und in Bälde geradeaus. Man passiert einen Bauernhof mit Bienenhäuschen, verlässt danach für längere Zeit die Zivilisation und taucht vollends in die Naturruhe ein. Bei der nächsten Wegzweigung bleibt man am oberen Weg, bei der nächsten Weggabelung am unteren. Nach einer längeren Zeit leicht abwärts verlässt man diese Richtung und steigt ordentlich über Holzstufen, Steine und Wurzeln aufwärts.

Durchtobeltes Tobel

Nun bewahrheitet sich der Spruch „Das Walsertal ist ein von Tobeln durchtobeltes Tobel“, denn man durchwandert, überschreitet am Fuße des Gassnerberges und der Gassneralpe sowie beim Plankenberg und der Alpe Plansott mehrere Tobel.
Jetzt ist es eine liebliche, naturbelassene Landschaft und doch erinnert sie an das Lawinenjahr 1954, in dem diese Gegend durch die fatale Naturkatastrophe bekannt wurde. Ab Hof ist die Propstei St. Gerold schon in einer halben Stunde zu erreichen. Nun wandert man wieder an Häusern vorbei, umwandert den Sportplatz und überquert das Hölltobel. Schon taucht man beim Kloster St. Gerold, einer religiösen, kulturellen und sozialen Begegnungsstätte, wieder aus dem Wald. Hier lohnt sich sicherlich eine beschauliche Pause.

Auf der alten Raggalerstraße: Wege mit Blumenvielfalt gesäumt und Blicke auf die Sonnenseite.<span class="copyright"> vylet</span>
Auf der alten Raggalerstraße: Wege mit Blumenvielfalt gesäumt und Blicke auf die Sonnenseite. vylet

Gaukelnde Schmetterlinge

Zwischen den Gebäuden schlendert man wieder zum Walserweg, der nach Blons/Raggal führt. Mit großer Freude geht es neben Weihern, sattem Grün und zahlreichen Pflanzen abwärts. Vielleicht gaukelt sogar der Schmetterling Nagelfleck vor den Augen. Es ist eine wahrlich idyllische Wanderung über schmale Wald- und Wiesenwege vorbei an Heubargen (Heuhütten), wieder über Holz- oder Stahlbrücken. Da die Ortschaft Blons nicht angelaufen wird, zweigt man beim Wegweiser direkt bei einer Ruhebank rechts ab zum Lutz-Stausee und nach Raggal. Rasch verliert man an Höhe, um in einer knappen halben Stunde den Stausee zu erreichen.

Der Stausee Raggal mit Schwimmbagger. <span class="copyright">vylet</span>
Der Stausee Raggal mit Schwimmbagger. vylet

Ökologischer Energiespeicher

Mit dem Staudamm überschreitet man nicht nur eine technische Errungenschaft aus den 60er-Jahren, sondern auch einen wichtigen, ökologischen Energiespeicher. Weiters erzählen viele Infotafeln Interessantes über das Illwerke-Kraftwerk.
Nun wechselt man auf die Schattenseite des Großen Walsertals und darf eine längere Straßenstrecke aufwärts überwinden, die jedoch Kurve um Kurve fantastische Blicke talein- und -auswärts bietet. Nach einer langgezogenen Kurve kann man rechts einen Abkürzungsweg bis zur Kirche Raggal nehmen. Die Ortsmitte ist mit dem hochaufragenden Kirchturm gut zu finden.
Hier kann man entscheiden, ob man mit dem Bus zurück nach Ludesch fährt oder nochmals eindreiviertel Stunden unters Schuhwerk nimmt. Auf alle Fälle lohnt sich ein Rasten unter der schattigen Dorflinde oder ein Einkehren im Café Wallis. Oder man geht die Straße zwischen Kirche und Wohnhaus, hält sich in Richtung Ludescherberg und zweigt nach dem Sportplatz bei Falazera links ab auf die alte Raggalerstraße und wieder in den Wald. Dieser Weg ist von einer unglaublichen Blumenvielfalt gesäumt und bietet einen schönen Blick auf die Sonnenseite, die vorab am Fuße des Walserkamms durchwandert worden ist.
Der Rückweg gestaltet sich abwechslungsreich und gut erkennbar.

Die Lutz unterhalb des Gstinswegs. <span class="copyright">vylet</span>
Die Lutz unterhalb des Gstinswegs. vylet

Kurzbeschreibung

Besonderes: Es ist eine Rundwanderung durch naturbelassene Landschaft von der Sonnenseite des Großen Walsertals zur Schattenseite und wieder ins Tal.

Anforderung und Gehzeit: In ca. sechs Stunden werden insgesamt 797 Höhenmeter aufwärts und 859 abwärts bewältigt.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Straße, Forst-, Wald- und Wiesenwege, Eisenbrücken.

Kultur und Natur: Alter Walserweg, Hölltobel, Kloster St. Gerold, Staudamm Raggal.

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk und Kleidung je nach Wetter, Jause.

Einkehrmöglichkeiten: im Kloster St. Gerold sowie im Café Wallis in Raggal.

Start und Ende: Bushaltestelle Brärsch Ludesch (nahe Walgaubäckerei), Rückfahrmöglichkeiten in jeder Ortschaft.

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