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Neue Konzepte sind gefragt

04.06.2022 • 18:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Michael Diettrich ist ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des dowas. <span class="copyright">Hartinger</span>
Michael Diettrich ist ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des dowas. Hartinger

Trend weg vom Haus, aber keine Abkehr vom Wunsch nach Eigentum.

Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Und dennoch – oder gerade deswegen – steht es oft im Zentrum heftiger Debatten. Gerade die Frage der Leistbarkeit des Wohnens im Allgemeinen, aber auch im Zusammenhang mit der Anschaffung von Eigentum hat jüngst stark an Bedeutung gewonnen.

Wunsch nach Eigentum geblieben

Michael Diettrich, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer des „dowas – der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende“ und aktueller Sprecher der Vorarlberger Armutskonferenz, hat diesen Wandel hautnah miterlebt. Der gebürtige Deutsche lebt seit 1999 in Vorarlberg und war von 2004 bis 2020 beim Verein „dowas“ tätig. „Als ich nach Vorarl­berg gekommen bin, hatte fast jeder hier noch einen Grund, um ein Haus zu bauen. Diese Zeiten sind zumindest im Rheintal und im Walgau vorbei“, sagt er. Der Wunsch nach Eigentum sei jedoch geblieben. Vielfach gehe es nun aber nicht mehr darum, ein eigenes Haus zu bauen, sondern sich eine Eigentumswohnung anzuschaffen. Dem trage auch die Politik Rechnung, indem nach neuen Modellen gesucht werde, welche dies ermög­lichen. Aus Sicht von ­Diettrich wird damit jedoch nur die Illusion aufrechterhalten, dass für jeden Eigentumserwerb möglich ist.

Vor allem raumplanerisch und städtebaulich muss sich in Vorarlberg einiges tun, ist Michael Diettrich überzeugt. <span class="copyright">Sams</span>
Vor allem raumplanerisch und städtebaulich muss sich in Vorarlberg einiges tun, ist Michael Diettrich überzeugt. Sams

Bei der weiteren Entwicklung werde es vor allem auf gute raumplanerische und städtebauliche Konzepte ankommen. „Vorarl­berg ist in Sachen Architektur gut aufgestellt, raumplanerisch dagegen nicht“, meint der frühere „dowas“-Geschäftsführer. Es könne nicht sein, dass das Rheintal mit Bauten zugepflastert werde, „die allesamt gleich aussehen“. Vielmehr müsse die Verdichtung mit Blick auf das große Ganze erfolgen – über Gemeindegrenzen hinweg. Es brauche jedenfalls nicht nur Wohnraum, sondern auch Orte zur Begegnung, sodass Gemeinschaften entstehen können. Als Vorbild könnten dabei auch die „Südtiroler Siedlungen“ im Land dienen.

Mutige Schritte

Dazu seien mutige Schritte notwendig, welche weiter gehen als bei der Novelle des Raumplanungs- und des Grundverkehrsgesetzes vor wenigen Jahren. Es müsse zudem die Frage gestellt werden, wie mit dem bestehenden Grundbesitz umgegangen werde – Stichwort Baulandhortung und Betongold. Staatliche Eingriffe seien zwar eine rechtlich heikle Frage. „Allerdings ist Raum auch keine reine Privatangelegenheit“, betont Diettrich. Immerhin habe es während der Wohnungsnot in den 1920er-Jahren in der Landeshauptstadt Bregenz sogar ein Verbot gegeben, Einfamilienhäuser zu bauen. Für den Sprecher der Armutskonferenz ist es essenziell für das Land, leistbaren Wohnraum zu haben. Nicht nur um des sozialen Friedens willen, sondern auch, um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben.

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