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„Man sieht, dass man fast nichts sieht“

07.06.2022 • 19:58 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Landesrat Marco Tittler (links) und Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH. <span class="copyright">Steinlechner</span>
Landesrat Marco Tittler (links) und Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH. Steinlechner

Asfinag präsentierte den aktuellen Planungsstand bei der Bodensee-Schnellstraße S 18.

Über den aktuellen Stand bei den Planungen zur Bodensee-Schnellstraße S 18 haben am Dienstagnachmittag die Verantwortlichen der Asfinag informiert. In einer Ausstellung im Lustenauer Millennium Park hatten Interessierte die Möglichkeit, sich über das Projekt zu informieren und mit Experten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen auszutauschen.

Dabei dürfte es für manche Besucher durchaus eine Überraschung gegeben haben. Denn die Asfinag-Planungen sehen vor, dass die Schnellstraße zum überwiegenden Teil unter der Erde verlaufen soll – etwa fünf von acht Kilometern Gesamtlänge, erläuterte Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH. „Man sieht, dass man fast nichts sieht“, kommentierte er eine Visualisierung der geplanten Trasse. Lediglich an den Anschlussstellen im Ortsgebiet von Lustenau taucht die Schnellstraße kurz aus dem Untergrund auf. Auch der Rhein wird bei Höchst unterirdisch gequert anstatt oberirdisch. Eine Brückenlösung sei hier nicht sinnvoll, meinte Walcher. Damit wird auch einer Forderung der Gemeinden Höchst und Fußach Rechnung getragen. Diese hatten eine Untertunnellung des Rheins gefordert. Die Lösung sei auch mit den Verantwortlichen des Hochwasserschutzprojekts Rhesi abgeklärt, heißt es seitens der Asfinag.

Autofreies Ried möglich

Der zuständige Landesrat Marco Tittler (ÖVP) zeigte sich erfreut über die Informationsveranstaltung. Es sei sehr wichtig, dass sich die Bevölkerung selbst ein Bild von den Planungen machen und auch Anliegen oder Anregungen mit den Experten besprechen könne. Bei der Verkehrslösung sei von Bedeutung, dass diese „nicht durch Ortsgebiete“ führe. Zudem habe die Prüfung der Asfinag gezeigt, dass die CP-Variante einen weniger großen Eingriff in die Natur bedeute und fast genau die gleiche Wirksamkeit habe wie die Variante Z, welche ursprünglich seitens des Landes favorisiert worden war. Mit der nunmehrigen Trassenführung gebe es zudem die Möglichkeit, das Ried künftig gänzlich autofrei zu gestalten, meinte Tittler.

S-18-Gegner zeigten vor dem Gebäude Flagge

Während im „Competence Center Rheintal“ im Lustenauer Millennium Park die aktuellen Planungen zur S 18 präsentiert wurden, gaben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lebensraum Zukunft Lustenau – Unteres Rheintal“ vor dem Gebäude Auskunft über ihre Sichtweise der Dinge. Die Gruppe rund um Obmann Eugen Schneider spricht sich klar gegen die Schnellstraße aus. Allerdings zeigte sich der Sprecher am Dienstag durchaus erfreut über die Informationsveranstaltung der Asfinag zum aktuellen Planungsstand. Er werde sich die Ausstellung auch selbst anschauen, um sich ein Bild zu machen, meinte Schneider. Zwar wäre den Mitgliedern der Bürgerinitiative eine Diskussionsveranstaltung lieber gewesen, allerdings habe man bei der Asfinag laut Schneider schlechte Erfahrungen mit derartigen Formaten gemacht.

Es gebe mit den Vertretern der Autobahngesellschaft aber auch des Landes eine gute Gesprächsgrundlage, betonte der Obmann von „Lebensraum Zukunft Lustenau – Unteres Rheintal“. Man habe schlussendlich einfach nur unterschiedliche Ansichten, wie die Verkehrsentlastung für die Marktgemeinde erreicht werden soll.

Eingriff in die Natur. Die Mitglieder der Bürgerinitiative befürchten, dass durch die geplante Schnellstraße noch mehr Verkehr in der Region entsteht. Ebenso spricht aus ihrer Sicht auch der Eingriff in den Naturraum gegen das Projekt. Vor allem sorgen sich die Bürgerinnen und Bürger um das Lustenauer Ried.

Daher begrüßen Schneider und seine Mitstreiter auch die nunmehr laufende Alternativenprüfung durch eine von Klimaschutzministerium und Asfinag eingesetzte Arbeitsgruppe. Für die Aktivisten steht fest, dass es in der Gemeinde eine Verkehrsentlastung braucht. Eine solche lasse sich jedoch auch ohne den Bau einer neuen Schnellstraße erreichen, sind sie überzeugt. Ein erster Schritt könne hier etwa die gerechtere Aufteilung des Lkw-Verkehrs in Richtung Schweiz auf die Vorarl­berger Grenzübergänge sein.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lebensraum Zukunft Lustenau – Unteres Rheintal“ waren auch vor Ort.<span class="copyright">Steinlechner</span>
Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Lebensraum Zukunft Lustenau – Unteres Rheintal“ waren auch vor Ort.Steinlechner

Walcher betonte ein weiteres Mal, dass die CP-Variante eher eine Chance auf Genehmigung habe, weswegen die Wahl der Asfinag auch auf diese Trassenführung gefallen sei. Die Planungen für ein einreichfähiges Projekt laufen derzeit parallel zu einer vom Klimaschutzministerium beauftragen Alternativenprüfung. Diese soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Dann entscheidet sich, ob die S 18 weiterverfolgt wird.

“Keinen Schritt zurück”

uf die Frage, inwiefern sich die gestern vorgestellten Planungen im Hinblick auf eine mögliche Umsetzung noch ändern könnten, meinte der Asfinag-Bau-Management-Geschäftsführer, dass es „keinen Schritt zurück“ geben werde. Vielmehr wolle man im Austausch mit der Bevölkerung noch mögliche Verbesserungen finden. In seiner Zeit bei der Asfinag sei noch nie ein Vorprojekt so detailliert ausgearbeitet gewesen wie jenes zur S 18, sagte Walcher.