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Keine Angst vor möglichem Bären im Land

10.06.2022 • 20:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">hartinger</span>Wildbiologe Hubert Schatz.
hartingerWildbiologe Hubert Schatz.

Bestätigung dafür, dass sich wirklich ein Bär in Lech aufhält, gibt es aktuell nicht.

Im Netz kursiert seit zwei Tagen ein Video aus Vorarlberg, auf dem möglicherweise ein Bär zu erkennen ist. Bestätigung gibt es hierfür allerdings keine, dennoch spreche sowohl die Gangart als auch die Gestalt tatsächlich für einen Braunbären, wie Wildbiologe Hubert Schatz gegenüber der NEUE betont. Das Video aus der Gondel sei allerdings zu unscharf und die Entfernung zu weit. „Es besteht daher Verwechslungsgefahr zu anderen Tieren wie etwa einem großen zotteligen Hund oder Schaf“, so der 57-Jährige.


Angst müsse man deshalb aber keine haben, versichert Schatz. Er ist ohnehin der Meinung, dass der mögliche Bär längst schon weitergezogen ist, etwa ins benachbarte Lechtal oder Allgäu. In der Regel suche der Braunbär nämlich als Rückzugsort große Waldflächen, die wenig zerschnitten und sehr ruhig sind. „Solche Gebiete gibt es bei uns nur wenig und wir haben einen sehr hohen menschlichen Nutzungsgrad. Ich glaube nicht, dass der Bär hier dauerhaft bleiben würde“, erklärt der Wildbiologe. Auch, dass er zu einer Ansiedlung von gleich mehreren Bären kommt, glaubt Schatz nicht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stamme der Bär aus einer Population der Region Trentino-Südtirol und sei einfach nur auf Durchwanderung. 20 bis 30 Kilometer könne der Bär am Tag oder in der Nacht zurücklegen, ist sich Schatz sicher. „Meist sind es junge männliche Bären, die herumziehen, um neue Gebiete zu erkunden. Im Normalfall sind sie Einzelgänger.“

Kein Grund zur Tötung

Nach dem möglichen Braunbären werde daher aktuell auch nicht konkret gesucht. Natürlich seien die Jäger und Viehhalter in den Gebieten rund um die Sichtung nun jedoch aufmerksam. Meldungen habe es seither aber keine mehr gegeben.


Für den Fall, dass der Bär nochmals gesichtet werde, hätte man keinen Grund, ihn zu erlegen. „Bären genießen einen hohen Schutzstatus und abgesehen davon gibt es kein triftiges Motiv, es sei denn, er stellt eine Gefahr dar.“ Bereits im Jahr 2006 streunte ein Bär namens „Bruno“ durch Vorarlberg. Anders als er trägt der nun möglicherweise in Lech gesichtete Braunbär noch keinen Namen. Bruno musste damals letzten Endes erschossen werden, da er unter anderem Schafe im Montafon riss und in die Siedlungsgebiete kam. Von einer Gefahrensituation geht Schatz aktuell aber „überhaupt nicht aus“.


Grundsätzlich sei der Braunbär nämlich nicht gefährlich und gehe den Menschen normalerweise aus dem Weg, genauso sollten dies aber auch die Menschen tun. Falls Braunbären doch neugierig sind und auf einen zukommen, rät der Wildbio­loge: „Auf keinen Fall panisch die Flucht ergreifen.“ Dies sei ohnehin chancenlos, denn der Bär könne bis zu 50 Stundenkilometer schnell laufen. „In solch einer Situation sollte man sich auf den Boden legen, Gesicht nach unten und Hände in den Nacken geben.“ Grund dafür, dass der Bär keine Scheu zeigt, könnte seine Vertrautheit dem Menschen gegenüber sein. Möglicherweise habe er bereits zuvor in Siedlungsgebieten Nahrung in Mülleimern oder auch Komposthaufen gefunden.

Ausgezeichneter Geruchsinn

Ge­nerell ernähre sich der Bär großteils vegetarisch. Früchte, Beeren oder Gräser, ja vor allem Honig möge der Braunbär sehr gerne. „Er hat einen ausgezeichneten Geruchsinn, mit dem er auf zehn bis 15 Kilometer Entfernung beispielweise die Bienenstöcke riechen kann.“ Insekten, Fallwild oder auch mal Schafe stehen aber auch immer wieder auf seinem Speiseplan.


Sollte man vor seiner Haustüre aus irgend einem Grund einen Bären sichten, appelliert Schatz: „Man darf auf keinen Fall versuchen, ihn zu vertreiben oder gar zu provozieren. Das wäre eine Katastrophe.“ Bären seien immer noch Raubtieren, die mitunter 250 bis 300 Kilogramm auf die Waage bringen könnten und über zwei Meter groß werden. „Am besten die Polizei oder den Jäger anrufen, die melden sich dann ohnehin bei mir“, so Schatz.