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Manchmal darf man auch a biz sauer sein

12.06.2022 • 16:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Derzeit ist es nicht besonders leicht, nicht als Dauergrantscherben durch die Welt zu spazieren. Das Tanken meines Autos kostet so viel wie vor einem Jahr noch ein Lkw mit Hänger, die Energiekosten machen sich am Konto unschön bemerkbar, Corona lauert noch immer in irgendeiner Ecke, und ich habe drei Falten mehr auf der Stirn. Der Gipfel!

Ich bin keine, die gerne angefressen und hadernd herumrennt. Deshalb vergleiche ich immer wieder und führe mir vor Augen, dass es anderen schlechter geht, dass ich noch immer alles habe, was ich brauche, und ein Urlaub in der Toskana nicht zu den lebensnotwendigen Dingen gehört. Wir haben doch den Bodensee oder den Alten Rhein, und überhaupt. Nicht jammern! Wenn dann aber der Zähler bei der Zapfsäule munter auf die dreistellige Zahl zurattert, kann ich mir ein dezentes Fluchen nicht verkneifen. Und ich bin der Meinung, das darf, bei allem Leid, Krieg und Ungerechtigkeiten auf dieser Welt, auch mal erlaubt sein, sich über profane Dinge wie eine teure Tankrechnung auszulassen. Auch wenn ich deshalb – Himmel sei Dank – nicht am Hungertuch nage.

Dann bin ich auch kurz einmal sauer darauf, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die so viel Geld haben, dass sie es in 100 Jahren nicht ausgeben könnten, während sich Frau Hämmerle (Name von der Schreiberin erfunden) mit einer geringen Pension Sorgen macht, dass man ihr aufgrund der Teuerung bald den Strom abstellt. Und dann komme ich ins Philosophieren. Wie kann es angehen, dass ein Sportler, wenn er wahnsinnig gut im Ballkicken ist, um das 10.000-fache mehr an Geld bekommt, als eine Kindergärtnerin, die sich um unseren jüngsten Nachwuchs kümmert. Ich finde das sehr seltsam. Gage aufgrund von Werbewirksamkeit und nicht aufgrund von gesellschaftlicher Relevanz. (Und nein, ich möchte dem sportlichen Fußballer nicht sein Können absprechen, auch nicht Tom Cruise als Schauspieler oder Bezos als Geschäftsmann.) Aber ich befürchte, wir haben ein wenig unseren Blick dafür verloren, was und als Gesellschaft wirklich guttut. Nämlich das, dass es jedem so gut geht, dass eine Teuerung aufgrund einer globalen Krise für keinen von uns ein wirtschaftliches Aus bedeutet.

Ich überlege, ein politisches Manifest zu schreiben. Oder noch besser, ich schreibe einen Brief an Bezos und Musk. Dass sie ein wenig von dem Geld, das sie haben, abtreten sollen, an halb Afrika, die Krebsforschung und Frau Hämmerle. Das hat sicher noch NIE jemand gemacht! Ich muss lachen. Das tut gut.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.

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