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Ein Konzert, bei dem die Zeit stillzustehen schien

13.06.2022 • 19:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Brachte die Melodien Purcells zum Leuchten: Tanja Vogrin. <span class="copyright">Victor Marin</span>
Brachte die Melodien Purcells zum Leuchten: Tanja Vogrin. Victor Marin

Dies wurde vom Concerto Stella Matutina in Götzis gestaltet.

Es würde ein herzerwärmendes Konzert werden, hatte Ensembletrompeter Bernhard Lampert zum Konzert von Concerto Stella Matutina (CSM) in der Kulturbühne AmBach im Vorfeld angekündigt – und er hatte recht: So fein, so innig, so sanft schwingend mischten sich Streicher, Holzbläser, Trompeten und Pauke mit den zarten Farben der italienischen Barockharfe, so weich erhob sich die Stimme der Sopranistin Tanja Vogrin zu den Liedern von Purcell und Pepusch. Und wenn sich die slowenische, in Graz und Basel ausgebildete Mezzosopranistin in einigen Liedern selbst auf der Harfe begleitete, schien für Minuten die Zeit stillzustehen.

„Orpheus britannicus“ wurde der so jung verstorbene Henry Purcell genannt. Er wirkte selbst als Chorknabe in der Hofkapelle von Charles II. und dann in verschiedenen Funktionen an der Westminster Abbey. Orpheus, der mythische Sänger, der selbst zur Lyra sang, stand also Pate für den Beinamen dieses Komponisten, der sich in zahlreichen Lautenliedern ausdrückte und, natürlich, die Liebe besang.

Konzertmeister David Drabek.  <span class="copyright">Victor Marin </span>
Konzertmeister David Drabek. Victor Marin

Mit ihrer farbenreichen, klaren Stimme und feinen Verzierungen brachte Tanja Vogrin die Melodien Purcells zum Leuchten, sie wurde umschmeichelt vom Continuo-Cello von Thomas Platzgummer, hatte feine Dialoge mit Konzertmeister David Drabek, mit Thor-Harald Johnsen an der Theorbe oder den Oboen von Ingo Müller und Elisabeth Baumer.

Ob zartes Lied oder verzweifelte Klage (im Abschied der Dido), immer fanden sich die Sängerin und das Orchester in einem anmutigen, atmenden Miteinander. Zuweilen setzte sie die schön verzierte, mit drei Saitenreihen bestückte Barockharfe („man muss ein bisschen häkeln“) solistisch ein und die Tatsache, dass diese Form der Harfe mit Georg Friedrich Händel aus Italien nach England und in die walisische Volksmusik gekommen ist, zeigte einmal mehr, dass Globalisierung keineswegs eine Erfindung unserer Zeit ist.

In Instrumentalsätzen konnte das CSM dazu wieder einmal zeigen, wie wendig und festlich das Ensemble zu musizieren vermag, überstrahlt von den Trompeten (Bernhard Lampert und Herbert Walser-Breuß) und der kernigen Pauke (Heiko Kleber, der auch mal zur Schellentrommel griff): prunkvolle Fanfaren und so manches (französische) Tänzchen versetzten das begeisterte Publikum in eine andere Zeit. Herzerwärmend, mitreißend, sanftmütig, zauberisch und wild, alles zusammen.

Katharina von Glasenapp