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Hineingeworfen in das rauhe Leben

14.06.2022 • 20:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Schulz und Maria Lisa Huber in "Wutschweiger". <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Sebastian Schulz und Maria Lisa Huber in "Wutschweiger". Anja Köhler

Mit „Wutschweiger“ steht heute Abend noch eine Premiere in der Box des Landestheaters auf dem Programm.

Sammy und Ebenezer, ein Mädchen und ein Junge zwischen 12 und 14 Jahren, sind die beiden Figuren in „Wutschweiger“ des belgischen Autorenduos Jan Sobrie und Raven Ruëll. Das Kinder- und Jugendtheaterstück wurde 2018 uraufgeführt – heute Abend ist die Premiere in der Box des Landestheaters zu sehen.

Regie führt dabei Danielle Fend-Strahm, die Co-Leiterin der Theatergruppe Café Fuerte, die erstmals am Vorarlberger Landestheater inszeniert. Mit Matthias Strahm (Bühne und Kostüme) und Florian Wagner (Musik) hat sie ihr bewährtes Team mitgebracht. Maria Lisa Huber und Sebastian Schulz, zwei Ensemblemitglieder des Landestheaters, stehen auf der Bühne.

Sozialer Abstieg

In diesem Stück für Menschen ab zehn Jahren geht es um zwei Jugendliche, die einen sozialen Abstieg erfahren, weil die Eltern ihre Arbeit verlieren, erklärt Fend-Strahm. Ebenezer muss mit seiner Familie in eine kleinere Wohnung, eine neue Schule und trifft dabei auf Sammy. Es geht um Einsamkeit, um Freundschaft, so Fend-Strahm. Als die Klassen einen Ausflug macht, eine Ski-Woche, können die beiden nicht mit, weil es ihre Eltern nicht bezahlen können. Sie müssen daheimbleiben und sind somit auch sozialer Ausgrenzung ausgesetzt. Zusätzlich haben die beiden noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Sammys Mutter ist gestorben und ihr Vater verfällt immer mehr dem Alkohol

Ist das Leben als Jugendlicher mit Selbstfindung und Suche schon schwer genug, so werden Sammy und Ebenezer zusätzlich extremen Situationen ausgesetzt. „Sie müssen mit dem umgehen, was passiert“, sagt Fend-Strahm. Eltern, von denen kaum Unterstützung kommt, Lehrer, die keine Rücksicht nehmen. „Es sind so viele Sachen, die von außen auf sie hereinstürzen“, erklärt die Regisseurin. All das mache das Stück für sie aber auch so wertvoll, stellt Fend-Strahm fest.

Zwei Jugendliche sind die Figuren in dem Stück.  <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Zwei Jugendliche sind die Figuren in dem Stück. Anja Köhler

Dazu kommt eine große Aktualität der Thematik – geht die Schere zwischen Arm und Reich laut Experten doch immer weiter auseinander. Und nicht selten sind Kinder und Jugendliche davon betroffen. Die beiden Figuren sind junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, die Fragen stellen und ihren Weg suchen, aber noch nicht alt genug sind, um unabhängig leben zu können. Gerade diese Situation, ihr Suchen, macht sie auch verletzbar, verwundbar, so Fend-Strahm. Sie finden sich in ihrer Freundschaft, stehen als Team zueinander und stellen fest, dass es zu zweit leichter geht.

Nach der Vorstellung gibt es noch die Möglichkeit, sich über Inhalte des Stücks in Textform zu informieren. „Es ist auch ein Stück für Erwachsene“, sagt die Regisseurin. Da es auch durchaus darum gehe, Verständnis und Empathie für Jugendliche zu entwickeln – und vielleicht darin auch Aspekte der eigenen Jugend wiederzuerkennen. Viel Platz geben es auch für die Emotionen, meint Fend-Strahm dann noch – für Glück, aber auch für Trauer und Wut.

Premiere „Wutschweiger“ von Jan Sobrie und Raven Ruëll: Heute, 19.30 Uhr, Box am Landestheater Bregenz. www.landestheater.org

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