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Auf den Spuren der Natur

17.06.2022 • 20:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Fanaschga-Faweschgatobel mit einzigartigen Moosen und Quellfluren.<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span>
Fanaschga-Faweschgatobel mit einzigartigen Moosen und Quellfluren. Gerhard Vylet

Wandertour ab Schlins über den Rönsberg nach Röns und durchs Fawegscha-Tobel wieder zurück.

KURZBESCHREIBUNG

Besonderes: Es ist eine naturnahe, schattenspendende Rundwanderung durch ökologisch wertvolle Landstriche.

Anforderung und Gehzeit: In eineinhalb bis zwei Stunden werden gemütlich 123 Höhenmeter aufwärts und auch wieder abwärts überwunden.

Markierungen: gelb-weiß,

Charakter der Wege: Straße, Forst-, Wald-, Tobel- und Wiesenwege

Tipp: Hunde an die Leine nehmen

Kultur und Natur: Bienen-Naturlehrpfad des Bienenzuchtvereins im Jagdbergischen, Kaltenbrunnen (Biotop 41901), Faweschga-Tobel (Biotop 41808)

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter

Einkehrmöglichkeiten: Schlins, Röns

Start und Ende: Schlins Ortszentrum, Haltestelle Postamt

Im Ortszentrum der 2500 Einwohner zählende Gemeinde Schlins beginnt die Wanderung. Laut Wegweiser geht es auf der Quadernstraße in Richtung Rönsberg, die sogleich rechts abzweigt und gemütliche zehn Minuten durch Häuserzeilen bis Rönsberg führt. Geradeaus erblickt man bald einen geteerten, mit rotem Geländer versehenen Wanderweg, der rasch ansteigt. In der Hälfte nach Röns wartet eine Ruhebank mit fantastischer Aussicht über die Ill nach Nenzing mit den Bergen Mondspitze, Schillerkopf, Gurtisspitze und Hohe Köpfe begeistert.

Wanderführerin Hertha Glück und Fotograf Gerhard Vylet wandern ab Dorfmitte Schlins über den Rönsberg nach Röns und durchs Fawescha-Tobel wieder zurück.<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Wanderführerin Hertha Glück und Fotograf Gerhard Vylet wandern ab Dorfmitte Schlins über den Rönsberg nach Röns und durchs Fawescha-Tobel wieder zurück.Gerhard Vylet

Bienen-Naturlehrpfad

Ab der Bank schreitet man über die Hugelkuppe und erreicht die Nachbargemeinde Röns. Rechts ab in die Alte Landstraße geht es weiter, und zugleich beginnen die interessanten, wertvollen Infos des Bienen-Naturlehrpfades. Auch durch die Gemeinden Schnifis und Düns geleitet dieser Lehrpfad und erläutert Wissenswertes über die Bienen und ihre Lebensräume sowie Fauna und Flora. Beeindruckend ist die große Nisthilfe für Wildbienen, die von Schülern der Volksschule Röns gebaut wurde.


Leicht ansteigend bringt einen die Alte Landstraße wieder aus dem Ort hinaus in Richtung Schnifis, stets den Hohen Fraßen und die hochaufragende Kella­spitze oberhalb im Fokus. Obstbäume, Waldstreifen und ausgedehnte Blumenwiesen säumen die Straße. Ab dem Lädile „Hof im Glück“ übernimmt entlang dem Zaun ein schmaler Kiesweg aufwärts. Gleich nach der Kurve rechts erfährt man Wissenswertes über die Bienenanatomie, den Pollentransport und die Flora der Magerwiesen „Fuschgel“.

Eine naturnahe, schattige Wanderung durch selten schöne Naturräume entlang dem Bienen-Naturlehrpfad. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Eine naturnahe, schattige Wanderung durch selten schöne Naturräume entlang dem Bienen-Naturlehrpfad. Gerhard Vylet

Ein schmaler Wiesenweg nimmt den Wanderer mit in die Natur, denn eine längere Zeit sieht man nur Wiesen, Wälder und Bergspitzen. Bienen summen, Schmetterlinge gaukeln, Vögel zwitschern, und die Blumenvielfalt erfreut. Natur pur. Über Wurzelstöcke und romantische Wegschleifen geht es zur nächsten Infotafel über den Waldhonig, die Blattläuse und die Waldameisen.

Romantisch wandert man weiter, überschreitet ein Bächlein und steht nun an der nächsten Infotafel des Bienen-Naturlehrpfades, der über das natürliche Antibiotikum Propolis und Feinde und Parasiten der Wildbienen informiert. Gleichzeitig befindet man sich hier am Rand einer Riedwiese bei Kaltenbrunnen. Vor allem botanische Kostbarkeiten wie Duft-Lauch, Bienen-Fliegen-Ragwurz und Moor-Glanzkraut dürfen erwähnt werden.


Bald wandert man zur Straße hinauf und hält sich rechts in Richtung Schnifis. Nach der letzten Infotafel auf dieser Route, die über die „Mimikry“, die Nachahmung der Warnfärbung von Stechimmen, erläutert, erreicht man flach dahingehend Fanaschga. Rechts ab nimmt man den direkten Rückweg und darf sich aufs farbenprächtige Fanaschgatobel/Faweschgatobel freuen.

Biotop Kaltenbrunnen unter der Jagdbergstraße nach Schnifis, Abzweigung Düns, nahe Röns.<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Biotop Kaltenbrunnen unter der Jagdbergstraße nach Schnifis, Abzweigung Düns, nahe Röns.Gerhard Vylet

Moose und Kalktuff

Achtung, gleich nach der Brücke zweigt man links auf einen Dammweg ab. Man durchwandert ein kleines, einzigartiges Seitentobel des Vermülsbaches im nordöstlichen Gemeindegebiet an der Grenze zu Röns. Moose in verschiedenen Grünnuancen sind ein wichtiger Teil dieses Biotops. Die Quellflur im Faweschgatobel wird hauptsächlich von einem Moos (Cratoneuron commutatum) besiedelt. Kalk lagert sich an den Moospflänzchen an und bildet den Kalktuff. Man darf auf die Überschreitungen des Baches, gekennzeichnet durch gelb-weiße Anstriche an Bäumen und Pfosten, achten. So kommt man in einer knappen halben Stunde an den Waldrand, schreitet nun wieder durch Häuserzeilen rechts ab zum Spielplatz beim Rönsberg und kennt dort den Rückweg ins Dorf Schlins.

Geheimnisvolle Brücken lassen Bäche trockenen Fußes überqueren. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Geheimnisvolle Brücken lassen Bäche trockenen Fußes überqueren. Gerhard Vylet

Rung um die Tour: Bienen, Ameinsen und Naturjuwele

D

Der Bienen-Naturlehrpfad führt durch die Walgaugemeinden Schlins, Schnifis, Düns und Röns. Infotafeln, wie Sitzbänke platziert, berichten Wissenswertes über Bienen, Ameisen sowie Fauna und Flora der Gegend.
Wie etwa, dass Ameisen und Bienen die einzigen Insekten in der Gegend sind, die ganzjährig in großen Kolonien leben. In einem Ameisenvolk leben je nach Art eine oder mehrere Königinnen, Arbeiterinnen und zur Fortpflanzungszeit auch die geflügelten Männchen. Im Walgau sind 69 Ameisenarten bekannt, davon gehören 7 Arten zur Gattung der Waldameisen, von denen es österreichweit 13 Arten gibt.
Ameisen spielen für das ökologische Gleichgewicht in unseren Wäldern eine enorme Rolle, denn sie verbessern den Boden, indem sie die Erde auflockern und Nährstoffe in der Umgebung ihrer Nester konzentrieren.

VolksschülerInnen der VS Röns bauten diese wertvolle Nisthilfe für Wildbienen. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
VolksschülerInnen der VS Röns bauten diese wertvolle Nisthilfe für Wildbienen. Gerhard Vylet

Ökologisch einzigartige Biotope

Das artenreiche Kalkflachmoor Kaltenbrunnen (Biotop 41901) liegt südlich der Straßenverbindung Schnifis–Röns, bei der Abzweigung nach Düns. Es umfasst typischen Kopfbinsenrasen (Schoeneten), trockenere Pfeifengraswiesen (Molinieten) und randlich begrenzende Hochstaudenfluren (mit Schilf und Mädesüss). Ein Quellaufstoß im Osten führt an einem Steilhang zur Ausbildung einer Tuffquellflur mit diversen Moosen. Einzelne Traubeneichen (Quercus petraea) und verschiedene moortypische Gehölzarten tragen zur Erhöhung des landschaftlichen Wertes bei.

Das botanisch interessante Faweschgatobel (Biotop 41808) bildet ein Seitentobel des Vermülsbaches. Die größte Quellflur ihrer Art wird von nur wenigen Arten gebildet, wobei eine Tuffmoosart dominiert (Cratoneuron). Außerdem fallen sterile Exemplare von Geranium robertianum (Stinkender Storchschnabel) auf. Kalktuffe (=Kalksinter) entstehen, wenn an Quellaustritten kalkreichem Wasser durch Moose und Algen Kohlendioxid (CO2) entzogen wird und dadurch ein erheblicher Teil des im Wasser gelösten Kalkes ausfällt. Der Kalk lagert sich an Pflanzen ab und bildet mit den Jahren den Kalktuff. Vom Kalktuff geprägte Lebensräume sind selten und gefährdet.

Pippau (Crepis capillaris) mit Biene. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Pippau (Crepis capillaris) mit Biene. Gerhard Vylet

Pflanzenkunde

Kleinköpfiger oder Grüner Pippau (Crepis capillaris) bevorzugt magere Wiesen, Weiden und Ruderalstellen in gemäßigter Klimalage, Alteinwanderer (=Archäophyt). Die Bestäubung erfolgt durch Fliegen und Bienen.

Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll / Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Bienenzuchtverein im Jagdbergischen, http://apps. vorarlberg.at/archiv/umweltschutz/biotopinventar/Schlins.pdf

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