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Zwei gemeinsam gegen den Rest der Welt

17.06.2022 • 19:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Schulze und Maria Lisa Huber als Ebenezer und Sammy in „Wutschweiger“.<br><span class="copyright">Anja Köhler</span>
Sebastian Schulze und Maria Lisa Huber als Ebenezer und Sammy in „Wutschweiger“.
Anja Köhler

Am Landestheaters war die eindrückliche Premiere von „Wutschweiger“ von Jan Sobrie und Raven Ruëll zu erleben.

Was geschieht mit Kindern und Jugendlichen, die plötzlich aus ihrem gewohnten Umfeld herausgeworfen werden und sich mit Gegebenheiten abfinden müssen, für die sie nichts können? Ebenezer passiert genau das. Der Vater hat die Arbeit verloren, die Familie zieht in einen Wohnsilo um, Armut und Perspektivenlosigkeit, begleitet von ständigen Streitereien der Eltern und auch Scham, prägen den Alltag. Alles wird kleiner in der Welt des Jungen.

Ebenezer ist einer von zwei Jugendlichen im Stück „Wutschweiger“ des belgischen Autorenduos Jan Sobrie und Raven Ruëll. Dessen Premiere war am Mittwochabend in einer Inszenierung von Danielle Fend-Strahm in der Box des Landestheaters in Bregenz zu sehen.

Eine dynamische Inszenierung mit Platz für leise Momente.  <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Eine dynamische Inszenierung mit Platz für leise Momente. Anja Köhler

Es ist ein hartes Stück, das sein Publikum nicht schont und wohl ganz nahe an der Gegenwart agiert. Ebenezer, der von Sebastian Schulze einfühlsam dargestellt wird, trifft auf Sammy – sehr ausdrucksstark Maria Lisa Huber, allerdings einige Male ein wenig zu laut. Die Jugendliche lebt schon länger in dieser prekären Realität und begrüßt Ebenzer demzufolge mit einem „Willkommen im ‚Ich sitze in der Scheiße-Club‘“. Die beiden werden Freunde – eine Freundschaft, die wie ein Schutzschild gegen das raue und schwierige Umfeld der beiden wirkt.

Ausstatter Matthias Strahm hat zwei Sofas mit Rollen und einige Stühle auf die Bühne gestellt. Mit diesen werden blitzschnell Räume geschaffen. Viel Dynamik ist auch in der Inszenierung von Danielle Fend-Strahm, die aber auch den leisen Momenten genügend Platz gibt. Diese, aber auch lautere Szenen werden durch die Musik von Florian Wagner unaufdringlich, aber eindrucksvoll verstärkt.

Freundschaft als Schutzschild.  <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Freundschaft als Schutzschild. Anja Köhler

Als die Schulklasse von Ebenezer und Sammy in die Skiwoche nach Berchtesgaden fährt, können die beiden nicht mit, weil ihre Eltern das Geld dafür nicht aufbringen können. Ein „Kollateralschaden“, wie die anderen Eltern meinen. Die Verzweiflung darüber ist besonders bei Sammy groß, und da nützt es auch nichts, dass Ebenezer versucht, sie aufzumuntern. Er hat dann aber einen Plan – wodurch auch der Titel des Stücks erklärt wird. Der funktioniert aber nur so lange, bis sich in Sammy die gesamte Wut und Verzweiflung Ausdruck verschaffen – und eine Realität offenbaren, die noch schlimmer ist als angenommen.

Berührend

„Wutschweiger“ ist ein berührendes Stück über zwei junge Menschen, die versuchen, in all die Trostlosigkeit auch ein Stück Freude und Hoffnung zu bringen und sich von den Umständen nicht kaputt machen zu lassen. Besonders Sammys Kampf gegen die harte Wirklichkeit ist ergreifend. Ihre Mutter ist gestorben, der Vater trinkt, und sozial und finanziell sind Vater und Tochter ganz unten angelangt. Gemeinsam mit Ebenezer stemmt sie sich aber mit aller Kraft gegen das Schicksal, gegen Einsamkeit und Ausgrenzung – sodass letztlich bei den beiden trotz allem die Lebensfreude überwiegt. Ein spannendes, bewegendes und wichtiges Stück, das auch einiges an Witz und Humor beinhaltet.

Nachbearbeitung

„Wutschweiger“ – geeignet für Menschen ab zehn Jahren – wird kommende Woche noch einige Male als Vormittagsvorstellung für Schulklassen gespielt.
Da wird es dann auch die Möglichkeit geben, dass sich die Kinder und Jugendlichen im Anschluss an die Vorstellung mit den Inhalten auseinandersetzen können und bei Bedarf auch zusätzliche Informationen erhalten.


InInformationen und Anfragen unter www.landestheater.org