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Ausdrucksstarker Tanz einer Ikone

20.06.2022 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Louise Lecavalier war mit "Stations" am Spielboden.   <span class="copyright">Andre Cornellier</span>
Louise Lecavalier war mit "Stations" am Spielboden. Andre Cornellier

Louise Lecavalier überzeugte beim Festival „Tanz ist“.

Louise Lecavalier gilt als Vorreiterin und Ikone des zeitgenössischen, modernen Tanzes. 1981 gründete sie zusammen mit Édouard Lock die Tanzformation La La La Human Steps, mit der sie in den 1980er- und 1990er-Jahren internationale Erfolge feierte. Ihr Avantgarde-Rock-Stil brachte der Kanadierin auch Kooperationen mit David Bowie im Video „Fame 90“ und im Video „Yellow Shark“ von Frank Zappa ein.

Für ihren Tanz wurde Lecavalier mehrfach in ihrer Karriere ausgezeichnet – zuletzt im Jahr 2017 mit dem Prix Denise-Pelletier, der höchsten Auszeichnung für darstellende Künste der Regierung von Québec. Diese besondere Frau stand also am Wochenende auf der Bühne des Spielbodens und zeigte in ihrer einstündigen Darbietung ihr ganzes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten.

Eindinglich

Eingeteilt in vier Stationen tanzte sie zu den Themen Fluidität, Kontrolle, Meditation und Obsession. Begleitet von einem eindringlichen, monotonen Beat, der im Laufe der Performance zunehmend melodischer und zuletzt auch mit Gesang unterlegt wurde, bewies Lecavalier ihr Ausnahmetalent.
Die ganze Show „Stations“, die zu sehen war, ist von ihr choreographiert. Für das Kostümdesign zeichnet Yso, Marilène Bastien verantwortlich.Szenografie-Advisor war Marc-André Coulombe.

Fest verwurzelt am Boden bewegte sich Lecavalier in der ersten Station förmlich wie auf Schienen, parallel auf der Stage hin und her. Ihre Arme waren wie Zweige, die im Wind wehten, sich dann aber wieder kraftvoll in die Erde gruben. Die Musik wirkte teilweise bedrohlich, die Art ihres Ausdruckstanzes war aber meist explosiv, extrovertiert und bestimmend.

Die kanadische Tänzerin Louise Lecavalier.   <span class="copyright">Andre Cornellier</span>
Die kanadische Tänzerin Louise Lecavalier. Andre Cornellier

Diese Spannung war sichtlich im Raum zu spüren. In ihren Bewegung sah man die Tänzerin manchmal gegen unsichtbare Feinde ankämpfen, dann war sie wieder eins mit sich selbst und der imaginierten Natur, die im Raum gefühlt anwesend war. Das Licht war sehr sanft und unaufdringlich gesetzt (Alain Lortie) und begleitete die Übergänge von einer Station zur anderen.

Akrobatischer ging es in den folgenden Tanzteilen zur Sache, als sie ihren gesamten Körper einsetzte und sich auf der ganzen ihr zur Verfügung stehenden Fläche bewegte. Freiheit, Glück und Befreiung konnte man mit ihrer Art des Tanzes assoziieren, eine Wandlung vom Düsteren zum Hellen war im Lauf der Show deutlich auszumachen.

Im letzten Abschnitt versöhnten sich Musik und Tanz und gingen eine sanfte Einheit ein. In den Zwischenräumen von einer Station zur anderen verstummte die Musik. Lecavalier schlüpfte in die neue Rolle, langsam und behutsam. Diese Momente des Innehaltens waren ebenfalls ausdrucksstark und tiefgehend und zeigten die Tänzerin von ihrer verletzlichen Seite. Es war wie ein Schwungholen zu einer noch größeren Tanzperformance.

Mit ihren 63 Jahren drückte Lecavalier eine unglaubliche Impulsivität, Akrobatik und perfekter Körperbeherrschung aus. Ihre Tanzperformance „Stations“ legte im Zeitraffer dar, was sie in ihrer langen Karriere alles kreiert hat. Sie ließ das Publikum glücklich beschenkt mit reichhaltigen Bildern zurück. Daniel Furxer