Allgemein

Klose-Mania in Altach

20.06.2022 • 22:09 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Miroslav Klose posiert in der Cashpoint Arena für die Fotografen. <span class="copyright">Hartinger (alle Bilder)</span>
Miroslav Klose posiert in der Cashpoint Arena für die Fotografen. Hartinger (alle Bilder)

Heute wurde Miroslav Klose offiziell als neuer SCRA-Trainer vorgestellt.

Montag, 12.40, Campus SCR Altach. Das hat die Welt, und mit Welt ist in diesem Fall Vorarlberg gemeint, das also hat Vorarlberg noch nicht gesehen. Rund 30 Journalisten, Fotografen und Kamerateams drängen sich in den nicht allzu großen Seminarraum, wo um 13 Uhr die Vorstellungs-Pressekonferenz von Altachs neuem Cheftrainer Miroslav Klose beginnt. Neben den üblichen Verdächtigen aus der heimischen Medienbranche sind auch Journalisten aus Deutschland und der Schweiz vertreten. So hat der Münchner Merkur ebenso einen Berichterstatter entsandt wie die NZZ, also die Neue Zürcher Zeitung.
Der Kampf um die beste TV-Kameraposition verläuft fair, aber hart, und auch die vielen Fotografen müssen ihre Ellenbogen auspacken, um einen guten Blickwinkel zu erhaschen. Die Frage aller Fragen für die Fotografen ist, von welcher Türe aus Klose den Raum betritt – denn diese Momentaufnahme will sich keiner entgehen lassen. Als klar ist, dass der Weltmeister des Jahres 2014 durch den Seiteneingang den Raum betritt, richten sich alle Kameras auf den Durchlass. Mit dem Finger am Auslöser. Denn das ist ein erstes Fotomotiv, auf das es keine zweite Chance gibt.

Er begeistert

12.53 Uhr. Die Positionen sind bezogen. Es herrscht angespannte Ruhe, alle warten auf den Hauptdarsteller, alle warten auf Miro Klose. Bis plötzlich eine spät eintreffende Journalistin Hektik verursacht. Sie stellt ihre Kamera mittig im Gang auf und will sich schon zufrieden ein Plätzchen suchen, als ihr ein anderer Kameramann unmissverständlich klar macht, dass ihre Kamera da wegmuss, weil sie das Sichtfeld der anderen Kameras verdeckt. Auch ihr nächster Versuch, ihre Kamera zu platzieren, endet mit einem vehementen Veto eines anderen Kameramanns. Letztendlich bleibt ihr nichts anderes übrig, als das Kamerastativ auf Bauchnabelhöhe herunterzulassen, sie wird die Pressekonferenz kniend verfolgen müssen. Bei jeder anderen Pressekonferenz im Land wäre ihr das nicht passiert, aber bei der Präsentation des besten WM-Torschützen aller Zeiten ist eben alles anders.

12.58 Uhr. SCRA-Geschäftsführer Christoph Längle betritt den Raum und setzt sich am Podium ganz rechts hin. Jetzt kann es nur noch wenige Sekunden dauern, bis Klose, man ist fast geneigt zu sagen, den Raum mit seiner Anwesenheit erleuchtet. So euphorisch ist die Stimmung unter den Wartenden.

Er ist da

12.59 Uhr. Es ist soweit: Klose betritt den Raum. Er trägt ein rotes T-Shirt mit Altach-Logo. Sofort ändert sich die Stimmung. Die etwas überdrehte Spannung macht einer wohltuenden Normalität Platz. Klose mimt nicht den Star, sondern vermittelt auf Anhieb das Gefühl, dass er einer ist, den man im Supermarkt durchaus auch mal ansprechen darf. Ja, Klose war als Spieler ein Weltstar, er hat Rekorde aufgestellt, ist Weltmeister geworden, spielte bei Großklubs; aber der Mann ist immer bodenständig und bescheiden geblieben. Wer etwas anderes erwartete, hat sich zu wenig mit dem 44-Jährigen beschäftigt – und sowieso: Wäre Klose anders, er wäre nicht nach Altach gekommen und würde auch nicht ins Rheindorf passen.

Einige Schritte hinter Klose betritt Altachs Sportlicher Leiter Werner Grabherr den Raum, dem mit der Verpflichtung von Klose ein Befreiungsschlag gelungen ist. Der Mann stand in der Bringschuld, mit dem Klose-Deal hat er geliefert. Dass der Weg zur Trainerfindung lang und nicht pannenfrei war, ist, zumindest vorerst, vergessen, wenn am Ende einer wie Klose übernimmt. Das muss auch einmal gesagt sein.

13 Uhr. Altachs Pressesprecher Manuel Willam moderiert die Pressekonferenz, der einstige NEUE-Praktikant macht das sehr souverän, lässt sich von der Medienschar nicht beeindrucken. Als Erstes spricht Längle zu den Journalisten. Er begrüßt zunächst Klose und dessen Co-Trainer Slaven Skeledzic, mit dem Klose von 2018 bis 2020 bei der U17 des FC Bayern zusammengearbeitet hat und zuletzt Individualtrainer bei der FCB-Jugend war. Skeledzic sitzt nicht am Podium, der 50-Jährige hat sich bescheiden unter die Journalisten gemischt und in der letzten Reihe Platz genommen.

Als er von Längle willkommen geheißen wird, hebt Skeledzic fast ein wenig verlegen die Hand. Dann erklärt Längle, wie stolz man bei den Altachern ist, dass man Klose und Skeledzic gewinnen konnte. „Auf den ersten Blick scheint das vielleicht für manch einen abstrus. Aber Miro ist ein sehr harter Arbeiter, und auch uns wurde auf dem Weg in die Bundesliga nichts geschenkt“, sagt der SCRA-Macher und bringt es auf den Punkt: „Die Wertewelt, für die Miro steht, ist nahezu identisch mit der Wertewelt des SCR Altach.“ Dann spricht Längle einen Dank an Grabherr dafür aus, dass er den Deal mit Klose eingefädelt hat. Kurz darauf erklärt Grabherr den gebannten Journalisten höchstselbst, wie die Klose-Verpflichtung ablief: „Mir war der Trainer Miro Klose bekannt, weil ich öfters am Bayern-Campus zu Besuch war und mir Spiele seiner U17, aber auch Trainings angeschaut habe. Ich habe vor einigen Tagen den Kontakt mit Bayern-Campusleiter Jochen Sauer gesucht, er hat Miro und mich verknüpft, und dann hat die Sache Fahrt aufgenommen.“

Er spricht

13.10 Uhr. Klose begrüßt alle herzlich. Dann erklärt er: „Ich möchte die Spieler tagtäglich im Training verbessern. Ich will den Spielern Spaß und Freude vermitteln.“ Sein erstes Statement ist kurz und prägnant, nach einer Fragerunde geht es zum Fotoshooting ins Stadion.

13.36 Uhr. Jetzt stehen die ers­ten obligatorischen Bilder auf dem Platz mit Tribünenhintergrund an, Klose posiert geduldig und folgt den Regieanweisungen der Fotografen – der Mann kennt das Geschäft und ist, mit Verlaub, noch viel, viel mehr Rummel gewöhnt. Routiniert also erfüllt Altachs Neo-Trainer alle Fotowünsche, dann können die Journalisten mit Klose Einzelinterviews führen. Weil es so viele Interview-Anfragen gibt, sind die Gespräche auf drei Minuten beschränkt. Viel zu erfahren gibt es naturgemäß noch nicht, Klose muss sich erstmal ein klares Bild machen. Der NEUE erzählt der 137-fache deutsche Nationalspieler, dass er nach der Vertragsunterschrift am Sonntag gleich hiergeblieben ist. „Ich hab’ ja sonst nichts zu tun!“, scherzt Klose.

Das war er also, Kloses erster Tag als Altach-Trainer. Sowas wie diesen Montag, den 20.6.2022, hat Vorarlberg wahrlich noch nicht gesehen. Möglicherweise stehen auch die Sterne gut für Klose, denn der 20.6. war schon mal ein großer Tag in seiner Karriere: Am 20.6.2006 erzielte Klose bei der WM zwei Tore gegen Ecuador.

Er trainiert

Morgen ab 10 Uhr findet das erste und auch öffentliche Training unter Klose statt. Danach wird sich der erste Rummel um Klose wohl legen. Das ist gut so. Denn Euphorie ist ja schön und recht, aber speziell die Öffentlichkeit tut gut daran, das Rad nicht zu überdrehen. In diesem Sinne: Alles Gute in Altach, lieber Miro Klose!