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Musikalische Weltreise gegen das Vergessen

20.06.2022 • 18:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zeigten mit „Vergissmeinnicht“ eine kurzweilige und beeindruckende Produktion: Die Schurken. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Zeigten mit „Vergissmeinnicht“ eine kurzweilige und beeindruckende Produktion: Die Schurken. Klaus Hartinger

Die zauberhafte neue Schurken-Produktion „Vergissmeinnicht“ war im Rahmen der Bregenzer Festspiele zu sehen.

Es war gar nicht so einfach, am Sonntagvormittag ins Bregenzer Festspielhaus zu kommen, wo im Rahmen der Jungen Festspiele „Vergissmeinnicht“ des Ensembles Die Schurken zu sehen war. Aufgrund eines Triathlons war ringsum abgesperrt. Das war vermutlich auch der Grund, dass erst mit einigen Minuten Verspätung begonnen wurde.

Die Schurken, die sich der Musikvermittlung an Kinder verschrieben hat, beschäftigen sich in der neuen Produktion mit dem Thema Demenz – auf liebevolle, fröhliche und überzeugende Art und Weise.

Auch Schattenspiele gab es. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Auch Schattenspiele gab es. Klaus Hartinger

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Vier „sehr alte Freunde“ leben in einem Seniorenheim, einer von ihnen (Martin Deuring) ist dement. Er betrachtet die alten Fotos und erkennt auch die Menschen darauf nicht wieder – sogar sich selbst. Der alte Mann war Musiker und mit Musik und der Erinnerung daran wollen ihn seine Freunde wieder zurückholen. Sein Kontrabass ist verstaubt, aber mit Hilfe der Musik gelingt es den vier, eine gemeinsame Basis zu finden.

Sie begeben sich in der Folge auf eine musikalische Weltreise, nach Tokio, Casablanca, Tel Aviv – mit Stücken von Grieg, Mozart, Puccini, Debussy und einer ganzen Reihe anderer Melodien, die jeweils stimmig die Atmosphäre wiedegeben. Vom Vorarlberger Marcus Nigsch kommt eigens komponierte Musik dazu.

Eine blaue Girlande wurde zum Schiff.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Eine blaue Girlande wurde zum Schiff. Klaus Hartinger

Wenige Requisiten (Ausstattung Nina Ball) und auch ein Schattenspiel ergänzen die wunderbare Reise, auf der sich die Kinder am Sonntag im vollen Seestudio des Festspielhauses begeistert mitnehmen ließen. Sara Ostertag hat das Konzert inszeniert, ebenso zurückhaltend wie eindringlich. Und mit Deuring, Martin Schelling (Klarinette), Stefan Dünser (Trompete) und Goran Kovacevic (Akkordeon) stehen vier Musiker auf der Bühne, deren Spielfreude spürbar wird und die auch Schauspieler überzeugen.
„Vergissmeinnicht“ ist eine zauberhafte, einnehmende Geschichte, bei der ein schwieriges Thema leicht und beschwingt daherkommt. Ein kurzweiliges inszeniertes Konzert, das Lebensfreude ausstrahlt und die Musik als Brücke zwischen den Menschen in den Vordergrund stellt – auch wenn vieles andere verloren gegangen ist.