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Neue Corona-Variante im Ländle am Vormarsch

20.06.2022 • 18:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Abwasser von sechs Kläranlagen wird regelmäßig getestet.<br><span class="copyright">Symbolbild/Hartinger</span>
Das Abwasser von sechs Kläranlagen wird regelmäßig getestet.
Symbolbild/Hartinger

Subvariante BA.5 war Ende Mai bereits in Dornbirn dominant.

Das Abwasser von sechs Vorarlberger Kläranlagen wird nicht nur regelmäßig auf die generelle Konzentration des Sars-COV-2-Virus, das die Covid-19-Erkrankung auslöst, überprüft, sondern auf die jeweiligen Subvarianten hin genauer untersucht. Das Umweltinstitut des Landes bestätigt nun die wachsende Verbreitung der BA.5-Subvariante von Omikron.

Das Variantenscreening liegt nun bis Ende Mai vor. „Da die zuverlässige Variantenbestimmung im Abwasser sehr aufwändig ist, sind die Daten zumeist ein Blick in die Vergangenheit“, erklärt der Leiter des Umweltinstituts Christoph Scheffknecht auf NEUE-Anfrage.

Variante in Dornbirn dominant

Die international häufigere Subvariante BA.4 hat in Vorarlberg bisher kaum Fuß fassen können, anders sieht es laut Scheffknecht mit der Folgevariante aus: „Die Subvariante BA.4 wurde in Vorarlberg bisher nur in Bregenz und Hofsteig mit geringen Anteilen detektiert. Die Subvariante BA.5 ist dabei, die bisher dominante Variante BA.2 zu verdrängen.“ Im Klärwasser der Stadt Dornbirn lag der Anteil Ende Mai bereits über der Hälfte der dort festgestellten Varianten.

Variantenscreening des Abwassers bis Ende Mai. <span class="copyright">Umweltinistitut</span>
Variantenscreening des Abwassers bis Ende Mai. Umweltinistitut

Nun dürfte das wohl bereits für das ganze Land gelten. Darauf deuten auch aktuellere Zahlen aus Süddeutschland hin, wo der Anteil von BA.5 bereits in vielen Proben die Mehrheit der Coronainfektionen ausmacht. Mithilfe der Abwasseruntersuchung kann das Vorarlberger Umweltinstitut die Verbreitung des Vidus in der Gesamtbevölkerung schätzen – unabhängig davon, ob Infizierte sich auch offiziell testen lassen oder nicht. Durch bestimmte Stoffe, die jeder Mensch ausscheidet, lässt sich unabhängig von der Wassermenge kalkulieren, wie viele Menschen derzeit Covid-19-positiv sind. Die Kurve geht seit einigen Tagen wieder nach oben. Von einer Sommerwelle ist die Rede.

Alle werden erfasst

Während die offizielle Inzidenz deutlich geringer steigt, zeigt das Abwassermonitoring steiler nach oben. Laut Scheffknecht ist das „auf die verschiedenen Varianten und somit auf das Ausscheidungsverhalten der Viren“ zurückzuführen. Ein weiterer Grund sei die geänderte Teststrategie, die zu weniger positiven Ergebnissen und damit einer geringeren Inzidenz führt. Die Zahl der aktiv positiv Getestenen in Vorarlberg sank zuletzt sogar leicht – wie über Wochenenden üblich – und liegt nun bei 1192.

Das Abwassermonitoring bildete dennoch im Großen und Ganzen, die Tendenzen ab, die sich auch in den Testergebnissen zeigten. So fiel die Zahl der Infektionen nach dem Höhepunkt der letzten Welle zunächst rasch ab und blieb dann für etwa vier Wochen auf stabilem Niveau, bevor sie Anfang Juni wieder zu steigen begann. „Das Niveau der Abwasserdaten deutet aber weiterhin auf ein nur mäßiges Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet der untersuchten Kläranlagen hin“, beruhigt man beim Umweltinstitut.

Subvarianten ansteckender

Ob BA.5 gefährlicher ist als die Muttervariante Omikron, ist noch nicht geklärt. Zuletzt wurden in Vorarlberg wieder zwei Covid-Patienten auf Intensivstationen aufgenommen, was ein zur letzten Welle im März vergleichsweise niedriges Niveau bedeutet. „Ich halte es für möglich, dass BA.5 wieder etwas pathogener sein könnte, aber das ist abschließend nicht geklärt“, erklärte die deutsche Virologin Sandra Ciesek kürzlich dem Fernsehsender NDR.

Eine steigende Zahl an Todesfällen in Portugal sei aber wohl auch auf die bereits länger zurückliegende Booster-Impfung der betroffenen älteren Menschen zurückzuführen gewesen. Klar sei jedenfalls, dass BA.4 und BA.5 ansteckender sind als bisherige Subvarianten. Die Impfung schütze weiterhin vor einem schweren Verlauf.

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