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Schubertiade-Debüt eines jungen Tenors

21.06.2022 • 18:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Patrick Grahl und Daniel Heide in Schwarzenberg.   <span class="copyright">Schubertiade</span>
Patrick Grahl und Daniel Heide in Schwarzenberg. Schubertiade

Patrick Grahl und Daniel Heide waren mit Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ zu hören.

Am Montagabend gab der Tenor Patrick Grahl an der Seite von Daniel Heide sein mit herzlichem Beifall aufgenommenes Debüt bei der Schubertiade. Beim Thomanerchor Leipzig hat er Singen gelernt. Große Vorbilder wie der Tenor Peter Schreier und der Bassist und zeitweilige Thomaskantor Gotthold Schwarz haben ihn noch nach dem Studium in Leipzig geprägt. Als Evangelist in den Passionen von Johann Sebastian Bach tritt er schon seit einigen Jahren in die Fußstapfen seines Mentors Peter Schreier.

Seine Stimme ist weich, schön abgerundet, fein differenziert mit tragendem Piano, seine Textdeutlichkeit ist, natürlich, exzellent. Nun hatte der junge Tenor sein Schubertiade-Debüt in Schwarzenberg mit „Die schöne Müllerin“, jenem Zyklus, der bei diesem Festival und in dieser Umgebung so wunderbar passt und viele Vergleichsmöglichkeiten bietet. Patrick Grahl braucht sie nicht zu scheuen, vor allem, weil auch Daniel Heide seine große Erfahrung als Liedpianist einbringt und die beiden zusammen durch gemeinsame Konzerte und CD-Aufnahmen verbunden sind.

Spielraum für Deutung

Die Wanderung des Müllersburschen ist ebenso eine Lebensreise wie die des Wanderers aus der „Winterreise“ und sie bietet Spielraum für psychologische Deutung – mit ein Grund, warum man den Zyklus der 20 Lieder nach Wilhelm Müller immer wieder neu hören kann. Patrick Grahl und Daniel Heide beginnen frisch und spritzig, feine Verzierungen in der Gesangslinie schmücken die Strophen aus. Doch der junge Mann, der da so frohgemut aufbricht, ist sensibel, der Bach, sein Begleiter, Ratgeber und innere Stimme, kann murmeln, verführen, drohen und trösten. Das Ziel ist die Mühle mit der schönen Müllerstochter, die das Werben des sanftmütigen Burschen nicht wahrnimmt und den schneidigen Jäger vorzieht.

Auf und Ab

So erzählen die beiden Künstler die Geschichte als Auf und Ab von Hoffnung, Kränkung und Enttäuschung, von rasender Eifersucht und seelischen Abgründen. Die lyrischen Linien gestaltet Grahl mit feiner Empfindung und Farben der Kopfstimme, im Sprachfeuerwerk der textreichen „Jägerlieder“ nimmt er als (vermutlich unnötiges) Sicherheitspolster die Noten zu Hilfe, um die letzten Lieder dann um so verinnerlichter, fahler ersterben zu lassen.

Heide spielt ebenso mit allen Facetten der Anschlagskunst, spiegelt Aufschwünge und Verzicht, lässt das Horn des Jägers wie ein ganzes Ensemble schmettern und versteht es, „des Baches Wiegenlied“ als Zusammenfassung des Zyklus‘ mit einem silbernen Hauch aufzulösen. Die Magie der „Müllerin“ hat auch diesmal wieder gewirkt, Grahl und Heide sind sicher wieder willkommen! Katharina von Glasenapp