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Ehrenwertes Motiv für Drohung mit Messer

23.06.2022 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Angeklagter soll 15-Jährigem Messer an den Hals gehalten haben. <span class="copyright">Symbolbild Shutterstock</span>
Angeklagter soll 15-Jährigem Messer an den Hals gehalten haben. Symbolbild Shutterstock

16-Jähriger wollte 15-Jährigen davon abhalten, wieder Marihuana mit seinen Cousins zu rauchen.

Das Tatmotiv hielten Richterin Sabrina Tagwercher und Verteidiger Surena Ettefagh für lobenswert. Denn der Angeklagte wollte nach eigenen Angaben erreichen, dass das Tatopfer keinen Joint Marihuana mehr mit den beiden Cousins des Angeklagten raucht. Dafür habe der zur Tatzeit 16-jährige Angeklagte aber das falsche Mittel gewählt, so die Strafrichterin und der Rechtsanwalt.
Denn der geständige Angeklagte hielt am 23. Jänner auf einem Oberländer Parkplatz einem 15-Jährigen ein Messer an den Hals, nachdem er ihm eine Ohrfeige verpasst hatte. Und der Jugendliche mit dem Messer sagte nach den gerichtlichen Feststellungen zu ihm, er solle nie mehr mit seinen Cousins kiffen.

Reumütig geständig

Die Jugendrichterin wertete das Fehlverhalten des Angeklagten am Donnerstag in der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch als Vergehen der Nötigung. Deswegen wurde der unbescholtene und reumütig geständige Lehrling zu einer teilbedingten Geldstrafe von 480 Euro (120 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 240 Euro. Die anderen 240 Euro wurden für eine Bewährungszeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

Umgerechnet zwei Monate Haft

Das Urteil, das der Angeklagte annahm, ist nicht rechtskräftig, denn die Staatsanwältin nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Die mögliche Höchststrafe für den Jugendlichen wäre ein halbes Jahr Gefängnis gewesen. Die verhängte Geldstrafe entspricht umgerechnet zwei Monaten Haft.
Der bedrohte 15-Jährige sagte als Zeuge, er habe mit den Cousins des Angeklagten nie gekifft. Im ursprünglich das Vergehen der gefährlichen Drohung beinhaltenden Strafantrag der Staatsanwaltschaft Feldkirch wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, er habe dem Opfer nicht nur das Messer an den Hals gehalten, sondern auch noch zu ihm gesagt, er werde ihn beim nächsten Mal abstechen. Das habe der Angeklagte nicht gesagt, gab jedoch das Opfer zu Protokoll.

Habe sich vermutlich geirrt

Jener 16-jährige Tatzeuge, der von der Polizei noch von einer Drohung mit dem Abstechen berichtet hatte, sagte vor Gericht, er habe sich dabei vermutlich geirrt.
Dem unbescholtenen Angeklagten wurde keine Diversion gewährt, weil in der Vergangenheit schon zwei gegen ihn geführte Strafverfahren diversionell ohne Eintrag ins Strafregister eingestellt wurden, zuerst mit gemeinnütziger Gratisarbeit, beim zweiten Mal mit einer Geldbuße.

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