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Von großen Gefühlen und Traumwelten

23.06.2022 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Präsentierten das Programm: Peter Heiler, Judith Reichart, Michael Ritsch und Michael Rauth (v.l.). <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Präsentierten das Programm: Peter Heiler, Judith Reichart, Michael Ritsch und Michael Rauth (v.l.). Klaus Hartinger

Im Festspielhaus wurde das Programm der Bregenzer Meisterkonzerte der Saison 2022/23 präsentiert.

Inhaltlich geht es um Liebe, große Gefühle und fantastische Traumwelten. Formal soll versucht werden, mit neuen Aufführungspraxen und jungen Dirigenten zusätzlich zum bestehenden ein „jüngeres“ Publikum anzusprechen und auch Menschen aus anderen gesellschaftlichen Schichten. Das erklärten die Verantwortlichen der Bregenzer Meisterkonzerte bei der gestrigen Präsentation des Programms 2022/23.

Man hoffe, dass man in der kommenden Saison alle sechs Konzerte spielen könne, sagte der Bregenzer Kulturstadtrat Michael Rauth. Zuletzt war das pandemiebedingt 2018/19 der Fall. Konzipiert wurde das Programm von der Leiterin des Kulturservice der Stadt, Judith Reichart und dem ehemaligen Direktor der Musikschule Bregenz, Peter Heiler. Heiler war eingesprungen, nachdem Reichart suspendiert worden war (die NEUE hatte berichtet).

Das Aurora Orchester unter Nicholas Collon. <span class="copyright">Mark Allan</span>
Das Aurora Orchester unter Nicholas Collon. Mark Allan

Den Anfang macht im September das britische Aurora Orchester unter seinem 1983 geborenen Leiter Nicholas Collon. Dabei werden Werke des zeitgenössischen Komponisten Thomas Adès und von Hector Berlioz zusammengeführt. Er stelle Musik sehr dramatisch, fast schon opernhaft dar, erläuterte Heiler. Die Musiker und Musikerinnen würden im Stehen spielen und sich bewegen.

Das zweite Konzert gestaltet das schon im Vorjahr geplante Orchestre des Champs-Élysées unter Philippe Herreweghe mit Werken von Brahms und Dvorák. Solistin ist die deutsche Geigerin Isabelle Faust. Beide Konzerte werden aufgrund des Umbaus des Festspielhauses auf der Werkstattbühne gespielt – je zwei Mal. Im Jänner kommen dann traditionell die Wiener Symphoniker nach Bregenz. Wer am Pult steht, ist noch nicht klar, nachdem Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada im April wie berichtet überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte. Alleiniger Programmpunkt ist Brahms.

Das Chamber Orchestra of Europe unter Robin Ticciati gastiert im April in Bregenz.<br><span class="copyright">Julia Wesely</span>
Das Chamber Orchestra of Europe unter Robin Ticciati gastiert im April in Bregenz.
Julia Wesely

Nach Herreweghe kommt im April mit Jordi Savall ein weiterer Spezialist für Alte Musik ins Festspielhaus. Er kommt allerdings aus einer anderen Schule als Herreweghe, was auch einen wissenschaftlichen Zugang erlaube, erklärte Heiler. „Die Elemente und die Furien“ ist der Titel des Programms mit dem Le Concert des Nations. Luft, Wasser, Feuer und Erde werden anhand von Werken von Händel, Gluck, Marin Marais und Jean-Philippe Rameau erlebbar gemacht. Solist ist der deutsch-argentinische Violinist Manfredo Kraemer.

Beim fünften Konzert steht mit dem 1983 geborenen Briten Robin Ticciati wieder ein junger Dirigent am Pult. Er leitet das Chamber Orchestra of Europe, das Werke von Beethoven, Berlioz und Jörg Widmann (geboren 1973) zur Aufführung bringt – in eine ungewöhnlichen Dramaturgie. Solistin ist die Geigerin Lisa Batiashvili. Den Abschluss bildet ein Konzert der vielseitigen Pianistin Hélène Grimaud. Sie wird Werke von Brahms, Schumann und Beethoven spielen – was genau, war gestern noch nicht bekannt.

Über 6300 Besucher

In zwei Jahren feiern die Bregenzer Meisterkonzerte ihr 40-jähriges Jubiläum. „Es ist eine Konzertreihe, die nicht mehr wegzudenken ist“, sagte Rauth. Er lieferte auch ein paar Zahlen: So waren im Vorjahr bei fünf Konzerten 6320 Besucher, was einer Auslastung von 88 Prozent entspricht. Allerdings war beim üblicherweise ausverkauften Konzert der Wiener Symphoniker die Zuschauerzahl auf zwei Mal 500 beschränkt, gab er zu bedenken.

Die Meisterkonzerte hatten in der vergangenen Saison 1128 Abonnenten. Der Großteil davon, nämlich 842, kamen aus Österreich, 255 aus Deutschland, 22 aus der Schweiz und 9 aus Liechtenstein. Das Gesamtbudget für die kommende Saison bezifferte der Kulturstadtrat mit 570.000 Euro. Nach Abzug von Ticketerlös, Landesförderung und Sponsorengeldern bleibe voraussichtlich ein Abgang von rund 100.000 Euro, der von der Stadt finanziert wird.
Weitere Informationen unter: www.bregenzermeisterkonzerte.at