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Was die „Alarmstufe“ für das Land heißt

23.06.2022 • 21:32 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Landesrat Daniel Zadra: „Versorgung derzeit gesichert.“ <span class="copyright">Hartinger</span>
Landesrat Daniel Zadra: „Versorgung derzeit gesichert.“ Hartinger

Energielandesrat Daniel Zadra (Grüne) zur Versorgungssicherheit nach dem Ausruf der Gas-Alarmstufe in Deutschland.

Deutschland hat die Gas-Alarmstufe (die zweite von drei Stufen) ausgerufen. Die Lage sei sehr ernst, meinte der deutsche Wirtschaftsminister Ernst Habeck. Vorarlberg hängt am deutschen Gasnetz. Was bedeutet die Alarmstufe für Vorarl­berg?
Daniel Zadra: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Versorgungssicherheit gegeben. Das heißt aber nicht, dass sich nicht jederzeit etwas ändern kann. Die Situation wird sowohl auf österreichischer als auch auf deutscher Seite genau beobachtet, damit wir rasch reagieren können, sollte die nächste Eskalationsstufe eintreten. Derzeit ist es so, dass die benötigten Gasmengen geliefert werden und wir sogar noch Speicherkapazitäten aufbauen können. Wir haben aktuell einen Speicherstand von 42 Prozent. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir nur einen begrenzten Speicherfaktor haben werden, wenn der Gashahn komplett zugeht.

Das Land hat sich kürzlich 500 Gigawattstunden Speicherplatz im Gasspeicher in Haidach in Salzburg gesichert. Wie viel Gas steht dort aktuell zur Verfügung?
Zadra: Die Reserve wird kontinuierlich aufgebaut. Wir stehen derzeit bei deutlich über 100 Gigawattstunden.

Wie lange kann damit der Gasverbrauch in Vorarlberg gedeckt werden?
Zadra: 500 Gigawattstunden decken etwa ein Viertel unseres Jahresverbrauchs. Allerdings schwankt der Gasverbrauch deutlich. Wir haben eine andere Situation als in Deutschland, wo das Gas hauptsächlich zur Stromerzeugung benötigt wird. Bei uns dient das Gas hauptsächlich zur Wärmeerzeugung. Das heißt, wir haben im Winter einen höheren Verbrauch. Deshalb werden wir im Herbst verstärkt auf Energiesparpotenziale hinweisen. Zwei Grad weniger Heizungswärme kann hier schon einen großen Beitrag leisten, das darf man nicht unterschätzen.

Wie sicher ist die Durchleitung in einer Notsituation: Landeshauptmann Markus Wallner hat kürzlich mitgeteilt, dass Verhandlungen über eine entsprechende Vereinbarung laufen. Wie weit sind diese Verhandlungen gediehen?
Zadra: Hier gibt es auf höchstrangiger diplomatischer Ebene Kontakt zwischen Ministerin Gewessler und ihrem deutschen Kollegen Habeck. Defacto ist es so, dass sowohl die E-Control als auch die Bundesnetzagentur den Auftrag bekommen haben, die Sicherstellung der Versorgung Tirols und Vorarlbergs in die entsprechende Regelung im Ressortübereinkommen einfließen zu lassen.

Was tut das Land für den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen?
Zadra: Im Bereich Photovoltaik hatten wir 2021 ein Rekordjahr. Es wurden 30 Megawatt an Photovoltaik-Leistung zugebaut. Das ist sensationell. Eigentlich hätten wir diesen Wert erst im Jahr 2030 erwartet. Das zeigt, was die PV-Installateure bereit sind, zu leisten. Natürlich ist es sehr wichtig, dass auch der kleine Häuslbauer eine PV-Anlage aufs Dach stellt, aber es sind vor allem die großen Anlagen, die uns in der Leistung einen Schritt weiterbringen. Deshalb geht hier mein Appell an Industrie- und Gewerbebetriebe, jetzt in PV-Anlagen zu investieren. Dass sich die Investition binnen weniger Jahre amortisiert haben wird, muss ich hier keinem Unternehmer erklären.

Allerdings geht die Schere zwischen der Nachfrage nach PV-Anlagen auf der einen Seite und der Verfügbarkeit von Handwerkern auf der anderen Seite auf. Wer soll die ganzen Anlagen bauen und aufs Dach bringen?
Zadra: Fachkräfte- bzw. Arbeitskräftemangel ist natürlich auch in dieser Branche ein Problem. Darum müssen wir jenen Kräften, die im Land sind, einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen. Da müssen wir einfach schneller werden.

Wann wird sich die erste Windkraftanlage in Vorarlberg drehen bzw. wird es überhaupt jemals eine geben?
Zadra: Mein Ziel ist, dass wir Windkraft in Vorarlberg nützen. Es gibt einige wenige Standorte, wo Windkraft wirklich Sinn macht. Auf dem Pfänderrücken, im Laternsertal und auf der Bielerhöhe. Das wurde gut untersucht. Natürlich ist mir bewusst, dass es im Landschafts- und Naturschutz Ressentiments gegenüber der Windenergie gibt. Da muss man in einen offenen Dialog gehen. Was in der Vergangenheit passiert ist, darf allerdings nicht sein. Da sind Leute, die so etwas realisieren wollten, im Kreis geschickt worden. Ich möchte ein konzentriertes Verfahren, in dem man sich alle Aspekte anschaut. Das Land hat jedenfalls die Möglichkeit, Eignungszonen zu widmen. Ministerin Gewessler hat nun vorgeschlagen, dass Projekte künftig auch ohne Widmung mit der UVP starten können sollen. Diesen Vorstoß unterstütze ich.

Erlauben Sie uns zum Schluss eine persönliche Frage. Wie heizen Sie zuhause?
Zadra: Ich habe am kommenden Montag einen Termin bei der Kelag in Lustenau für einen Anschluss an das geplante Biomasse-Netz, für das ich mich sehr eingesetzt habe. Ich bin im vergangenen Jahr in mein Elternhaus gezogen, ein 30 Jahre altes Gebäude mit Gastherme. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich das Gas raushauen kann.