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„Wir haben die besseren Fans als Altach“

23.06.2022 • 23:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Austria-Fans stehen hinter ihrer Elf. <span class="copyright">Gepa/Lerch</span>
Die Austria-Fans stehen hinter ihrer Elf. Gepa/Lerch

Auf Neuzugänge muss Austria Lustenau noch warten, Kampfansagen gibt es trotzdem.

Es ist die angenehm kühle Höhenluft, in der sich der gesamte Tross von Austria Lustenau derzeit wohlfühlt. Auf Einladung von Gönner und Edelfan Clemens Walch verbringen die Grün-Weißen bereits seit Jahren einige Tage der Sommervorbereitung im Nobelskiort Lech am Arlberg. In der sportlichen „Höhenluft“ der Bundesliga wollen sich die Lustenauer ähnlich schnell akklimatisieren wie beim Teambuilding-Trainingslager.
Dazu braucht es allerdings noch einiges an Vorbereitung. Im Training läuft laut Trainer Markus Mader alles nach Plan, 18 Mann sind nach Lech gereist, am Samstag soll bei einem nicht-öffentlichen Testspiel gegen Wil dem Team im Vergleich zur Partie gegen Dornbirn am vergangenen Wochenende ein deutlicher Schritt nach vorne gelingen. „Die Chancenauswertung muss viel besser werden. In der Bundesliga werden wir nicht so viele Möglichkeiten bekommen. Und bei den Gegentoren haben wir uns sehr naiv angestellt. Das haben wir dank des Videos analysiert und angesprochen“, sagt Mader. Mit dem Programm und den Bedingungen in Lech zeigte sich der 54-Jährige sehr zufrieden.

Trainer Markus Mader beim Pressegespräch in Lech. <span class="copyright">Verein/Schwärzler</span>
Trainer Markus Mader beim Pressegespräch in Lech. Verein/Schwärzler

Einer, der gepasst hätte

Um in der Bundesliga erfolgreich mitzuspielen, braucht es jedoch noch personelle Verstärkung. Das wissen sowohl Mader als auch Sportkoordinator Alexander Schneider. Diese zu bekommen, wird jedoch zu einer noch größeren Herausforderung, als es vielleicht im Vorfeld zu vermuten war. Auch Zweitligateams wie der GAK würden Summen aufrufen, die von der Austria nur schwer zu stemmen seien. Der Fokus liegt deshalb auf jungen Akteuren, welche nicht zum Geldverdienen, sondern aufgrund der Perspektive nach Lustenau kommen sollen. Doch auch hier ist der Markt – speziell bei österreichischen Talenten – hart umkämpft. Zuletzt hätte der WAC U19-Teamspieler Ervin Omic von Juventus Turin (Jugend) verpflichtet werden sollen. Er wäre einer gewesen, der den Lustenauern geschmeckt hätte.

U-Nationalspieler wechselt zum WAC.<span class="copyright"> VEREIN/SCHWÄRZLER</span>
U-Nationalspieler wechselt zum WAC. VEREIN/SCHWÄRZLER

Philosophie bleibt

Noch schwieriger gestaltet sich die Situation bei bundesligaerfahrenen Akteuren mit einem österreichischen Pass. „Ein Lukas Jäger wäre für uns zum Beispiel nicht finanzierbar gewesen. Und er hätte auch nicht ins Beuteschema gepasst. Wir wollen junge Spieler, die den nächsten Karriereschritt machen wollen. Das ist nicht die gleiche Schiene, die Altach fährt“, konstatierte Mader.
Die Entscheidung, auf den Österreicher-Topf zu verzichten oder nicht, sei jedoch – im Gegensatz zu einigen Medienberichten – noch nicht gefallen. Am Ende werde es eine rein wirtschaftliche Entscheidung sein, betonte Alexander Schneider. Die Vorarlberger Verwurzelung des Klubs würde sich dank Spielern wie Pius Grabher oder aufstrebenden Akteuren wie Jan Stefanon ohnehin nicht verändern. Vom Kooperationsverein Clermont werden wohl wieder mindestens drei Leihspieler zumindest eine Saison in Lustenau verbringen, auch weitere Leihgeschäfte mit anderen Vereinen erscheinen aufgrund des engen budgetären Rahmens wahrscheinlich. Bis zum Test gegen St. Gallen am 2. Juli sollen erste Neuzugänge in Lustenau eintreffen.

Sportkoordinator Alexander Schneider (l.) mit Kapitän Matthias Maak. <span class="copyright">VEREIN/SCHWÄRZLER</span>
Sportkoordinator Alexander Schneider (l.) mit Kapitän Matthias Maak. VEREIN/SCHWÄRZLER

Aufsteiger gegen Azubi

Der Verweis auf den Jäger-Transfer blieb bei der Pressekonferenz in Lech nicht der einzige Seitenhieb auf die Konkurrenz aus Altach, die zuletzt durch die Verpflichtung von Miroslav Klose eine große Öffentlichkeit genossen hatte. „Wir haben einen Trainer, der aufgestiegen ist. Miroslav Klose ist als Trainer noch nicht aufgestiegen. […] Natürlich ist er als Trainer und Persönlichkeit eine Bereicherung für die österreichische Bundesliga. Auf uns hat diese Verpflichtung aber keine Auswirkungen“, feuerte Schneider eine kleine Spitze in Richtung jener Kommentatoren, die das erste Derby im August bereits zum Duell des WM-Torjägers Klose gegen den Regionalliga-Bomber Mader erklärt hatten.
Und auch wenn die südlichen Nachbarn über ein höheres Budget verfügen, in einem Punkt sieht der Deutsche seinen Verein im Kampf um die Vorarlberger Vorherrschaft im Vorteil. „Wir haben die besseren Fans als Altach“, ist sich Schneider sicher.

Impressionen aus dem Trainingslager in Lech. <br><span class="copyright">VEREIN/SCHWÄRZLER</span>
Impressionen aus dem Trainingslager in Lech.
VEREIN/SCHWÄRZLER


Das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten am fünften Spieltag wird einen ersten Aufschluss über die Stärken und Schwächen der beiden Vorarlberger Bundesligisten liefern. Und da das Transferfenster noch bis Ende August offen ist, könnte man im Anschluss an dieses Duell nochmals reagieren. Die Entscheidung über eine erfolgreiche Saison fällt – die Punkteteilung fungiert bekanntlich als Verstärker – ohnehin erst im Frühjahr.