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Wohin die Vorarlberger diesen Sommer verreisen

24.06.2022 • 19:17 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Sonne, Mehr und Strand: Das wollen heuer viele Vorarlberger erleben. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Sonne, Mehr und Strand: Das wollen heuer viele Vorarlberger erleben. Shutterstock

Nach zwei Jahren Pandemie ist die Reiselust der Vorarlberger sehr groß.

Sommer, Sonne, Strand und Meer. Nach zwei Jahren Pandemie wollen viele Menschen in Vorarlberg genau das und verreisen in südliche Gefilde. Angesagt sind vor allem Italien, Spanien, Griechenland, Türkei oder Ägypten. Die Ziele in Asien werden hingegen noch nicht so angesteuert wie vor der Pandemie. Zum einen sind sie klassische Winterdestinationen, zum anderen ist manchen der Aufwand wegen der dort noch notwendigen Corona-Registrierungen zu hoch. Wie sehr die Reisebranche von aktuellen Entwicklungen betroffen sein kann, zeigt sich daran, dass Urlaube in Russland und im Balkan kaum nachgefragt werden.
In den Reisebüros herrscht Betriebsamkeit wie selten. Nicht nur, weil viele Menschen buchen, sondern auch weil die Streichung von Flügen und mehr Beratung arbeitsintensiv sind. Die Buchungslage für den Sommer ist sehr gut, wenngleich sie noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht hat.

Urlaub um 399 Euro vorbei

“Hervorragend.” So antwortet Patrick Moosmann von 5 vor 12 Reisen auf die Frage, wie die Buchungslage für diesen Sommer sei. Am meisten werden in seinem Reisebüro Spanien, Griechenland, Türkei und Ägypten sowie Kreuzfahrten nachgefragt. Die Teuerung spürt er; und zwar darin, dass eher qualitativ hochwertige Hotels gebucht werden. Denn: „Wenn es eh schon teuer ist, ist dieser Aufpreis auch schon egal.“ Doch auch in die andere Richtung, bei einfacheren Kategorien, ist die Teuerung zu bemerken: „Der Urlaub um 399 Euro ist vorbei. Er ist für die Menschen, die diesen früher machten, nicht mehr leistbar.“
Die Probleme, die es zurzeit auf Flughäfen gibt, führen das Reisebüro an den Rand der Belastbarkeit: Umbuchungen und Verschiebungen bedeuten einen hohen Mehraufwand, der fast nicht mehr bewältigbar sei. Und so spricht Patrick Moosmann trotz der hervorragenden Buchungslage von keiner leichten Saison. Nicht zu vergessen: 2022 brachte in den ersten Monaten die Omikronwelle mit, die einerseits zu Verunsicherungen bezüglich Reisen und andererseits zu Ausfällen bei den Mitarbeitenden führten.
Abschließend rät Patrick Moosmann kurzentschlossenen Reisehungrigen: „Wer einen Urlaub für Juli und August buchen will, soll direkt ins Reisebüro kommen. Wir erhalten zurzeit täglich fast 100 E-Mails mit Anfragen für Angebote, das können wir nicht bearbeiten.“

Patrick Moosmann von 5 vor 12 Reisen.<span class="copyright"> Bandi Köck</span>
Patrick Moosmann von 5 vor 12 Reisen. Bandi Köck

Umstieg auf den Bus

Auch bei Weiss Reisen ist zu spüren, dass die Menschen Nachholbedarf in Punkto Urlaub haben. „Die Menschen sind reisefreudig. Der Sommer ist gut gebucht“, sagt Annelies Weiss. Dabei zieht es die Reisenden vor allem ans Meer im Süden. Aber auch England und Frankreich sind gefragt: Sie sind Ersatz für Russland, Polen oder den Balkan. Dorthin möchte momentan fast niemand reisen.
Die Buchungslage sei ungefähr so wie 2019, Badeferien würden heuer im selben Umfang gebucht. Doch habe es Verschiebungen gegeben: Während Rundreisen in Asien kaum nachgefragt werden, seien Kurzreisen sehr populär.
Weiss Reisen vermittelt Flug­reisen, führt aber auch Busreisen durch. „Weil es bei den Flügen momentan Probleme geben kann, steigen manche Menschen auf den Bus um“, berichtet Annelies Weiss aus ihrem Reisebüro.
Die Reisefachfrau rät den Reiselustigen, früh zu buchen und nicht den letzten Augenblick abzuwarten. „Manche warten wegen Corona oder wegen des Wetters. Teilweise sind die Ferientermine aber schon ausgebucht.“ Wer befürchte, wegen Corona kurzfristig auszufallen, solle eine Versicherung abschließen, dadurch sei man gut geschützt. Ab Mitte Juli gibt es dann wieder gute Buchungsmöglichkeiten, teilt Annelies Weiss mit.

Annelies Weiss von Weiss Reisen. <span class="copyright">Weiss Reisen</span>
Annelies Weiss von Weiss Reisen. Weiss Reisen

Möglichst früh buchen

Christian Urban spricht davon, dass die Buchungslage bei Nachbaur Reisen für den Sommer „sehr, sehr gut“ ist. Äußerst beliebt sei momentan Griechenland, aber auch Spanien, Ägypten und die Türkei würden häufig angesteuert. Bei Fernreisen seien die Kunden noch ein bisschen zaghaft, doch ab September sei Mauritius wieder im Rennen genauso wie die Malediven oder Tansania. In diesen Ländern müssen sich Reisende wegen der Pandemie registrieren. Reiseprofi Chris­tian Urban rät zudem, die Infos des Außenministeriums zu diesen Fernreisedestinationen im Blick zu behalten.
Noch sei die Buchungslage nicht wie 2019, da einige Ziele fehlen: „Bei Thailand und Bali sind die Menschen noch zaghaft.“ Grund dafür seien die recht aufwendigen Registrierungen für diese Länder.
Von der Streichung von Flügen seien Kunden von Nachbaur Reisen bisher kaum betroffen gewesen, berichtet Christian Urban weiters. Das Reisebüro biete in solch einem Fall Alternativen an. Das führt natürlich zu Mehrarbeit. „Überhaupt ist die Arbeit aufwendiger geworden, da wir wegen der Pandemie mehr informieren und beraten“, sagt Christian Urban. Abschließend hat er noch einen Tipp für größere Familien: „Last Minute wird für sie eher schwierig. Sie sollten möglichst früh buchen.“

Christian Urban von Nachbaur Reisen. <span class="copyright">privat</span>
Christian Urban von Nachbaur Reisen. privat

Aktiv-Urlaub sehr beliebt

Das Bedürfnis der Menschen zu reisen, ist sehr, sehr groß. Sie wollen nachholen, was sie in den vergangenen zwei Jahren verpasst haben. Auch Vereine und Firmen machen nun die Ausflüge, die wegen der Pandemie ausgefallen sind“, berichtet Sabrina Greber von NKG Reisen in Dornbirn, das Busreisen anbietet. Da niemand weiß, was der Herbst pandemiemäßig bringt, würden die Menschen in den nächsten zwei, drei Monaten reisen wollen. Die Buchungslage sei dementsprechend sehr gut, das Arbeitspensum der Mitarbeitenden sehr hoch. Ob die Probleme an Flughäfen und in den Zügen zu einer vermehrten Nachfrage für Busreisen führen, kann Sabrina Greber noch nicht beurteilen. Sie vermutet den Grund für den starken Andrang eher in dem großen Bedürfnis, wieder zu reisen.
Die Kunden ihres Reisebüros machen sich vor allem auf nach Sardinien, Korsika, in die Normandie, nach Dänemark und Griechenland. Dort verbringen sie eine Radreise. „Aktiv-Urlaube sind zurzeit sehr beliebt.“ In Österreich urlaube man heuer eher nicht, da man das in den vergangenen zwei Jahren tat. Heuer ruft das Meer.
Die Buchungslage für 2022 liege momentan auf dem Niveau von 2019. Über das ganze Jahr hinweg gesehen, sei es aber noch nicht klar, ob das Vorkrisenniveau erreicht werde, da Anfang 2022 noch viele Menschen verunsichert waren und der Herbst, was die Pandemie betrifft, auch noch unsicher ist.

Sabrina Greber von NKG Reisen. <span class="copyright">NKG Reisen</span>
Sabrina Greber von NKG Reisen. NKG Reisen