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Geplante Kiesgrube muss verkleinert werden

25.06.2022 • 18:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Agrar-Obmann Robert Ess (l.) und Alexander Stroppa, Geschäftsführer bei Hilti &amp; Jehle. <span class="copyright">Neue</span>
Agrar-Obmann Robert Ess (l.) und Alexander Stroppa, Geschäftsführer bei Hilti & Jehle. Neue

Herber Rückschlag für Projektwerber Hilti & Jehle und Agrargemeinschaft Altenstadt.

Weil Kies knapp wird im bauboomenden Vorarlberg, hat die schwarz-grüne Landesregierung im Jahr 2018 in Aussicht gestellt, dass unter gewissen Umständen wieder im Grundwasser gebaggert werden darf. Seit damals schmieden die Agrargemeinschaft Altgemeinde Altenstadt als Grundbesitzerin und das Bauunternehmen Hilti & Jehle entsprechende Pläne. So soll bei den Paspels-Seen in Feldkirch auf einer Fläche von 40 Hektar, das entspricht etwa 50 Fußballfeldern, etappenweise rund 7,5 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut und anschließend mit acht Millionen Kubikmeter Aushubmaterial wiederverfüllt werden. Vor nicht ganz einem Jahr reichten die Projektwerber ihr Vorhaben beim Land ein und beantragten die Durchführung eines freiwilligen UVP-Vorverfahrens. Nach den Rückmeldungen der Amtssachverständigen steht nun fest: Das groß angelegte Projekt muss massiv verkleinert werden, konkret bleiben nur noch drei Hektar übrig.

Ausschlaggebend dafür sind die privaten Hausbrunnen in der Nachbargemeinde Meiningen. Die Ortschaft ist die einzige Kommune Vorarlbergs, die über keine zentrale Wasserversorgung verfügt, sondern über Hausbrunnen versorgt wird. Diese gelte es bestmöglich vor Verunreinigungen zu schützen, sagt Thomas Blank, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft. „Das Wasser muss in diesem Gebiet deshalb 180 Tage im Untergrund verweilen, bis es als Trinkwasser genutzt werden darf.“ Blank räumt allerdings ein, dass diese Richtlinie nur für Schutz- und Schongebiete gelte. In diesem Fall müsse jedoch trotzdem sichergestellt sein, dass die 180-Tage-Zone eingehalten werde. Aufgrund der Nähe des Abbaugebietes zu den Hausbrunnen kann dies jedoch nicht gewährleistet werden.

Überrascht

Alexander Stroppa, Geschäftsführer bei Hilti & Jehle, und Agrar-Obmann Robert Ess haben naturgemäß wenig Freude mit der Entscheidung. Die 180-Tage-Regel habe sie „überrascht“. Stroppa spricht von einem „Killerkriterium“, Ess beklagt, dass die jahrelangen Planungen quasi umsonst gewesen seien. Eine juristische Auseinandersetzung schließen die beiden Projektwerber aus. „Wir wollen keinen Konflikt, außerdem benötigen wir den Kies möglichst bald“, sagt Stroppa.
Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum das Mega-Projekt nun deutlich schrumpfen wird. Die zuständige Behörde bewilligt nämlich bis auf Weiteres prinzipiell keine Wiederverfüllung im Grundwasser. Das heißt, es bleibt nach dem Abbau eine offene Wasserfläche – und diese darf laut Blank maximal drei Hektar betragen.

Der Grund dafür, dass derzeit nicht einmal speziell gereinigter Bodenaushub im Grundwasser deponiert werden darf, sind sogenannte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS genannt. Die menschengemachten Chemikalien sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und werden in Verbraucherprodukten wie Pfannen, Outdoor-Kleidung, Backpapier oder Skiwachs verarbeitet. Die Stoffe sind schwer abbaubar und können gesundheitsschädigend sein. Zwar hat die EU neue Trinkwassergrenzwerte festgelegt, allerdings sind diese auf nationaler Ebene noch nicht umgesetzt. „Solange das nicht geschehen ist, können wir keine Wiederverfüllungen genehmigen“, erläutert Blank.

Untersuchungen

Hilti & Jehle und die Agrar Altenstadt planen das Projekt nun entsprechend um. Laut Stroppa laufen derzeit unter anderem noch Untersuchungen der Grundwasserströme. Sobald die Expertisen vorliegen, soll das neue Projekt offiziell eingereicht werden. „Ich denke, dass wir nach dem Sommer so weit sein werden.“ Der Geschäftsführer rechnet damit, dass rund 500.000 Kubikmeter Kies gewonnen werden (ursprünglich waren es 7,5 Millionen Kubikmeter).
In der Hausbrunnen-Gemeinde Meiningen wird die Neuigkeit mit Freude aufgenommen. „Das sind gute Nachrichten“, sagte Bürgermeister Thomas Pinter auf NEUE-Anfrage. Man behalte allerdings auch die künftigen Pläne und mögliche Auswirkungen auf die Gemeinde genau im Auge.

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