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Täglich gelebte Partizipation

25.06.2022 • 18:22 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Die Kinder im Kindergarten St. Gebhard können sich zu gewissen Zeiten frei in verschiedenen Lernwerkstätten bewegen.

Das Gebäude des Kindergartens St. Gebhard besticht durch eine moderne Außenfassade aus Sichtbeton, Holz und Glas. Die Materialien finden sich auch in den Innenräumen des Bauwerks wieder. Alles wirkt sehr lichtdurchflutet, offen und hell. Die zahlreichen Fenster – sowohl innen als auch außen – sorgen für ausreichendes Tageslicht. „Natur und Garten liegen immer direkt vor Augen“, erklärt die Sprachförderkraft des Hauses, Susanne Jäger. „Anfangs hatten wir die Befürchtung, dass die Kinder dadurch abgelenkt sind, aber das ist nicht der Fall. Wenn man als Gruppe für sich sein will, hat man immer noch die Möglichkeit, den Vorhang zuzuziehen.“

<span class="copyright">Udo Mittelberger</span>Das Gebäude des Kindergartens St. Gebhard.
Udo MittelbergerDas Gebäude des Kindergartens St. Gebhard.

Teiloffenes Prinzip

Vor mittlerweile knapp zwei Jahren wurde das neue Gebäude des Kindergartens St. Gebhard eröffnet. Die Einrichtung arbeitet nach dem teiloffenen Prinzip. Das heißt, dass die Kinder sich während bestimmter Zeitabschnitte von Montag bis Donnerstag in den unterschiedlichen Lernwerkstätten des Hauses frei bewegen können. Gleichzeitig sind sie weiterhin Teil einer festen Stammgruppe, die ihnen Sicherheit gibt. Freitags verbringen sie ihren Tag dort. Das neue Modell komme bei den Kindern super an, erklärt man im Kindergarten. Die Kleinen seien gerne unterwegs. Ein Ziel des Konzepts ist es, dass die Kids auch Spielgenossen außerhalb ihrer Stammgruppe kennenlernen und ihren Spielort selbst wählen können.

So dürfen sie sich etwa zwischen den verschiedenen Arbeitsräumen wie der Konstruktions-, Natur-, Kreativ- und Sinneswerkstatt sowie dem Musik- oder Ruheraum entscheiden. Auf Partizipation legt man im Kindergarten besonders viel Wert. Nachmittags verbringen die Kleinsten bei gutem Wetter zudem viel Zeit draußen im anliegenden Garten, wo es so ziemlich jede Gerätschaft gibt, die man sich vorstellen kann: Angefangen bei Slackline, Rutsche, Schaukel und Hängematte bis hin zum Klettergerüst sowie einer Sand- und Holzbaustelle ist alles vorhanden.

Christina Guter leitet eine Kleingruppe am Kindergarten St. Gebhard. <span class="copyright">HARTINGER</span>
Christina Guter leitet eine Kleingruppe am Kindergarten St. Gebhard. HARTINGER

Gruppenformen

Alle Gruppen sind altersdurchmischt und haben mit rot, grün, gelb, lila, orange oder blau ihre eigene Erkennungsfarbe. Zwei der Gruppen sind Kleingruppen, in denen auch Kinder mit Beeinträchtigungen ihren Platz finden. „Gemischte Gruppen sind eine Bereicherung für alle, denn die Kinder wachsen in ihrer Rolle als Vorbilder“, betont Christina Guter, die selbst eine der beiden Kleingruppen leitet. Mittlerweile gebe es solche Gruppen an fast jedem Kindergarten. Den Kindergarten St. Gebhard besuchen aktuell drei Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Zudem haben 77 der 124 Kinder mit sprachlichen Barrieren zu kämpfen.

Susanne Jäger arbeitet seit Herbst 2021 als Sprachförderkraft im Haus. Zuvor war sie bereits für mehrere Jahre selbst Leiterin einer Einrichtung und bringt zusätzliche Erfahrung als Pädagogin mit. Bereits seit über 30 Jahren ist sie im Berufsfeld tätig: „Besonders schön für mich ist, dass Kinder bei mir im Kindergarten sind, von denen ich die Eltern schon betreut habe.“
Bei ihrer aktuellen Aufgabe legt sie besonders viel Wert auf die alltagsintegrierte Sprachförderung unter Einsatz von Sinneserfahrungen. Dabei arbeitet sie in Kleingruppen von drei bis fünf Kindern. Gemeinsam mit den anderen Sprachförderkräften der Stadt Bregenz hat sie etwa die „Plaudertasche“ ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um ein Set an Sprachförderspielen und Büchern, die eigens von den Pädagogen zusammengestellt wurden.

Susanne Jäger ist die alltagsintigrierte Sprachförderung besonders wichtig. <span class="copyright">Hartinger</span>
Susanne Jäger ist die alltagsintigrierte Sprachförderung besonders wichtig. Hartinger

Klischees durchbrechen

Die 54-Jährige will vor allem mit einem Klischee aufräumen: „Bei unserem Job meinen die Leute oft, dass wir eh den ganzen Tag nur spielen. Dass es auch einen administrativen und organisatorischen Aufwand gibt, sehen viele nicht.“ Kinderbeobachtung, Vorbereitung mit Zielsetzung, genauso wie die Nachbereitung sind beispielsweise ebenso Dinge, die zum Beruf der Elementarpädagogen zählen. Alles muss dokumentiert werden. Die Liste der verschiedenen Arbeiten ist lang.


„Es gibt nicht zu jedem Thema, das wir behandeln, das passende Spielmaterial zu kaufen, dann machen wir Spiele wie etwa ein Memory einfach selbst. Das kostet natürlich Zeit“, erklärt Christina Guter. Im Laufe der Jahre habe man so ein Repertoire an Spielen allerdings zur Verfügung. Zudem könnten Arbeitskollegen mit längerer Berufserfahrung auch oft weiterhelfen. Die 27-Jährige hat ihre Ausbildung mittlerweile vor knapp zwei Jahren beendet. Seither arbeitet sie im Kindergarten St. Gebhard.

Ein Miteinander

Ein besonderes Anliegen ist den beiden Pädagoginnen auch die hauseigene Bücherei, in der auch viele mehrsprachige Bücher zugänglich sind. Das Sortiment an Büchern wird laufend den Jahreszeiten und Themen angepasst. Es sei wichtig, dass die Eltern auch zu Hause mit den Kindern Bücher durchschauen, sich Zeit nehmen, Interesse an der deutschen Sprache zeigen und das Handy auch mal zur Seite legen.

Die 54-Jährige stellt dahingehend zudem noch klar: „Manche Eltern denken, die Kinder lernen im Kindergarten eh Deutsch. Das stimmt so nicht. Ja, wir können die Kinder ein Stück auf ihrem Weg begleiten, aber allein schaffen wir das nicht. Wir sind auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Es ist ein Miteinander.“