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Es gibt immer nur ein Happy End – irgendwie

26.06.2022 • 17:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Neue </span>Kopfkino von Heidi Salmhofer
Neue Kopfkino von Heidi Salmhofer

Heidi Salmhofer mit Ihrer Sonntags-Kolumne in der NEUE am Sonntag.

Es ist erstaunlich, wie kleine Dinge sinnbildlich für die gesamte Lebensgestaltung sein können. Ich bin derzeit gerade in einer Produktion und darf – juhuu – auf der Bühne stehen. Wie so vieles in unserem Dasein, hängt ein Theater und eine Aufführung, die den Menschen Freude bereiten soll, davon ab, wie gut man als Team zusammenarbeitet. Und ich muss hier gleich vorweg sagen, wir sind grandios. Keiner nimmt sich zu wichtig, jeder packt an. Das ist dann besonders wichtig, wenn man – also in diesem speziellen Falle ich – von einer Szene auf die andere ziemlich schnell die einen Klamotten loswerden und die anderen anziehen soll. Das hat mannigfaltige Gründe, einerseits um den Fluss der Szenerie nicht zu unterbrechen, andererseits um seinen Spielpartner, der schon auf der Bühne steht, nicht in die Verlegenheit einer etwas zu langen, stillen Pause zu bringen und natürlich auch den, dass ich im richtigen Kostüm am richtigen Ort erscheine. Für so schnelle Umzüge braucht man Helfer, ohne geht es nicht. Da steht dann jemand mit einem Rock in der Hand, eine andere hält mir das Hemd parat und eine dritte schnürt schon das Korsett, während ich noch aus meinem ersten Kleid heraushüpfe. Und tataaa, somit sollte ich wieder gestriegelt und schick auf die Bühne stolzieren. Genau das hat einmal nicht geklappt. Eine meiner Helferlein war am Handy. Hat die Zeit übersehen, der Rock war nicht gerichtet und noch in zerknülltem Zustand. Das bedeutet Stress. Stress erzeugt Fehler. Damit war mein Hemd zum Überziehen plötzlich verkehrtherum, das Korsett ging nicht zu. Auf die letzte Staffage verzichtete ich dann, da mein Spielpartner auf der Bühne schon verzweifelt überlegt hat, ob er jetzt ein Lied anstimmen soll, weil ich nicht aufgetaucht bin. Ich war sauer. Das Leben auf der Bühne sagt dir aber, nimm niemals Fehler mit auf die Bretter, die die Welt bedeuten, lass‘ sie gehen und bleibe im Jetzt. Sonst passieren nämlich weitere. Schon alleine diese Weisheit könnte man eins zu eins mit hinüber nehmen in das reale Leben. Nach der Szene war ich kurzfristig wirklich grantig. Wie kann man nur am Telefon sitzen und so unkonzentriert sein. Das Handy wurde aber deshalb aktiviert, weil ein großes familiäres Problem versucht wurde zu lösen, welches nicht aufgeschoben werden konnte. Das ist die andere Seite. Ergo: Bevor man auf jemanden sauer wird, zuerst ein paar Worte wechseln. Fehler passieren. So ist das halt im Leben. Und: Schlussendlich ist nämlich die Welt nicht untergegangen. Das Liebespaar hat sich geküsst und das Happy End war – wie immer – perfekt.

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.