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ORF verärgert die Veranstaltungsbranche

27.06.2022 • 20:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Absage der für September geplanten 50-Jahr-Feier sorgt für Rätselraten.

Das ORF Landesstudio Vorarlberg hat in den vergangenen Tagen eine regelrechte Schockwelle in die Vorarlberger Veranstaltungs- und Cateringbranche gesendet.

Denn der öffentlich-rechtliche Sender hat am 24. Juni 2022 via Email darüber informiert, dass die für 3. September 2022 geplante 50-Jahr-Feier des ORF Vorarlberg aufgrund möglicherweise steigender Covid-Fallzahlen abgesagt werden muss. Die Feier hätte unter anderem aus einem Gala-Event und einem Tag der Offenen Tür mit tausenden Besuchern bestanden.

Kein Kommentar

In dem der wpa vorliegenden Schreiben heißt es: „Nachdem verschiedene Expertinnen und Experten neuerliche Corona-Wellen im Juli oder August 2022 von bis zu 30.000 Neuinfektionen pro Tag allein in Österreich prognostizieren, haben wir im ‚50-Jahre-Organisationsteam‘, mit ORF Konzernsicherheit und Landessanitätsdirektion beschlossen, die Veranstaltung nicht durchzuführen. Als öffentlich-rechtlicher Broadcaster haben wir unserem Publikum gegenüber verantwortungsvoll zu agieren.“ ORF-Landesdirektor Markus Klement wollte das Schreiben und die Hintergründe auf wpa-Anfrage nicht weiter kommentieren.

Von ORF-Landesdirektor Markus Klement gab es keinen Kommentar. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Von ORF-Landesdirektor Markus Klement gab es keinen Kommentar. Stiplovsek

Beim Land Vorarlberg heißt es auf wpa-Nachfrage, dass es keine wie immer geartete offizielle Anfrage des ORF Vorarlberg und folglich auch keine offizielle Rückmeldung der Landessanitätsdirektion in dieser Angelegenheit gegeben habe. Folglich gebe es auch keine Empfehlung, die Veranstaltung abzusagen. So ein Thema wäre ohnehin in die Zuständigkeit der Bezirkshauptmannschaft gefallen.
In Vorarlbergs Veranstaltungs- und Cateringbranche, die eine Hochschaubahn der Gefühle hinter sich hat, ist man mehr als nur erzürnt. Harald Otti von MO Catering erklärte auf wpa-Anfrage, dass man diese wiederholte Panikmache von einzelnen Akteuren hierzulande mehr als nur satt habe. Die Branche kämpfe sich mühsam zu vergleichsweise normalen Geschäftsabläufen zurück und dann sage der ORF Vorarlberg mehr als zwei Monate im Vorhinein eine Großveranstaltung ab, nur weil „irgendjemand irgendwelche Prognosen“ aufstelle. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mache sich offenbar keinerlei Gedanken darüber, was solche Aktionen mit der Motivation der Belegschaft und den Unternehmen in der Veranstaltungsbranche machen, so Otti.

Breite Kreise

Jedenfalls bemerke er bereits eine bestimmte Zurückhaltung bei Veranstaltungsbuchungen für den Herbst, da die Information des ORF Vorarlberg schon breite Kreise ziehe. Der Gründer von MO Catering hoffe jedenfalls nicht, dass man beim ORF irgendwelche Informationen über bevorstehende Covid-Maßnahmen im Herbst habe, die anderen Veranstaltern bislang vorenthalten wurden.

Harald Otti von MO Catering. <span class="copyright">Ritter</span>
Harald Otti von MO Catering. Ritter

Der seit rund 20 Jahren tätige Caterer Mike Häfele sagte, dass dies ein „völlig falsches Signal“ an die Unternehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Veranstaltungsbranche sei. „Vor allem die Belegschaft braucht Planungssicherheit in Bezug auf ihre Einkommenssituation.“ Häfele meinte darüber hinaus, dass die Situation zunehmend demotivierend auf ihn wirke. „Wenn dieses Auf-Zu-Auf-Zu wieder losgeht, dann muss ich mir überlegen, das Geschäft einzustellen.“

Personalsuche erschwert

Thomas Hagen von plus eventsupport sprach von einer „katastrophalen Signalwirkung“ für die gesamte Veranstaltungs- und Cateringbranche. „Wir kämpfen seit zwei Jahren mit einer verstärkten Abwanderung von Personal in andere Branchen, weil man die Motivation nicht mehr erhalten kann, in unserer Branche zu arbeiten.“ Er habe zwar Verständnis dafür, dass ein Veranstalter bei unsicherer Prognose, ob er eine Veranstaltung durchführen kann, auf die Bremse trete. Allerdings werde die Personalsuche in der Branche dadurch noch schwieriger, gibt Hagen zu bedenken.

Möglicherweise eine Kostenfrage

Im ORF Landesstudio Vorarlberg wird hinter vorgehaltener Hand allerdings noch ein anderer Grund für die Absage der 50-Jahr-Feier kolportiert, nämlich die hohen Kosten. So sei es der Bevölkerung wohl nur schwer zu vermitteln, dass in Zeiten steigender Preise ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine teure Veranstaltung organisiere, um sich selbst zu feiern. In dem Zusammenhang gebe es auch einen Brief eines ORF-Mitarbeiters an diverse Medien. Jedenfalls seien die steigenden Covid-Zahlen ein „gutes Exit-Szenario“ gewesen, um die Veranstaltung ohne Gesichtsverlust absagen zu können, heißt es ORF-intern.

Günther Bitschnau/wpa