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Geteilte Meinung zur neuen Fußgängerzone

29.06.2022 • 19:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Restaurantbesitzer Michele Mastrangelo darf seinen Gastgarten erweitern. <span class="copyright">hartinger</span>
Restaurantbesitzer Michele Mastrangelo darf seinen Gastgarten erweitern. hartinger

Die neue Fußgängerzone in Bregenz: Bereicherung oder nicht? Ein Lokalaugenschein.

Die neue Bregenzer Fußgängerzone wird am morgigen Freitag offiziell eröffnet. Erste Sperren gab es allerdings auch die letzten Tage. Seit Dienstagabend dürfen in den neuen Fußgängerzonen etwa keine Fahrzeuge mehr abgestellt werden. Gestern wurde zudem die Rathaus- und ein Teil der Römerstraße gesperrt, um neue Möblierungen anzubringen. Die NEUE war vor Ort und hat sich umgehört.


Zahlreiche Fußgänger und Radfahrer waren am Mittwochmittag in der Landeshauptstadt unterwegs. Die Beschilderung sorgte jedoch bei manch einem für Verwirrung, da bis dato größtenteils noch keine neuen Verkehrsschilder angebracht waren. Absperrungen, die an verschiedenen Orten aufgestellt waren, wiesen darauf hin, dass lediglich Radfahrern, Linienbussen, Anrainern, Zustellern und Blaulichtorganisationen die Zufahrt gestattet sei. Unter anderem befand sich eine solche Straßenblockade bei der Römerstraße auf Höhe des Modegeschäfts Sagmeister. Trotzdem verirrte sich der ein oder andere Autofahrer in eine der abgesperrten Gassen. Auch zwei Motorradfahrer wurden darauf hingewiesen, dass vor dem GWL keine Parkmöglichkeit mehr besteht.

<span class="copyright">hartinger</span>Absperrung bei der Römerstraße.
hartingerAbsperrung bei der Römerstraße.

Zu viel Verkehr

Während einige die Fußgängerzone in Bregenz begrüßen, zeigt sich vor Ort ein großer Teil noch skeptisch. Die Fahrschule Frener in der Rathausstraße ist direkt von der neuen Situation betroffen. Bis zum gestrigen Tag wurden die Schüler direkt vor der Haustüre der Fahrschule für ihre Fahrstunden abgeholt. Das ist nun nicht mehr möglich, da die Rathausstraße ab morgen zur Fußgängerzone wird. Ausweichen werde man vorerst zur Nepomuk-Kapelle. In weiterer Folge könne man dann vielleicht zum Rathausparkplatz, heißt es. „Abgesehen von unserer Situation als Fahrschule, glaube ich, dass der Verkehr in Bregenz nun zum noch größeren Problem wird. Gerade beim Kreisverkehr neben der HTL“, gibt Fahrschulleiterin Karin Frener zu bedenken. Sie geht außerdem davon aus, dass das Verkehrsaufkommen in der Schillerstraße nun deutlich zunehmen werde. Problematisch sei dies für die angrenzenden Schulen.


<span class="copyright">hartinger</span>Fahrschulleiterin Karin Frener.
hartingerFahrschulleiterin Karin Frener.

Eine Passantin ist sich sicher, dass es entlang der Seestraße nun vermehrt zu Stau kommen werde. Außerdem brauche man einfach mehr Parkmöglichkeiten. Auch eine ältere Dame, die ihr rotes Fahrrad neben sich herschiebt, ist überzeugt, dass es noch ein weiteres Parkhaus in Bregenz benötigen wird, trotzdem merkt sie an: „Ich finde die neue Fußgängerzone eine gute Sache. Viele Leute müssen sich daran aber sicher erst noch gewöhnen.“

<span class="copyright">hartinger</span>Michele Mastrangelo darf seinen Gastgarten erweitern.
hartingerMichele Mastrangelo darf seinen Gastgarten erweitern.

Mehr Gastgarten

Neben jenen, die noch ihre Zweifel an der neuen Fußgängerzone hegen, gibt es auch andere Ansichten. Michele Mastrangelo beispielsweise profitiert vom neuen Konzept. Gemeinsam mit seiner Frau führt er die kleine Pizzaria „Il Monello“ in der Anton-Schneider-Straße. Die einstige Begegnungszone dort wird nun durch eine Fußgängerzone ersetzt. Dadurch bietet sich ihm die Möglichkeit, seinen Gastgarten zu erweitern. Der Bescheid, dass alles seine Regularität hat, liegt seit gestern bei ihm auf dem Tisch. Beinahe gegenüber von seinem Restaurant hat Teppichhändler Memo sein Geschäft. Auch er zeigt sich sehr erfreut, die dazugewonnene Fläche vor seinem Geschäft nun zum Aushängen der Teppiche nutzen zu können.

Teppichhändler Memo. <span class="copyright">hartinger</span>
Teppichhändler Memo. hartinger

Hubert Kinz ist als Geschäftsführer des Goldenen Hirschen samt Bierbar und Weinstube in der Kirchstraße, des Hotels Weißes Kreuz in der Römerstraße und des Cafes Leutbühl gleich mehrfach von den Veränderungen in der Innenstadt betroffen. Er sieht die Fußgängerzonen als große Chance für die Stadt Bregenz, sich weiterzuentwickeln und positiv zu verändert. Trotzdem merkt er an: „Im Detail gibt es noch viele offene Fragen. Soweit wir informiert sind, dürfen Ladetätigkeiten nur von 6 bis 10 Uhr bzw. 18 bis 20 Uhr vorgenommen werden. Es wird sich schwierig gestalten, fixe Lieferzeiten mit den Lieferanten zu definieren.“ Er meint weiters, dass es feiner gewesen wäre, wenn man die Fußgängerzonen etappenweise eröffnet hätte. Trotz allem zeigt er sich jedoch erfreut, auch darüber, dass es nun in den neuen Zonen die Möglichkeit geben werde, die Gastgärten zu erweitern.

Gastronom Hubert Kinz. <span class="copyright">hartinger</span>
Gastronom Hubert Kinz. hartinger

Zukunft ungewiss

Dass Bregenz durch das neue Konzept an Attraktivität dazugewinnen wird, davon ist auch Passant Andreas Schedler aus Wolfurt überzeugt. „Ich finde, es ist bisher schon einiges passiert, vor allem mit der neuen Platzgestaltung.“ Er ist gespannt darauf, was auch in den nächsten Jahren noch passieren wird.
Wie sich die neue Fußgängerzone letztlich entwickeln wird und was für Vor- und Nachteile sie bringt, wird sich wohl erst in Zukunft weisen.

Passant Andres Schedler. <span class="copyright">hartinger</span>
Passant Andres Schedler. hartinger