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Die wehrhaften Frauen aus dem Norden

30.06.2022 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">TT News</span>Magdalena Andersson (l.) und Sanna Marin.
TT NewsMagdalena Andersson (l.) und Sanna Marin.

Magdalena Andersson und Sanna Marin, die Regierungschefinnen Schwedens und Finnlands, führen ihre Länder resolut in neue Bündnissicherheit.

Was tun, wenn die Sicherheitslage in Europa auf einen Schlag nicht mehr die alte ist und man ein Gegengewicht zum offenbar zu allem entschlossenen Russland finden muss? Zwei europäische Regierungschefinnen reagierten kompromisslos, um Kriegstreiber Wladimir Putin die Stirn zu bieten und ihren Ländern größtmöglichen Schutz im mächtigen Verbund der Nato zu sichern.

Als Sanna Marin Ende 2019 Ministerpräsidentin Finnlands wurde, erregte das viel Aufmerksamkeit: Sie war zu diesem Zeitpunkt mit 34 Jahren die jüngste Regierungschefin der Welt. Nun steht die Sozialdemokratin aus einfachen Verhältnissen wieder im Rampenlicht, dieses Mal wegen ihrer standhaften Politik. Binnen weniger Monate schaffte es die Mutter einer Tochter, mit der Neutralität die Säule der finnischen Sicherheitsarchitektur einzureißen – aus einer Notwendigkeit heraus: Als Russland nach Kriegsbeginn an der Grenze zu Finnland Raketen positionierte, gab es zwei Optionen: dem Druck zu weichen oder dagegenzuhalten. Besonnen kündigte sie an, den Nato-Beitritt zu prüfen. Mit dem nun beschlossenen Aufnahmeverfahren führte eine junge Frau, die bei einem Staatsbesuch schon auch einmal eine markige Lederjacke trägt, Finnland von der Neutralität zu einem Militärbündnis – mit Zustimmung des Volks. Allgemein pocht sie darauf, nach Leistung beurteilt zu werden: „Wenn ich es nicht schaffe – und wir wissen, dass das in der Politik passieren kann –, möchte ich nicht, dass es heißt: Das war ja klar, gescheitert, weil sie eine junge Frau ist.“

<span class="copyright">Paul Wennerholm</span>Finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin.
Paul WennerholmFinnische Ministerpräsidentin Sanna Marin.

Zur person

Sanna Marin, geboren 1985, ist seit dem 10. Dezember 2019 finnische Ministerpräsidentin, zudem ist sie die Voristzende der Sozialdemokraten.

Nato Linie

Ihre schwedische Amtskollegin Magdalena Andersson ist ebenfalls auf Nato-Linie: Die 55-jährige Sozialdemokratin weiß, warum ihr Land mit 200 bündnisfreien Jahren gut beraten war – sie weiß aber auch, warum diese Zeiten einen Kurswechsel alternativlos scheinen lassen: „Wir sind mit einem fundamental veränderten Sicherheitsumfeld konfrontiert. Die grundlegende Frage ist, wie wir Schweden am besten schützen. Der Kreml hat gezeigt, dass er zu Gewalt bereit ist, um politische Ziele zu erreichen.“ Elf Wochen nachdem die Streitkräfte Russlands ihren Überfall auf die Ukraine begonnen hatten, befürwortete die Ministerpräsidentin einen unverzüglichen Nato-Beitritt Schwedens. Für die zweifache Mutter zeichnete sich der Paradigmenwechsel schon ab, denn: „Seitdem wir EU-Mitglied geworden sind, sind wir nicht mehr neutral.“ Historisch ist auch ihr Werdegang: 33 Männer waren Andersson seit 1876 im Amt des Ministerpräsidenten vorausgegangen. „Mit der Wut eines Kindes“ habe sie früh auf Ungerechtigkeit reagiert, sagte sie einmal im Interview. Und das blieb so, sagt die Kantig-Schlagfertige stolz.

Am Dienstag will die Nato die Aufnahme Schwedens und Finnlands formell beschließen.

<span class="copyright">Paul Wennerholm</span>Sozialdemokratische Ministerpräsidentin Schwedens: Magdalena Andersson.
Paul WennerholmSozialdemokratische Ministerpräsidentin Schwedens: Magdalena Andersson.

Zur Person

Magdalena Andersson, geboren 1967, ist seit 30. November 2021 sozialdemokratische Ministerpräsidentin Schwedens. Die Ökonomin war von 2014 bis 2021 Finanzministerin.

Von Thomas Golser und Maria Schaunitzer