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Fünf Gipfel mit schöner Aussicht

01.07.2022 • 19:43 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Vylet</span>Die grenzüberschreitende Wanderung im Lecknertal überzeugt mit überwältigendem Panoramablick.
VyletDie grenzüberschreitende Wanderung im Lecknertal überzeugt mit überwältigendem Panoramablick.

Wanderführerin Hertha Glück und Fotograf Gerhard Vylet wandern im Lecknertal.

Das Lecknertal liegt unter anderem in der Gemeinde Hittisau und ist Teil des Naturparks Nagelfluhkette. Die Route zeichnet sich dadurch aus, dass sie sowohl durch Vorarlberg als auch Deutschland führt. Nach der Anfahrt auf der Mautstraße bis zum Wanderparkplatz Lecknersee wird taleinwärts die Lecknerach überquert. Kurz danach folgt links der Anstieg zum ersten Gipfel der Wanderung, dem Falken. Die Tour führt auf der Forststraße an der Egg-Alpe vorbei zur Juliansplatten-Alpe mit Alpschweinen. Ein Wiesenweg führt bis zur Schwarzenberger Platte-Alpe. Rechts hinauf wird über die Plattentisch-Alpe der Gratweg zum Gipfel erreicht.

Kein Weg für Anfänger

Nach den ersten 580 Höhenmetern geht es wieder hinunter zur Abzweigung der Nagelfluhkette. Dieser Gratweg in Richtung Hochgrat lässt das Wandererherz höherschlagen. Damit der alpine Weg in vollen Zügen genossen werden kann, sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung. Dem Wald- und Wurzelweg folgt ein steiler Abstieg im Nagelfluh-Gestein zu einem schmalen Steig, der in einen Schotterweg mündet.
Der nächste Gipfel ist die Rohnenhöhe, auch Eineguntkopf genannt. Dieser überrascht mit schattigen Abschnitten im Wald, die sich mit ausgesetzten schmalen Steigen über die Nagelfluh-Felsen abwechseln. Metalltritte unterstützen dabei. Das steil abfallende Gelände mit dem Blick auf das Lecknertal, den Bregenzerwald, den Bodensee und die südlich gelegenen Gipfel laden dazu ein, stehen zu bleiben.


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Vylet

Vom Hohenfluhalpkopf aus sind der Wegverlauf und das Ziel bereits zu sehen. Nach einem kurzen Abstieg über einen steilen Wiesenweg wird der Seelenkopf erreicht. Die Bergstation und den letzten Gipfel der Tour im Blick, kommt ein letzter kleiner Abstieg. Ein hölzernes Tor mit bunten Fahnen markiert das Ende des alpinen Steigs. Nun sind nur noch die letzten Höhenmeter aufwärts zur Bergstation und zum Gipfel zu bewältigen. Eine Tafel informiert über die geologischen Besonderheiten des Nagelfluhs. Hier kann zwischen dem steileren Weg dem Grat entlang und dem etwas flacheren Wiesenweg gewählt werden.

360 Grad Panoramablick

Am Gipfel des 1834 Meter hohen Hochgrats wartet bei gutem Wetter die Belohnung: ein ungeahnten Panoramablick über 1900 Gipfel. Mit Zugspitze 2962 Meter, Wildspitze 3768 Meter, Großem Widderstein 2533 Meter, Rote Wand 2704 Meter, Zimba 2634 Meter, Schesaplana 2965 Meter, Pizol 2844 Meter, Tödi 3614 Meter bis zum Säntis 2502 Meter ist nur eine kleine Auswahl erwähnt. Nordwärts reicht der Ausblick weit über das Alpenvorland des Allgäus.

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Vylet

Der Rückweg startet beim flacheren Weg gegenüber vom Gipfelkreuz. Die Abzweigung nach links zur Obergelchenwang-Alpe ist, wie der Rückweg zum Lecknersee, gut beschildert. Nach der Alpe führt der Weg durch das Obergelchenwanger Tobel zurück. Während der Weg zu Beginn noch flach ist, wird er nach den ersten Bäumen steiler. Der Abstieg wird begleitet durch Wildbachrauschen und ein Waldstück mit Nagelfluh-Felsen und -Felsblöcken. Schließlich mündet der Weg in eine Forststraße, welche zur Brücke über den Lecknerbach führt. Dem Lauf des Wassers folgend wird die Grenze zu Vorarlberg wieder passiert. Der direkte Weg zurück führt am Gasthof Höfle und der Kapelle Mariä Heimsuchung vorbei zum Lecknersee. Ab hier ist der Ausgangspunkt auf dem bekannten Weg rasch erreicht.

Kurzbeschreibung

Besoderes: Das Wechselspiel zwischen lieblicher Kulturlandschaft und anspruchsvoller Gratwanderung führt durch den artenreichen und grenzüberschreitenden Naturpark Nagelfluhkette.

Anforderung und Gehzeit: In circa siebeneinhalb Stunden sind im Auf und Ab des Wegverlaufs circa 1150 Höhenmeter zu bewältigen. Für die Wanderung sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß, weiß-blau-weiß

Kultur und Natur: Naturpark Nagelfluhkette, Lecknersee, Kapelle Mariä Heimsuchung

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle und Kleidung je nach Wetterr

Einkehrmöglichkeiten: ergstation Hochgrat, Alpengasthof Höfle, verschiedene Alpen unterwegs

Start und Ende: Wanderparkplatz Lecknersee in Hittisau, Mautpflicht

<span class="copyright">Vylet</span>Bergbaldrian
VyletBergbaldrian

Blumenkunde

Der Bergbaldrian (Valeriana montana) kommt auf alpinen Kalkschuttfluren zwischen 1000 und circa 2600 Metern Höhe vor. Er erreicht eine Höhe von zehn bis circa 40 Zentimetern. Von Mai bis Juli sind die meist rosafarbenen, seltener weißen dreieinhalb bis sechs Millimeter großen Blüten zu sehen. Blüten und Blätter sind essbar. Fliegen sorgen für die Bestäubung. In der Heilkunst wird ausschließlich der Echte Baldrian verwendet.

Nagelfluhkette und Kapelle Heimsuchung

Der 2008 gegründete Naturpark Nagelfluhkette liegt zu circa einem Drittel in Österreich und ist der einzige grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich. Die 405 Quadratkilometer verlaufen über sieben Allgäuer und acht Bregenzerwälder Gemeinden, und auf den Alpwiesen blühen rund 290 verschiedene Pflanzenarten. Neben Rothirsch, Reh und Gämse leben hier unter anderem auch Birk- und Auerhuhn, Steinadler, Weißrückenspecht und Apollofalter. Hochlagenmoore und Schluchtenwälder zeichnen den Naturpark ökologisch wertvoll aus. Ziel des Parks ist, die Vielfalt an Flora und Fauna zu erhalten. Das verbindende Element im Naturpark ist die Nagelfluhkette.
Das namensgebende Gestein wird auch „Naturbeton“ oder im Allgäu auch „Herrgottsbeton“ genannt. Das geologisch junge Gestein entstand vor circa 30 Millionen Jahren durch Ablagerung von Schotter durch urzeitliche Flüsse. Die unteren Schichten wurden stark zusammengepresst und Kalk, Sand und Mergel füllten die Hohlräume auf und bildeten mit den Steinen eine feste Einheit. Durch die Kontinentalverschiebung wurden diese Platten gegen Norden aufgestellt und bilden heute die drei Nagelfluhketten. Die Route streift die höchstgelegene der drei Nagelfluhketten.

<span class="copyright">Vylet</span>Kapelle Mariä Heimsuchung
VyletKapelle Mariä Heimsuchung

Die heutige Kapelle wurde 1936 fertiggestellt. Das Altarbild stammt vom Egger Kunstmaler Alois Waldner, vulgo „Holdo Hanso Wise“ (1900–1988). Der Maler Alois Waldner war bekannt für seine religiösen Bilder, welche sich in verschiedenen Wälder Kirchen und Kreuzwegstationen finden lassen.
Laut Kulturverein Bahnhof Andelsbuch war Wise kein Mann großer Worte. Wenn es darauf ankam, trafen seine Worte aber ins Schwarze. Er war ein Nonkonformist, Anwalt für die Natur, Pazifist, erklärter Gegner des Nationalsozialismus und überzeugter Humanist.

Quellen: Flora Helvetica- Haupt Verlag, Blumen der Alpen – Kosmos Verlag, hittisau.at, nagelfluhkette.info, Informationspavillon in Hittisau, https://kultur-online.net/inhalt/einsiedler-und-rebell

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