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Opfer von Missbrauch fordert 85.000 Euro

01.07.2022 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Zivilverfahren am Landesgericht Feldkirch fordert die Frau Schadenersatz. <span class="copyright">Symbolbild Hartinger</span>
Im Zivilverfahren am Landesgericht Feldkirch fordert die Frau Schadenersatz. Symbolbild Hartinger

Klägerin verlangt Schadenersatz für traumatisierenden Geschlechtsverkehr als Minderjährige.

Für den Schöffensenat ließ sich im Strafprozess nicht zweifelsfrei feststellen, dass der 17-Jährige an einem Abend im Juni 2016 in Dornbirn die 13-Jährige tatsächlich mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen hat. Deshalb wurde der unbescholtene Angeklagte 2017 am Landesgericht Feldkirch vom Hauptvorwurf der Vergewaltigung im Zweifel freigesprochen. Der Unterländer gab an, der Sex in einem Zimmer sei einvernehmlich gewesen. Dafür wurde er wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen schuldig gesprochen. Der Lehrling wurde rechtskräftig zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von fünf Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 1200 Euro (300 Tagessätze zu je vier Euro) verurteilt.

Schwere Nötigung

Ein Schuldspruch erfolgte im Strafverfahren vor fünf Jahren auch zur angeklagten versuchten schweren Nötigung. Demnach hatte er eine Strafanzeige wegen des verbotenen Beischlafs mit der noch nicht 14-Jährigen mit Drohungen zu verhindern versucht.
Der mögliche Strafrahmen für den Jugendlichen betrug null bis fünf Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entsprach umgerechnet zehn Monaten Haft. Der Angeklagte habe Glück gehabt, dass ihm ein Zwangsaufenthalt im Gefängnis erspart geblieben sei, sagten am Freitag im Zivilprozess am Landesgericht die beiden beteiligten Anwälte. Im Zivilverfahren fordert die klagende junge Frau vom beklagten Täter 85.000 Euro an Schadenersatz für die traumatisierenden Folgen des sexuellen Missbrauchs. Sie habe deswegen Psychotherapie in Anspruch nehmen müssen.

55.000 Euro

In der Verhandlung am Freitag einigten sich die Anwälte auf eine Zahlung von 55.000 Euro zur Beendigung des Rechtsstreits ohne Urteil. Allerdings wurde zumindest bis zum Ausschluss der Öffentlichkeit von der Verhandlung formal (noch) kein Vergleich geschlossen. Der Beklagtenvertreter sagte, er müsse erst noch das Einverständnis seines Mandanten zum Vergleichsvorschlag einholen.
Die für Freitag vorgesehene mündliche Erörterung des psychiatrischen Gerichtsgutachtens per Videokonferenz fand nicht statt. Denn der Sachverständige habe den Termin versäumt, sagte die Zivilrichterin. Der Tiroler Gutachter sei bei der Bemessung des Schmerzengeldes irrtümlich auch von einer Vergewaltigung ausgegangen, merkte der Anwalt des Beklagten an. Dazu sei aber im Strafverfahren ein Freispruch erfolgt.

Hilfe für Betroffene

Frauenhelpline. Die Frauenhelpline gegen Gewalt ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0800 222 555 erreichbar.