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Klimakrise musikalisch beleuchtet

04.07.2022 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Tobias Grabher, Dirigent und musikalischer Leiter (c) Ruth Bruckner/Franziska Hehle (5)

Tobias Grabher und Camerata Musica Reno widmen sich Klimawandel.

Wetterphänomene, Witterungen und die Veränderung des Klimas steht auf dem Programm der vierten Konzertproduktion. Denn vor allem „für ein junges Kammerorchester wie uns werden sich die direkten Folgen der menschengemachten Klimakrisen in der Zukunft bemerkbar machen“, sagt der musikalische Leiter und Dirigent Tobias Grabher. Kommendes Wochenende werden die sehr jungen angehenden Profimusiker des Kammerorchesters im Theater Kosmos die Umweltprobleme musikalisch aufbereiten.

Natur und Musik

In „Jahreszeiten – Klimawende – Wendezeiten“ geht es um Musik, die im Zusammenhang mit der Natur steht. Dabei soll jedes einzelne Stück einen ökologischen Bezug herstellen.

Musik von Haydn, Vivaldi, Grieg und Doderer und Texte von Katharina Roggenhofer beleuchten die Verbindung von Mensch und Natur. <span class="copyright"> </span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span>
Musik von Haydn, Vivaldi, Grieg und Doderer und Texte von Katharina Roggenhofer beleuchten die Verbindung von Mensch und Natur.

Mit vier Meisterwerken der Musikgeschichte wird die wichtige Bedeutung der Natur musikalisch kontextualisiert und auch die Rolle des Menschen in Verbindung mit der Natur aufgegriffen. In Joseph Haydns Ouvertüre des Oratoriums „Die Schöpfung Hob. XXI:2 (Die Vorstellung des Chaos)“ wird beschrieben, „wie zufällig und besonders es ist, dass wir überhaupt existieren“, wobei die Unwahrscheinlichkeit der Schöpfung im Zentrum steht.

Sommer und Winter

In den „Vier Jahreszeiten Op. 8, RV 315, 297“ von Antonio Vivaldi wird die besondere Naturwahrnehmung in Sommer und Winter geschildert. Die effektvolle Musik aus dem Barock imitiert „Sommergewitter, das Wehen des Nordwindes und Klirren der Zähne“, so Grabher. Elemente wie die sengende Hitze stehen im Kontext zukünftiger Wetterphänomene.

Die Musik von Edvard Grieg unterstreicht die Vision von Klimaexperten des „gerechten Umgangs mit Natur“. So könne Griegs sinfonische Dichtung „Im Herbst, op. 11“ durchaus als Wehklagen über den drohenden Verlust der Naturvielfalt, aber auch als Aufruf zum Handeln interpretiert werden.

Camerata Musica
Camerata Musica

Destruktive Natur

Im Gegensatz zur Idylle der romantischen Vorstellung Griegs wird im Werk „Mondsee (DWV 82)“ von Johanna Doderer auch „das Destruktive in der Natur“ beleuchtet, welches einhergeht mit der Schönheit der Natur. Die in Bregenz geborene und in Wien lebende Komponistin wirft einen zeitgenössischen Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, wobei Facetten von wilden Wellen, sanfter Natur, lebendigen Reigen am Ufer und im See und harte Kontraste vorkommen.

Vivaldis Solopartien

David Kessler, der bereits bei der zweiten Konzertproduktion „Richard Strauß“ als Konzertmeister fungierte, wird die 1. Violine spielen. Die Violinistin Xenia Rubin wird bei Vivaldi ihr Solodebut geben.

Rubin wurde 1997 in Bregenz geboren und begann mit sieben Jahren das Violinespiel. Nach dem künstlerischen Basisstudium am Landeskonservatorium Vorarlberg studierte sie an der Universität für darstellende Kunst Wien in der Klasse von Lieke te Winkel. Seit 2019 ist sie Teil des Gustav-Mahler-Jugendorchesters. Rubin spielt in sehr vielen Ensembles in Wien und bekam voriges Jahr die Stelle als Akademistin im Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.

Tobias Grabher hat das junge Kammerorchester Camerata Musica Reno in Vorarlberg gegründet und wurde zuletzt für sein künstlerisches Engagement mit dem Richard-Wagner-Stipendium 2022 ausgezeichnet.

Lebenswerte Zukunft

Bei der sinfonischen Lesung „Jahreszeiten – Klimawende – Wendezeiten“ werden sich neben den 45 Musikern der Camerata Musica Reno auch zwei Sachbuchautoren dem Klimathema widmen. Katharina Roggenhofer und Florian Schlederer lesen aus ihrem Buch „Ändert sich nichts, ändert sich alles“ und aus eigens entworfenen Texten. Es wird die Frage gestellt, was auf dem Spiel steht, aber auch beschrieben, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann. Im Fokus stehen dabei die Notwendigkeiten des Handelns, damit die Schöpfung der Natur nicht verloren geht. Das Buch sei „nicht apokalyptisch“, sondern will Wege aus der Krise aufzeigen.

Jahreszeiten – Klimawende – Wendezeiten: am 8. und 9. Juli um 19.30 Uhr im Theater Kosmos.

www.theaterkosmos.at