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Lebensgefährtin erwürgt: Elf Jahre Haft

04.07.2022 • 21:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte zeigte sich bei seinen Schlussworten reumütig und weinte. <span class="copyright">Stadler</span>
Der Angeklagte zeigte sich bei seinen Schlussworten reumütig und weinte. Stadler

Über eine Bluttat mit tödlichem Ausgang wurde verhandelt.

Sieben der acht Geschworenen entschieden auf Mord.

Dafür wurde der unbescholtene Angeklagte am Montag im Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn der Angeklagte und Staatsanwalt Heinz Rusch nahmen drei Tage Bedenkzeit in Anspruch. Der Strafrahmen betrug 10 bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft.

Reumütig geständig

Die Strafe fiel wegen mehrerer Milderungsgründe überraschend milde aus. Dazu führte der vorsitzende Richter Martin Mitteregger aus, der Angeklagte sei unbescholten und reumütig geständig und zur Tatzeit eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen. Zudem sei er durch das Opfer provoziert worden. Erschwerend ausgewirkt habe sich, dass die Tat an der Lebensgefährtin begangen worden sei und sich die Gewalt gegen eine Frau gerichtet habe. Als Schadenersatz hat der 60-jährige Untersuchungshäftling der Mutter der Getöteten 23.000 Euro zu bezahlen und einer anderen Familienangehörigen 5000 Euro.

Das Urteil aus dem Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch ist noch nicht rechtskräftig. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das Urteil aus dem Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch ist noch nicht rechtskräftig. Hartinger

Der Arbeitslose hat nach den gerichtlichen Feststellungen am 26. Oktober 2021 in seiner Bürser Wohnung seine 47-jährige Freundin während eines Streits mit beiden Händen minutenlang so gewürgt, dass sie klinisch tot war. Rettungskräfte konnten die Frau reanimieren. Sie erlag aber zwei Tage später im Landeskrankenhaus ihren schweren Gehirnschäden. In seinem Anklagevortrag sprach Staatsanwalt Rusch von einem drei- bis vierminütigen Würgen. Gerichtsmediziner Water Rabl merkte an, wer so stark gewürgt werde, sei schon nach 10 bis 15 Sekunden bewusstlos.

Türe zugeschlagen

Ihm sei bewusst gewesen, dass er seine Partnerin durch das minutenlange Würgen in Lebensgefahr bringe, sagte der Angeklagte vor Gericht. Die brutale Tat habe er begangen, weil er Angst gehabt habe, dass sie alle Fenster in seiner Wohnung einschlägt. Als er während ihres Streits die Wohnung verlassen habe, habe sie die gläserne Wohnungstür so stark zugeschlagen, dass Scherben geflogen seien. Daraufhin sei er wütend in die Wohnung zurückgekehrt und habe sie gewürgt. Sie habe ihn an jenem Tag mit Beschimpfungen gedemütigt, weil er die falsche Marmelade auf den Tisch gestellt habe. Deshalb habe sie verlangt, dass er zurück in seine Schweizer Wohnung fährt.

Reinhard Haller sagte als Gutachter bei dem Prozess aus. <span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Reinhard Haller sagte als Gutachter bei dem Prozess aus. Archiv/Hartinger

Gerichtspsychiater Reinhard Haller sagte, der Angeklagte sei zur Tatzeit eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen. Denn er habe eine sadomasochistische Fernbeziehung mit wechselseitigen Kränkungen geführt. Zudem habe er ein Burnout gehabt und sei auf Entzug vom Alkohol gewesen. Seine arbeitslose Partnerin habe eine Borderline-Erkrankung mit raschen Stimmungsschwankungen gehabt und Alkoholmissbrauch betrieben.
Verteidiger Bernd Widerin meinte, die vorsätzliche Tötung sei nicht als Mord zu werten, sondern nur als Totschlag, weil sich sein Mandant in einer allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung zu der folgenschweren Tat hinreißen lassen habe. Nur einer der acht Geschworenen teilte die Rechtsansicht des Verteidigers.

Kritik an Beisitzer

Der Angeklagte weinte während seines Schlussworts und sagte, er bereue, was er getan habe. Sein Anwalt kritisierte das Verhalten eines beisitzenden Richters als unpassend. Denn der Richter zählte bis zum Einschreiten des Vorsitzenden viele Sekunden nach, während derer der Angeklagte seine Freundin gewürgt hatte. Dabei klopfte der Beisitzer bei jeder Sekunde mit einem Schreibstift laut auf den Holztisch.