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Hochalpine ursprüngliche Landschaft

08.07.2022 • 18:46 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Moorlandschaft, Blisadonaspitze, Wasenspitze, Grubenjochspitze, Erzbergspitze, Schwarzer Turm. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Moorlandschaft, Blisadonaspitze, Wasenspitze, Grubenjochspitze, Erzbergspitze, Schwarzer Turm. Gerhard Vylet

Wanderführerin Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern von Stuben zur Kaltenberghütte.

Das Bergdorf Stuben mit knapp 90 Einwohnern ist ein auf 1410 Höhenmetern liegender Wintersportort am Arlberg und gehört zur Gemeinde Klösterle. Aus dem Jahr 1330 stammt die erstmalige Erwähnung von Stuben als Poststation, „des Kaisers höchste Stuben“. Stuben war letzter Ort für Rast und Einkehr vor der Arlbergpasshöhe und in den langen Wintern die letzte Wärmestube für die Reisenden, Säumer und Fuhrleute.

In Richtung Kaltenberghütte startet die Wanderung.<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
In Richtung Kaltenberghütte startet die Wanderung.Gerhard Vylet

Bei Stuben fließen der Stubenbach und der Rauzbach durch den Ort und vereinigen sich als Alfenz, der 26 Kilometer lange Hauptfluss des Klostertales. Und Flüsse sowie Wasser begleiten die Rundwanderung in verschiedenen Erscheinungsformen und kühlen auch an einem sehr heißen Tag.

Beim Aufstieg unterwandert man die Sesselliftbahn. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Beim Aufstieg unterwandert man die Sesselliftbahn. Gerhard Vylet

Den Hang hinauf

Ab dem Tourismusbüro geht es zur Talstation Albonabahn I in Wegrichtung Kaltenberghütte. Hinter der Kirche verlässt man das Bergdorf und folgt dem rauschenden Rauzbach nur kurz durchs Rauztobel, um rechts den Hang hin­auf zum ersten Etappenziel, die Kaltenberghütte, unters Schuhwerk zu nehmen. Ein ordentlich steiler Karrenweg bringt einen hinauf zu Albona Kressigboden auf 2020 Höhenmetern liegend. Mehrmals wird der Sackbach überquert und die Sesselliftbahn unterwandert.

Nun ist aber schon eine stattliche Höhe erreicht, sodass man im leichten Auf und Ab hangquerend unterhalb der Stubigeralpe der Maroiköpfe (2522 m) und Albonagrat (2391 m) wandert. Dieser wunderbare Höhenweg offeriert ein Wechselspiel an moderner Infrastruktur wie Straßen mühevoll dem Felsen abgerungen und ursprüngliche Natursehenswürdigkeiten seltener Art. Sogar auf dem Weg zum Kressigboden überschreitet man ungeahnt den Bahntunnel und kurz nachher den Straßentunnel. Weiter geht es auf diesem Alpweg.

Die Kaltenberghütte auf 2.089m.<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span>
Die Kaltenberghütte auf 2.089m. Gerhard Vylet

Einkehren

Alpenrosenteppiche säumen den Weg, Purpur-Enzian leuchtet dazwischen, unzählige Bächlein gurgeln und unterschiedliche Moore und Quellfluren spiegeln sich in zahlreichen Grünnuancen. Nach einer knappen Wanderstunde kann gemütlich in die Kaltenberghütte auf 2089 Metern Höhe eingekehrt werden. Einem Adlerhorst gleich bei der Kaltenberghütte stehend, sieht man bis ins Rätikon hinaus, gegenüber das Lechquellengebirge und ganz nah der markante Burtschakopf (2224 m) und Ameisenspitze (2589 m).
Der Rückweg ist ein Weg der Naturjuwele. Gleich zu Beginn die Gegend der Bludenzer und Albona Alpe, die oberhalb der aktuellen Waldgrenze zahlreiche Quellfluren, Flachmoore und Hochmoorgesellschaften aufweist.

Der Abstieg

Anfangs führt der Abstieg über einen Wiesenweg, der dann durch die Latschen geht. Aber jetzt steigt man ordentlich eine gute Stunde steil ab bis zum Stuben-See, auch Stubigersee genannt. Er liegt besonders idyllisch inmitten mehrerer Längsmulden als kleine Hochmoorfläche mit Latschen und Schlammseggenschlenken.

Jetzt übernimmt ein Waldweglein und weiters wird das Hochmoor des Stuben Sees berührt. Ein Weg mit Kehren schlängelt sich zwischen Latschen und Grau-Erlen abwärts und schon ist man beim Arlbergweg und dem Hauptfluss des Klostertales. Die Alfenz bildet zwischen der letzten Brücke unter Stuben bis zum Ortsbeginn eine gute ausgebildete, für die Höhenlage typische Aue eines Gebirgsbaches, ein bedeutender Amphibienlaichplatz. Somit säumen Pestwurzfluren, Grau-Erlen, Weidegebüsch und Fleischers Weidenröschen dank dem Bio­top Äueliboden den Rückweg zum Ausgangspunkt.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Eine blumen- und aussichtsreiche Wanderung im naturnahen Verwall und artenreichem Schutzgebiet.

Anforderung und Gehzeit: In vier Stunden sind im Auf und Ab circa 710 Höhenmeter zu bewältigen.

Wichtig: Für Hunde gut geeignet, weil es viel Wasser gibt.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Straße, Alp- und Wiesenwege

Kultur und Natur: Stuben, Kaltenberghütte, Biotope Bludenzer und Albona Alpe, Stubigersee, Äueliboden

Anziehen und Mitnehmen: Bergschuhe mit Profilsohle, Wetterkleidung, Wanderstöcke empfohlen

Einkehrmöglichkeiten: Stuben, Kaltenberghütte

Start und Ende: Stuben, Tourismusbüro

Hütten, Biotope und Seen

Die Kaltenberghütte auf 2089 Höhenmetern ist eine Alpenvereinshütte der Sektion Reutlingen des Deutschen Alpenvereins. Namensgebend ist der Kaltenberg, ein 2900 Meter hoher Gipfel im Süden und im Tourengebiet des Gebäudes. Sie wurde ursprünglich 1928 nur für den Winter erbaut. Jedoch wurde der Winterbetrieb aufgrund ausbleibender Gäste unwirtschaftlich, sodass die Wintersaison 1990/91 die letzte war. Nun ist sie ausschließlich über die Sommermonate im Betrieb (Winterraum ist vorhanden).
Zahlreiche, österreichweit wichtige Biotope befinden sich auf der Route: Die Biotopflächen der Bludenzer Alpe und Albona Alpe (11216) verteilen sich in 13 Teilflächen in Hangverebnungen über das gesamte Gebiet. Neben den vielen kleinen alpinen Bächlein und Quellfluren treten Braunseggenmoore sowie lokale Ausbildungen alpiner Hochmoore auf.
Der Stubigersee (11215) hat die typische braune Farbe eines Moorsees. Der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) säumt die Ufer. Er ist auch ein beliebter Amphibienlaichplatz und weist einen großen Insektenreichtum auf. Das Gebiet ist laut Österreichischem Moorschutzkatalog von regionaler und überregionaler Bedeutung.

Quellen: Blumen der Alpen, Kosmos, Vorarlberg Atlas, https://stand-montafon.at/natur-umwelt/natura-2000-im-montafon, naturvielfalt.at

Die Raupen des Alpen-Ringelspinners ernähren sich am liebsten von Rosengewächsen.<span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Die Raupen des Alpen-Ringelspinners ernähren sich am liebsten von Rosengewächsen.Gerhard Vylet

Tierkunde

Der Alpen-Ringelspinner ist ein Schmetterling (Nachtfalter). Die Weibchen legen ihre Eier in „um Stängel geringelten Gelegen“ ab. Die Raupen schlüpfen erst nach einer Überwinterung, entwickeln sich dann aber trotz des rauen Klimas schnell. Sie ernähren sich von sehr vielen verschiedenen Pflanzen, bevorzugen aber Rosengewächse wie zum Beispiel Alpen-Frauenmantel, Gold-Fingerkraut, Echtes Mädesüß, Brombeeren und Zypressen-Wolfsmilch. Die Verpuppung findet in einem Kokon, der zitronengelb bepudert ist, zwischen Pflanzenteilen und Felsen statt. Der Alpen-Ringelspinner fliegt in einer Generation im Juli und August. Sie leben an feuchten alpinen Wiesen oberhalb der Baumgrenze.