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Spanien: Über 150 Verletzte in zwei Tagen

10.07.2022 • 15:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenig überraschend kommt es bei der Stierhatz regelmäßig zu Verletzungen.
Wenig überraschend kommt es bei der Stierhatz regelmäßig zu Verletzungen. (c) AP (Alvaro Barrientos)

Beim traditionellen Stiertreiben wurden etliche Menschen aufgespießt.

Jedes Mal gibt es viele Verletzte, manchmal auch Tote. Die Stierhatz von Pamplona ist das gefährlichste Volksfest Spaniens. Noch bis zum 14. Juli werden jeden Morgen sechs Stiere durch die engen Gassen der nordspanischen Stadt getrieben. Vor ihren Hörnern laufen Hunderte von Menschen, darunter zuweilen auch abenteuerlustige Touristen, um ihr Leben. Die meisten Läufer sind junge Männer, aber auch einige Frauen suchen den Nervenkitzel.

Seit diese traditionellen Stiertreiben am 7. Juli starteten, wurden nach Angaben des Roten Kreuzes bereits annähernd 150 Menschen verletzt. Die meisten erlitten Knochenbrüche, Platzwunden oder Schrammen, weil sie zu Boden stürzten oder von den Stieren niedergetrampelt wurden.

Regelmäßig werden auch „mozos“, wie die weiß-rot-gekleideten Läufer und Läuferinnen genannt werden, auf die Hörner genommen. So wurden etwa an diesem Samstag drei „mozos“ aufgespießt. Sie wurden von den Hörnern in den Oberschenkeln oder auch im Gesäß getroffen – sie überlebten aber. In den letzten 100 Jahren starben mindestens 16 Menschen bei diesem umstrittenen Spektakel.

“Stiere können töten”

„Du riskierst deine Gesundheit”, sagt Teo Lázaro. „Die Stiere können töten.“ Der 48-jährige Baske weiß, wovon er spricht. Er rannte 1991 das erste Mal mit den bis zu 600 Kilo schweren Kampfbullen um die Wette. Seitdem ließ er kaum eine Stierhatz aus, an der jedes Mal mehrere tausend Menschen teilnehmen. 2011 wurde er durch zwei Hornstöße schwer verletzt. Doch auch dies konnte ihn nicht davon abhalten, im darauffolgenden Jahr wieder am Stiertreiben teilzunehmen.

Was er jenen empfehle, die unbedingt bei der Hatz ihr Leben riskieren wollen? Vor allem eines, sagt Lázaro: „Nach hinten gucken, nach links und rechts gucken, nach vorne gucken.“ Man müsse den herandonnernden Stieren und anderen Läufern rechtzeitig ausweichen. Auch wenn dies in der Masse aus Menschen und Stieren nicht immer gelinge.

Deswegen hat Lázaro, der dieses Jahr als TV-Reporter dabei ist, noch eine Überlebensregel: „Wenn du fällst, dann versuche nicht, sofort wieder aufzustehen.“ Die Hörner könnten in diesem Moment gefährlich nahe sein. Erfahrene Läufer bleiben deswegen nach einem Sturz liegen, schützen den Kopf mit den Armen und warten, bis die Gefahr vorbei ist.

Bis zu einer Million Menschen besuchen diese einwöchige Stier-Fiesta, deren täglicher Höhepunkt die morgendlichen Stierrennen sind. Nach der täglichen Hatz wird in der Altstadt der 200.000-Einwohner-Stadt gefeiert.

Am Abend haben die Stiere, die morgens durch die Gassen gejagt wurden, dann ihren zweiten und letzten Auftritt: Sie werden in Pamplonas vollbesetzter Arena vor den Augen von 20.000 Zuschauern von professionellen Toreros getötet. Anschließend geht die Party bis spät in der Nacht auf den Straßen und in den Bars weiter.

Bürgermeister jubelt: “bestes Fest der Welt“, Tierschützer entsetzt

„Das ist das beste Fest der Welt“, jubelt Pamplonas Bürgermeister Enrique Maya. Tierschützer sehen dies naturgemäß anders. „Stierkampf ist prähistorisch“, skandierten Demonstranten in Pamplona vor Beginn dieses Volksfestes, das zu Ehren des Stadtheiligen San Fermín gefeiert wird. Sie fordern ein „San-Fermín-Fest ohne Blut“. Die Tierschutz-Bewegung AnimaNaturalis hat bereits 260.000 Unterschriften gegen die „Folter der Stiere“ gesammelt.

Kurios ist, dass dieses Spektakel einem guten Zweck dient. Denn der Veranstalter ist das „Haus der Barmherzigkeit“ – eine gemeinnützige Organisation, die das größte Seniorenheim der Stadt betreibt. Das Heim, in dem fast 600 bedürftige Senioren leben, wird mit den Einnahmen des Stierfestes subventioniert – rund drei Millionen Euro kommen so jedes Jahr in die Kasse der Altenhelfer.