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Arabische Märchenwelt auf Luxusjacht

11.07.2022 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Einblicke in die Szenen der „Italienerin in Algier“.(c) Klaus Hartinger (7)

„Die Italienerin in Algier“ von Gioachino Rossini im Theater am Kornmarkt.

Im vergangenen August war die Premiere der Opernstudio-Produktion von Gioachino Rossinis „Die Italienerin in Algier“ zwei Stunden (!) vor Beginn wegen Corona abgesagt worden – eine Vollbremsung für Rossinis quirlige Oper, die jungen Sängerinnen und Sänger, das Symphonieorchester, die Regisseurin Brigitte Fassbaender, den Dirigenten Jonathan Brandani und das ganze Team, die sechs Wochen darauf hingearbeitet hatten.

So kommt es, dass die Produktion jetzt, zwei Wochen vor Beginn der diesjährigen Bregenzer Festspiele, zum Teil mit neuer Besetzung, wiederaufgenommen wurde, obwohl doch Brigitte Fassbaender zeitgleich bei den Festspielen in Erl Wagners „Walküre“ inszenierte – einen Tag später war dort Premiere. Da werden wohl Regieassistenten, Aufzeichnungen und Spiellaune mitgeholfen haben.

Buntes Treiben

Rossinis erste abendfüllende Oper aus dem Jahr 1813 soll zwar laut Libretto in Algier spielen und einen reichen Pascha mit traditioneller Sicht auf die Rolle der Frauen auf eine selbstbewusste Italienerin treffen lassen. Doch ist sie musikalisch wie textlich kaum verortet, einzig ein paar Schellentrommeln und Fanfaren bringen orientalisches Flair. Das erlaubt es der Regisseurin und ihrem Bühnen- und Kostümbildner Dietrich von Grebmer, das ganze Treiben auf eine luxuriöse Jacht zu versetzen: Ihr Besitzer Bey Mustafa benennt sie flugs von „Elvira“ (so der Name der angetrauten Gattin) in „Isabella“ um (nach der temperamentvollen Italienerin).

Es gibt das übliche Komödienpersonal und den Reigen an Verwechslungen, Verkleidungen, Täuschungen, zusätzlich aufgepeppt durch fantasievolle Titulierungen zum „Kamaikan“, einer Art Meeresgott, und zum „Pappataci“, die das Nonsense-Karussell der Rossini’schen Turbulenzen noch mehr befeuern.

Cocktails und Blingbling

Die Szenerie ist quietschbunt, schon zur frech beweglichen Ouvertüre präsentieren Stewards als Running Gag Champagner, Hummer, Ananas und Zigarren (und tragen die Reste zurück), Cocktails werden zum Rhythmus der Musik gemixt. Bey Mustafa (Alberto Comes mit leicht schnarrendem Bass), behängt mit Gold und viel Blingbling, lässt sich bedienen und verstößt seine Frau Elvira (Sarah Yang, deren kraftvoller Sopran nur in Rossinis Ensembles eingesetzt ist). Ihr zur Seite ist als Vertraute Zulma die reizende Mezzosopranistin Ekaterina Chayka-Rubinstein mit ihrer feinen Ausstrahlung und den perlenden Koloraturen.

Hauptmann Haly, der Vertraute des Bey, ist der einzige, der etwas orientalisch kostümiert ist und den der polnische Bass Hubert Kowalczyk präsent und augenzwinkernd verkörpert. Mit einer einzigartigen lyrisch beweglichen Stimme begabt ist der kanadische Tenor Spencer Britten, der Rossinis Koloraturen und Spitzentöne in stratosphärischen Höhen meis­tert. Dass er seit seiner Kindheit auch in klassischem Ballett und Jazztanz ausgebildet ist, darf der grazile Sänger, der Mitglied des Opernstudios der Berliner Staatsoper ist, in dieser Inszenierung auch zeigen.

Star des Ensembles aber ist die 24-jährige russische Mezzosopranistin Maria Barakova vom Opernstudio des Bolschoi Theaters, die die Bühne mit ihrer Persönlichkeit, ihrer flammenden Energie und ihrer Ausstrahlung beherrscht. Rein äußerlich würde sie zwar „ihren“ Lindoro in die Tasche stecken, aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und fallen bei dieser stimmlichen Präsenz nicht ins Gewicht. Ein Buffo-Charakter aus dem Bilderbuch und mit einem prächtigen Bariton ausgestattet ist der Italiener Pierpaolo Martella, der alle Kostümierungen klaglos über sich ergehen lässt. Als „Chor“ der Matrosen und Stewards fungieren dazu sechs junge Männer, denen Rosita Steinhauser auch noch eine charmante Choreografie mit Ballett der Deckschrubber verpasst hat.

Von Katharina von Glasenapp
neue-redaktion@neue.at