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Betrüger hält sich für Opfer von Betrügern

11.07.2022 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte übernachtete in zwei Hotels im Bezirk Bludenz, bezahlte aber die Rechnung nicht. Deshalb wurde er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. <span class="copyright">Symbolbild Shutterstock</span>
Der Angeklagte übernachtete in zwei Hotels im Bezirk Bludenz, bezahlte aber die Rechnung nicht. Deshalb wurde er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Symbolbild Shutterstock

Vier Monate Haft für Vorbestraften, der Hotelrechnungen nicht bezahlte.

Der Angeklagte gab vor Gericht Einmietbetrügereien zu. Die ihm zur Last gelegten Lieferbetrügereien bestritt er aber, mit Erfolg. Dazu hält sich der Pensionist für das Opfer von unbekannten Betrügern.

Der geständige 63-Jährige hat trotz seiner finanziellen Notlage in zwei Hotels im Bezirk Bludenz übernachtet, jedoch die Rechnungen im Gesamtausmaß von 1717,50 Euro nicht bezahlt. Das trug ihm am Montag am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen Betrugs ein. Dafür wurde der einschlägig Vorbestrafte zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Die Hotelrechnungen hat er zu begleichen.
Das Urteil ist rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe wäre sechs Monate Haft gewesen. Der Mann aus dem Bezirk Bludenz behauptete in den Hotels wahrheitswidrig, er habe daheim einen Wasserschaden und müsse deshalb im Hotel übernachten.

Rechtskräftig freigesprochen wurde der Untersuchungshäftling hingegen im Zweifel vom Vorwurf des Lieferbetrugs. Insgesamt lautete die Anklage auf schweren gewerbsmäßigen Betrug, mit einer Strafdrohung von sechs Monaten bis fünf Jahren Haft.

Überwiesen, aber nichts erhalten

Für Richter Martin Mitteregger war nicht feststellbar, dass der Angeklagte zwei Kunden auf einem Online-Marktplatz vorsätzlich betrogen hat. Ein Kunde hatte auf das Onlinekonto des Angeklagten 450 Euro überwiesen, die bestellte Spielkonsole aber nicht erhalten. Der zweite Kunde bezahlte 315 Euro für ihm vorenthaltene Waren.

Der Angeklagte gab an, er habe mit den Lieferbetrügereien nichts zu tun. Jemand müsse sein Onlinekonto gehackt und in seinem Namen Geld kassiert haben, ohne die angebotenen Waren zu liefern. Auch die Überweisungen von seinem Onlinekonto auf Konten von zwei Frauen in Litauen seien ohne sein Zutun vorgenommen worden. Er habe das Onlinekonto während seiner Suche nach einem Kredit im Internet eröffnet. Seine Kontodaten habe er niemandem verraten.

Online-Lieferbetrügereien

Richter Mitteregger verwies dazu auf ein von ihm geleitetes Strafverfahren in der vergangenen Woche, über das die NEUE berichtete. Dabei ging es um nach Krediten im Internet suchende Bürger, die dafür Bankkonten einrichteten und Kontodaten an Betrüger weiterleiteten. Sie mussten vermeintliche Gebühren bezahlen, erhielten aber keine Kredite. Stattdessen begingen unbekannte ausländische Täter über die Bankkonten Lieferbetrügereien und nahmen mit Überweisungen Geldwäsche vor.

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