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Drei Mal so viele Firmenpleiten wie im Vorjahr

11.07.2022 • 20:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Insolvenz der Bäckereikette Kloser betrifft knapp 90 Mitarbeiter, eine Sanierung wird angestrebt.  <span class="copyright">Kloser</span>
Die Insolvenz der Bäckereikette Kloser betrifft knapp 90 Mitarbeiter, eine Sanierung wird angestrebt. Kloser

In Vorarlberg stiegen Firmeninsolvenzen sehr massiv an.

Das Auslaufen der staatlichen Covid-19-Unterstützungsmaßnahmen macht sich wie erwartet in der Insolvenzstatistik bei AKV Europa – Alpenländischer ­Kreditorenverband – bemerkbar. In dem Zahlenwerk ist ersichtlich, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 50 Firmen Insolvenz angemeldet haben, das sind beinahe drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum (17). „Die gut gemeinten staatlichen ­Unterstützungsleistungen, die für viele Unternehmen auch tatsächlich gut und wichtig waren, haben zum Teil aber nur die Insolvenz nicht lebensfähiger Unternehmen aufgeschoben“, begründet Elisabeth Bader von der AKV-Fachabteilung Insolvenz Vorarlberg den deutlichen Anstieg. Als „besorgniserregend“ bezeichnet sie den Umstand, dass sich auch die Zahl der Abweisungsbeschlüsse verdreifacht hat. Laut Statistik war demnach bei 21 Firmen nicht einmal freies Vermögen in der Höhe von 4000 Euro vorhanden, um die Kosten für ein formelles ­Insolvenzverfahren aufbringen zu können.

Die größte Verfahren

Die größten Konkurse, nach Passiva gerechnet, haben im ersten Halbjahr 2022 die Unternehmen myRobotcenter GmbH mit Verbindlichkeiten in der Höhe von 14 Millionen Euro, Chalet Sapin GmbH (6,2 Millionen Euro) und Klosers’s Bäckerei (2 Millionen Euro) hingelegt. Letzteres Verfahren betrifft auch am meisten Dienstnehmer, nämlich 89 an der Zahl – gefolgt von der Blitz Personalbereitstellungs GmbH, von deren Pleite knapp 50 Mitarbeiter betroffen sind. Sowohl Kloser’s als auch myRobotcenter, mit derzeit 400 offenen Forderungen, streben laut AKV eine Sanierung an.

Betroffene Branchen

Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen liegt laut AKV-Auswertung immer noch um rund zehn Prozent unter den Werten von 2018 und 2019, also von vor der Coronakrise. Nur im Mai und Juni wurde der 2019er-Wert wieder überschritten. Der in der Pandemie entstandene Rückstau von österreichweit rund 2000 Firmenpleiten werde derzeit daher noch nicht recht abgebaut, heißt es. Branchenmäßig hatten die Bereiche „Verkehr und Warenlagerung“ sowie „Handel, Kfz-Reparatur“ am meisten Insolvenzen zu verzeichnen (jeweils 8) gefolgt von der Bau- sowie der Beherbergungs- und Gastronomie­branche mit jeweils sechs eröffneten Insolvenzverfahren.

Die Detailuntersuchungen des AKV zeigen, dass es in mehr als einem Drittel der öster­reichweiten Firmeninsolvenzen zu einer Entschuldung kommt. Die Durchschnittsquote der Sanierungspläne beläuft sich sogar auf gut 40 Prozent.

201 Privatinsolvenzen. Ebenfalls angestiegen sind die Privatinsolvenzen – und zwar von 171 im ersten Halbjahr 2021 auf 201 Pleiten im Vergleichszeitraum dieses Jahres, was ein Plus von rund 18 Prozent entspricht. 31 private Insolvenzverfahren wurden mangels Kostendeckung abgewiesen, österreichweit nahmen die Privatinsolvenzen im Halbjahresvergleich um rund 34 Prozent zu.

Günther Bitschnau/wpa

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