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Die FPÖ präsentiert ihren Kandidaten

13.07.2022 • 12:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Walter Rosenkranz (l.) bei seiner Angelobung als Volksanwalt durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen.
Walter Rosenkranz (l.) bei seiner Angelobung als Volksanwalt durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. APA/HERBERT NEUBAUER

Parteichef Herbert Kickl wird heute Mittag den Start von Volksanwalt Walter Rosenkranz als Bundespräsidentschaftskandidat bekanntgeben.

Walter Rosenkranz befindet sich im Rennen um die Hofburg in prominenter blauer Gesellschaft. Zwar ist die FPÖ in der Zweiten Republik bei weitem nicht jedes Mal bei Bundespräsidentschaftswahlen angetreten und gewann noch nie. Dennoch schaffte man es, jedes Mal ein zumindest denkwürdiges Kapitel aufzuschlagen. Ob bei der Kandidatur von Heide Schmidt, die Jörg Haiders Unterstützung verlor, oder zuletzt mit Norbert Hofer, der es sogar in die Stichwahl schaffte.

Um 13.30 wird Bundesparteichef Herbert Kickl Rosenkranz der Öffentlichkeit präsentieren.

1951: Der erste Kandidat des dritten Lagers

Bereits die Vorgängerorganisation der FPÖ, der Verband der Unabhängigen (VdU), hatte bei der Wahl am 6. Mai 1951 einen “unabhängigen” Kandidaten aufgestellt: Der Arzt Burghard Breitner schaffte es zwar nicht in die Stichwahl, bei der der von der SPÖ ins Rennen geschickte Theodor Körner als Sieger hervorging. In seiner Heimat Salzburg wurde er jedoch Erster, bundesweit erreichte er immerhin 15 Prozent.

Auch eine Periode danach gab es keinen eigentlichen Kandidaten der Freiheitlichen. Stattdessen einigten sich ÖVP und FPÖ auf den Chirurgen Wolfgang Denk. Dieser unterlag bekanntlich dem SPÖ-Kandidaten Adolf Schärf. Erst über 20 Jahre später sollten die Freiheitlichen wieder in der Hofburg-Wahl mitmischen: 1980 erreichte der Diplomat Willfried Gredler immerhin 17 Prozent.

Als freiheitlichen Kandidaten kann man Otto Scrinzi streng genommen nicht bezeichnen, obwohl er aus den Reihen der Blauen kam. Der Arzt mit deutsch-nationaler Gesinnung trat 1986 auf eigene Faust an, fehlte doch die offizielle Unterstützung der damals noch liberalen Parteiführung unter Norbert Steger. Die Versöhnung mit der Partei erfolgte nach der Machtübernahme Jörg Haiders. Bei der Wahl kam Scrinzi auf nur 1,18 Prozent, Präsident wurde Kurt Waldheim.

Von Schmidt über Rosenkranz bis Hofer

Genau umgekehrt verlief es eigentlich bei der Hofburg-Wahl 1992: Mit der eigentlich liberalen Heide Schmidt trat zuerst eine Kandidatin von Haiders Gnaden an. Dies sollte sich just mitten im Wahlkampf ändern, als diese die Ausländerpolitik ihres Parteichefs nicht mittragen wollte. Schmidt kam auf 16,39 Prozent und trat 1998 wieder an – als Kandidatin des von ihr mitbegründeten Liberalen Forums. Sie holte bei der Wahl 11,14 Prozent. Die FPÖ stellte in diesem Jahr keinen Kandidaten.

Erst 2010 schickten die Freiheitlichen unter Parteichef Heinz-Christian Strache wieder eine Kandidatin in die Bundespräsidentschaftswahl. Barbara Rosenkranz – sie ist mit dem aktuellen Kanddiaten Walter Rosenkranz weder verwandt, noch verschwägert – stolperte gleich zu Beginn des Wahlkampfes über Aussagen zum Verbotsgesetz und zum Holocaust. Bei der Wahl gegen Amtsinhaber Heinz Fischer erreichte sie immerhin 15,24 Prozent.

Das bei weitem beste Ergebnis sollte sechs Jahre später Norbert Hofer für die FPÖ holen. Mit einer Charmeoffensive und einer klaren Positionierung gegen die vermeintlich linke Politik des von den Grünen unterstützten Alexander Van der Bellen erreichte der Vizeparteichef und Dritte Nationalratspräsident 35,05 Prozent. Die erste Stichwahl fochten die Freiheitlichen medienwirksam an, schließlich unterlag Hofer seinem Herausforderer Van der Bellen mit dennoch beachtenswerten 46,21 Prozent.